Leer
Kurden-Familie aus Hesel abgeschoben
Hesel/Türkei - Nach einem Jahr in Deutschland sind Angehörige einer Familie aus der südlichen Türkei wieder in ihre Heimat abgeschoben worden. Das bestätigte am Donnerstag der Landkreis Leer, nachdem die Linken-Politikerin Franziska Junker (Samtgemeinde Hesel) darauf aufmerksam gemacht hatte. Früh morgens am Mittwoch standen Vollzugsbeamte der Landesaufnahmebehörde Oldenburg, Polizeibeamte aus Leer und ein Arzt bei der Familie in Hesel vor der Tür, um die jesidischen Kurden zum Flughafen nach Hannover zu bringen. Als das Flugzeug startete, waren nicht alle Angehörigen an Bord. Abgeschoben wurde die Mutter mit fünf Kindern, die zwischen 1997 und 2002 geboren sind. Der Vater darf zunächst bleiben; er hat ein EU-Besuchsvisum. Eine 17-jährige Tochter fehlte. „Wir wissen nicht, wo sie ist“, sagte Kreis-Pressesprecher Dieter Backer. Ein 18 Jahre alter Sohn der Familie ist schon seit Februar untergetaucht; er ist zur Fahndung ausgeschrieben.
Im Juli 2011 war die Mutter mit ihren Kindern mit einem Besuchsvisum eingereist, das bis August gültig war. Die Mutter blieb und stellte einen Asylantrag für sich und sieben Kinder. Sie begründete das Ersuchen damit, dass sie in ihrer Heimat aus religiösen Gründen unterdrückt und verfolgt würden. Die Familie lebte zuvor im Kurdengebiet im Süden der Türkei, an der Grenze zu Syrien. Der Vater kam erst später nach, beantragte aber laut Landkreis kein Asyl.
Wie der Landkreis Leer mitteilte, habe das zuständige Bundesamt den Asylantrag der Mutter als offensichtlich unbegründet abgelehnt. Daraufhin sei die Familie von der Ausländerbehörde der Landkreises zur freiwilligen Ausreise aufgefordert worden. Die Familie stellte einen Asylfolgeantrag, der ebenfalls abgelehnt wurde. Im Januar schließlich sei das Abschiebeverfahren in Gang gesetzt worden. Eine Abschiebung scheiterte zunächst daran, dass die Mutter sich in ärztlicher Behandlung befand. Nachdem der Amtsarzt jedoch unter Auflagen die Reisefähigkeit der Frau attestiert hatte, wurde nun am Mittwoch die Abschiebung vollzogen. Mit einem Eilantrag ans Verwaltungsgericht und einer anschließenden Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht habe der Anwalt der Familie noch versucht, die Abschiebung zu stoppen, so Pressesprecher Backer – doch die Gerichte hätten abgelehnt.

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