Aurich
Beifallssturm fegte über das erste Gezeitenkonzert

Aurich - Der erste Beifallssturm ist über die Gezeitenkonzerte hinweggefegt. Rund 400 Gäste erlebten am Donnerstagabend in der Auricher Lambertikirche einen Kammermusikabend, der als Auftaktveranstaltung eines neuen Festivals Maßstäbe setzte.
Die norwegische Geigerin Vilde Frang und der aus Usbekistan stammende Pianist Michail Lifits (ver-)zauberten in einer Mittsommernacht Werke von Mozart (Sonate in F-Dur, KV 377), Brahms (Sonate in d-Moll op.108 ) und Prokofjew (Sonate in D-Dur op. 94a), die durch ihre Lebendigkeit und Intensität die klassizistische Kühle des Kirchenraumes vergessen machten.
Etwas war anders an diesem Abend, am Spiel von Vilde Frang und Michail Lifits. Rein äußerlich agierten sie nicht hingebungsvoller als andere Künstlerkollegen, noch waren sie virtuoser oder aufgesetzt dramatisch, weder akademisch-akkurat oder ausschweifend im Umgang mit dem Notentext.
Es war die Offenlegung des inneren Kerns der Werke
Worin genau lag das Besondere? Es war die Offenlegung des inneren Kerns der Werke und einer tiefen Wahrhaftigkeit des Wesens von Tönen, Klängen, der Musik. Zum einen hatte dies seine Ursache in einem perfekten, nahezu blind sich verstehenden, gleichberechtigten Zusammenspiel aus völliger Übereinstimmung in der Werkauffassung heraus. Als nächstes in einer jugendlichen Leichtigkeit, Spannkraft und Elastizität, deren innere und äußere Konzentration sich auf das Publikum übertrug und das musikalische Geschehen tatsächlich zu einem Erlebnis von Künstlern und Hörern werden ließ. Vor allem aber überzeugte die Art und Weise, wie kleinen Motiven, Phrasen, ja, einzelnen Tönen soviel offener Raum gewährt wurde, dass eine lichte, leuchtende und überaus differenzierte Farbigkeit sich entfalten konnte. So gespielt besitzt Musik Qualitäten, die weit über das „normale“ Maß hinausgehen. Sie gewinnt eine physische Präsenz, deren Sinnlichkeit sich tief in das auditive Gedächtnis einbrennt, die beim Hörer Spuren hinterlässt.

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