Aurich
So wird das Große Meer zum Regenrückhaltebecken

Südbrookmerland - Endspurt auf dem Großen Meer: Am Montag haben die Bauarbeiten für das vierte und letzte Stauwehr für Ostfrieslands größtes Binnengewässer begonnen. Es entsteht im Knockster Tief am Nordufer. Zwei weitere am Süd-Ufer und eines am Nord-Ufer sind bereits betriebsbereit. Schon im Dezember sollen die ersten Testläufe für das Aufstauen beginnen. Das ist erst dann möglich, wenn alle jeweils acht Meter breiten Wehre fertig sind, erläuterten Henning Paulsen-Jacobs vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sowie Reinhard Behrends und Jan van Dyk (beide Entwässerungsverband Emden) am Montag bei einem Pressetermin.
2009 war mit dem Bau des ersten Stauwehres begonnen worden, in jedem weiteren Jahr folgte ein weiteres. Insgesamt sind dafür mehr als vier Millionen Euro angesetzt worden. Finanziert wird das Projekt von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land Niedersachsen. Auftraggeber ist der Entwässerungsverband Emden, verantwortlich für die Bauarbeiten der NLWKN. Weil bis Mitte Juli Brut- und Setzzeit war, konnte die Baustelle in den vergangenen Wochen lediglich vorbereitet werden. Erst am Montag legten die Mitarbeiter der Firma Heyen los und rammten die ersten Spundwände für das Stauwehr ins Erdreich. Das Unternehmen aus Ihlow hatte den Zuschlag unter neun Bietern erhalten. Insgesamt hatten sich 27 Firmen für den Auftrag interessiert.
Vier Bauwerke sollen vom Siel- und Schöpfwerk an der Emder Knock ferngesteuert werden
Jedes Stauwehr kann per Hand bedient werden. In erster Linie sollen die vier Bauwerke aber aus Emden ferngesteuert werden – vom dortigen Siel- und Schöpfwerk an der Knock. Für den Fall, dass die Stauwehre schließen, was etwa 80 Minuten dauert, werden auch die Sportbootfahrer gewarnt. Eine Ampel schaltet auf Rot. Zudem ertönt ein akustisches Signal. Die Frage, wann und wie oft künftig gestaut werden soll, wird an einem Runden Tisch zu klären sein, erläuterte Jan van Dyk. Beteiligt sind an dieser Entscheidung unter anderem Naturschutzverbände, die umliegenden Kommunen, die Entwässerungsverbände und Vertreter der Wassersportvereine.
„In erster Linie dient die Investition dem Naturschutz“, sagte Henning Paulsen-Jacobs. Wenn es zum Beispiel stark regne, funktioniere das Große Meer als Regenrückhaltebecken. Mehr als eine Million Kubikmeter Wasser können dann zwischengespeichert werden, erklärte Jan van Dyk. Durch die höheren Wasserstände ließen sich die Schilfgürtel revitalisieren – deren Filterwirkung sich positiv auf alles Leben in dem Gewässer auswirke. Später werde das Wasser samt Schlamm wieder abgelassen. Die Konsequenz sei eine höhere Wasserqualität. Ebenso hilfreich ist das Aufstauen für die umliegenden Gebiete. Sie können besser entwässert werden. Das im Großen Meer aufgestaute Wasser kann gezielt abgeleitet werden.

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