Leer

Hesel/Türkei
20.07.2012

Kurden-Familie aus Hesel abgeschoben

Von Philipp Koenen

Eine Mutter mit fünf Kindern musste Deutschland verlassen - der Vater darf noch bleiben. Ein 18-jähriger Sohn ist nach Auskunft des Landkreises Leer untergetaucht, eine 17-jährige Tochter verschwunden.

Hesel/Türkei - Nach einem Jahr in Deutschland sind Angehörige einer Familie aus der südlichen Türkei wieder in ihre Heimat abgeschoben worden. Das bestätigte am Donnerstag der Landkreis Leer, nachdem die Linken-Politikerin Franziska Junker (Samtgemeinde Hesel) darauf aufmerksam gemacht hatte. Früh morgens am Mittwoch standen Vollzugsbeamte der Landesaufnahmebehörde Oldenburg, Polizeibeamte aus Leer und ein Arzt bei der Familie in Hesel vor der Tür, um die jesidischen Kurden zum Flughafen nach Hannover zu bringen. Als das Flugzeug startete, waren nicht alle Angehörigen an Bord. Abgeschoben wurde die Mutter mit fünf Kindern, die zwischen 1997 und 2002 geboren sind. Der Vater darf zunächst bleiben; er hat ein EU-Besuchsvisum. Eine 17-jährige Tochter fehlte. „Wir wissen nicht, wo sie ist“, sagte Kreis-Pressesprecher Dieter Backer. Ein 18 Jahre alter Sohn der Familie ist schon seit Februar untergetaucht; er ist zur Fahndung ausgeschrieben.

Im Juli 2011 war die Mutter mit ihren Kindern mit einem Besuchsvisum eingereist, das bis August gültig war. Die Mutter blieb und stellte einen Asylantrag für sich und sieben Kinder. Sie begründete das Ersuchen damit, dass sie in ihrer Heimat aus religiösen Gründen unterdrückt und verfolgt würden. Die Familie lebte zuvor im Kurdengebiet im Süden der Türkei, an der Grenze zu Syrien. Der Vater kam erst später nach, beantragte aber laut Landkreis kein Asyl.

Wie der Landkreis Leer mitteilte, habe das zuständige Bundesamt den Asylantrag der Mutter als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Daraufhin sei die Familie von der Ausländerbehörde der Landkreises zur freiwilligen Ausreise aufgefordert worden. Die Familie stellte einen Asylfolgeantrag, der ebenfalls abgelehnt wurde. Im Januar schließlich sei das Abschiebeverfahren in Gang gesetzt worden. Eine Abschiebung scheiterte zunächst daran, dass die Mutter sich in ärztlicher Behandlung befand. Nachdem der Amtsarzt jedoch unter Auflagen die Reisefähigkeit der Frau attestiert hatte, wurde nun am Mittwoch die Abschiebung vollzogen. Mit einem Eilantrag ans Verwaltungsgericht und einer anschließenden Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht habe der Anwalt der Familie noch versucht, die Abschiebung zu stoppen, so Pressesprecher Backer – doch die Gerichte hätten abgelehnt.

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Holger
20.07.2012 um 11:21 Uhr:
können die Verantwortlichen eigentlich noch ruhigen Gewissens schlafen?
T Stov
20.07.2012 um 16:20 Uhr:
Polizisten erledigen mittlerweile wohl jeden Job.
cyarcu
20.07.2012 um 22:28 Uhr:
Mutter mit kinder abschieben aber die kriminelle nicht wo ist in dieses land die gerechtigkeit????
Matze
21.07.2012 um 01:10 Uhr:
Typisch Deutschland. Was diese kleinen Kinder durchmachen ist sicherlich der Horror. Und die zwei älteren Geschwister in Deutschland. Oh mein Gott. Wieso kann man nicht sagen "Ihr wollt Deutschland, ihr könnt hier bleiben". Wer weiß was die in ihrem Heimatland alles durchmachen.
NAja traurig, mitten in der Nacht eine Familie zu trennen. Ich hoffe die hierfür Verantwortlichen haben nun ein schlechtes Gewissen und werden sich so langsam aber sicher bewusst, was sie angestellt haben.
Heiko Stehmeier
21.07.2012 um 10:32 Uhr:
T:Stov
Polizisten können sich - genau wie jeder andere Beamte - ihre Arbeit nicht aussuchen!as soll diese tumpige Biertischhetze? Oder glauben Sie das es den betroffenen Beamten Spass macht, Kinder abzuschieben, oder gegen gewalttätige Demonstranten vorgehen zu müssen?
Es sind Leute (Hetzer) wie Sie - T.Stov - die in dieser freiheitlichen Demokkratie Polizisten als Büttel des Staates verunglimpfen und dazu beitragen, dass Gewalt gegen Polizisten hoffähig wird!
ich
21.07.2012 um 10:58 Uhr:
Was ich in dem Zusammenhang nicht verstehe, ist, warum man sieben Kinder in einem Land zur Welt bringt, welches offensichtlich nicht lebenswert genug ist, um dort bleiben zu wollen. Das ist auch das, was mich an Diktaturen, speziell in Nordafrika, so wundert. Ständig wird einem gesagt, wie schrecklich dort alles ist, aber Geburtenrückgänge sind dort wohl nicht zu verzeichnen, oder?
lyarcu
21.07.2012 um 12:21 Uhr:
wie dreist muss man sein!!!!!! eine mutter mit ihre kinder in die türkei abzuschieben!!!!!
Traurig
21.07.2012 um 12:58 Uhr:
Mag sein, dass einige Leser hier nun meinen Namen auch mit kleiner Herkunft abstempeln werden, doch kann ich mich nicht zurück halten auch meinen Frust von der Seele zu schreien und vor allem meinen Unmut gegenüber der unseren deutschen Politik zu äußern. Die Êzîden oder wie sie auch im Beitrag beschrieben wurden sind Jesiden sind nun mal eine Minderheit im kurdischen Gebiet der Türkei. Diese Menschen sind immer große Ungerechtigkeit dort ausgesetzt. Was man immer wieder vertuschen will ist auch, dass sehr viele Politiker von besseren Verhältnissen sprechen, was aber gar nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil. Die gesamte jesidische gemeinte der Türkei lebt mittlerweile in Europa. Wenige Familien, getrennt vom Rest der Familie leben noch dort. Für einige, wie es diese benannte Familie ist, wird es unerträglich mit ständiger Angst zu leben und tun es ihren Familienangehörigen nach und kommen nach Deutschland, mit der Hoffnung hier in friedlichen Umständen leben zu dürfen. Wer entscheidet darüber, dass einige Familien es dürfen und andere wiederum in der täglichen Hölle auf Erden leben müssen. Woher nimmt sich nun die deutsche Politik das recht dazu dann auch noch eine Familie auf unmenschliche weise zu trennen. Ein minderjähriges Mädchen, die es schon verstanden hat mit ihren jungen Jahren nicht in solch ein Land zurück gehen zu wollen, was sehr viel schlimmer ist, als von ihrer Mutter und ihren geliebten jüngeren Geachwistern getrennt zu sein. Ein Bruder der es in Kauf nimmt seinen Vater, Mutter und seine Geschwister wohl für einen sehr langen Zeitraum nicht mehr zu sehen, weil das Risiko zu hoch ist endeckt zu werden. Solch eine psychische Folter wird eher in Kauf genommen, da man sich trotz der seelischen Schmerzen dennoch sicher sein kann nicht um sein leben und seine Existenz fürchten zu müssen. Solche Umstände sind den Teenagern bewusst - stellt sich mir noch die Frage, wie fühlen sich wohl die Eltern, die nur das beste für ihre Kinder wollen.
Traurig Deutschland. Echt traurig eine Familie und vor allem Menschen so zu behandeln.

Echt traurig...
DiddiF
21.07.2012 um 13:02 Uhr:
Was ist das für ein Staat ? Es gibt Tausende von Kriminellen in Deutschland ohne Deutschen Pass oder Aufenthaltserlaubnis , die nicht abgeschoben werden. Sehr Traurig sowas immer wieder Lesen zu müssen. Die 17-jährige Tochter ist jetzt alleine in Deutschland und wer weiß wo sie ist. Was die kleinen Kinder durch machen müssen in so einem Alter , echt schrecklich . Wo bleibt die Gerechtigkeit?
YarcuF
21.07.2012 um 16:42 Uhr:
Muss man straffällig sein um Asyl recht zu bekommen?
Hochachtung an Landkreis Leer!
cyarcu
21.07.2012 um 17:27 Uhr:
Mutter mit kinder abschieben aber die kriminelle nicht wo ist in dieses land die gerechtigkeit????
Sinja d
21.07.2012 um 18:30 Uhr:
In der Türkei herrscht Krieg. Die Kurden werde unterdrückt und haben kaum Rechte. In den letzten Jahren haben sind so viele Menschen ums Leben gekommen. Die Mutter wollte ihre Kindern ein etwas friedliches Leben ermöglichen und sie vor dem Blutbad in der Türkei schützen.
Und jetzt?? Und jetzt muss sie Tag für Tag mit der Angst weiter leben und das nur, weil sie nicht hier, in Deutschland, nicht leben darf. Was ist bloß aus dieser Welt geworden???
Peter Luenemann
22.07.2012 um 13:55 Uhr:
@ Heiko Stehmeier

Ich darf mich ihren Ausführungen voll und ganz anschließen !

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