Wittmund

Esens
21.07.2012

Letzte 7,5 Kilometer werden teuer

Ingenieur Hans Engelmann (links) von Con-Track stellte die Studie vor. Bild: Lüppen
Ingenieur Hans Engelmann (links) von Con-Track stellte die Studie vor. Bild: Lüppen

Von Karin Lüppen

Con-Track stellte eine Machbarkeitsstudie für die Zugstrecke nach Bensersiel vor. Wenn die Bahn wirklich bis zum Schiffsanleger fahren soll, müsse die Politik sich dafür einsetzen, mahnte der Wirtschaftsförderkreis.

Esens - Zwei Dinge wurden am Donnerstagabend deutlich, als das Ingenieurbüro Con-Track aus Hannover in Esens die Machbarkeitsstudie für die Anbindung von Bensersiel an die Bahnstrecke Esens-Sande vorstellte: Das Projekt wird teuer, und bis die Bahn gebaut wird, stehen noch viele Diskussionen bevor. Aber damit die Strecke überhaupt eine Chance hat, muss die Politik im Landkreis Wittmund sich eindeutig dazu bekennen. „Die Politik ist gefordert, das Ganze voranzutreiben“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsförderkreises, Heino Meenken.

Der Wirtschaftsförderkreis hatte die Studie mit der Inselschifffahrt Langeoog in Auftrag gegeben, finanziert aus Spenden und öffentlichen Zuschüssen. Drei Varianten für den Verlauf stellte Hans Engelmann von Con-Track vor. Die vorläufig günstigste, weil mit 6600 Metern kürzeste Variante verläuft westlich an Esens vorbei. „Aus Eisenbahnersicht wäre es die günstigste“, sagte Engelmann, schob aber hinterher, dass diese kaum Aussicht habe.

Einiges spreche für die Variante, die Esens östlich umfährt

Das liegt vor allem an der Kreuzung zu Landesstraße 8 sowie dem Lidl-Markt, der auf dem früheren Bahnhofsgelände errichtet wurde. Bei 12 000 und mehr Fahrzeugen pro Tag auf der L 8 werde ein höhengleicher Bahnübergang nicht genehmigt. Die Strecke müsse dann über- oder unterquert werden, was den Bau stark verteuere. Vorläufig bezifferte Engelmann die Kosten für die Westtangente auf 23,2 Millionen Euro – ohne Querung. Gleichwohl sprachen sich in der Versammlung in Krögers Hotel mehrere Anwesende, darunter Martin Mammen und Ulrike Maus von den Grünen und Birgitt Hedlefs von der Wählergemeinschaft EBI, für die Westvariante aus. Engelmann fand dazu deutliche Worte: „Dann kommt die Frage, wie willst Du über Lidl weg? Das geht nicht. Der Lidl muss weg.“

Einiges spreche für die Variante 1.200 (7,5 Kilometer), die Esens östlich umfährt. Dazu müsste der Bahnhof verlegt werden, damit der Zug nicht „Kopfmachen“, also nach dem Halt nicht „rückwärts“ aus Esens wieder herausfahren muss. Mit geschätzten Kosten von 23,9 Millionen Euro liegt sie in der Mitte, die Variante 1.100 (7,5 Kilometer) würde laut Con-Track gut 24 Millionen Euro kosten. In diesen Beträgen sind jedoch viele Folgekosten noch nicht eingerechnet. Auch handele es sich um reine Vorschläge, die man im Detail ausarbeiten müsste, so Engelmann. „Wir sollten offen in die Diskussion gehen“, sagte Samtgemeindebürgermeister Jürgen Buß.

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Reinhard Aswegen
22.07.2012 um 11:57 Uhr:
Gute Idee, aber 22 Millionen für einmal weniger umsteigen nur wegen Touristen?
Die tatsächlichen Schwierigkeiten in der Fernanbindung Richtung Süden für Esens liegen weiter südlich: Umstieg in Münster(DB zu DB), Umstieg in Osnabrück(DB zu NWB), eingleisige und nicht elektrivizierter Abschnitt mit vielen Unterwegshaltepunkten bis Oldenburg.
Wilhelmshaven wird nach erfolgter Elektrivizierung OLB-WHV die Wiederanbindung an den Fernverkehr nach Hannover/Berlin einfordern. Regional- und Fernzüge von verschiedenen Bahngesellschaften(DB, NWB) und verschiedenen Antriebsarten(Diesel, Elektro) lassen sich nicht koppeln - somit wird auch nix mit der oft angesprochenen "Flügelung" in Sande. Es käme dann sogar noch zu einem zusätzlichen Umstieg in Oldenburg!
Die Lösung heißt: Küstenbahnreaktivierung!

Zu LIDL und Kreisel:
Eine Lidl Umfahrung ist bereits städtebaulich gesichert! Und der Bahnübergang Bahnhofstraße ist noch gewidmet - hat also bahnrechtlichen Bestandsschutz
Gerd
23.07.2012 um 20:45 Uhr:
Herr Aswegen: Wieso nicht gleich wieder die Pferdekutschen anspannen? Bei so viel Rückschrittsgeist wäre das ehrlicher!
Gerd
24.07.2012 um 12:34 Uhr:
Die westliche Umfahrung macht doch überhaupt keinen verkehrlichen Sinn! Es sei denn man spinnt - koste es, was es wolle! - auf die Reaktivierung der Anno-dazumal-Küstenbahn (am liebsten mit Dampflok!). Die östliche Umfahrung jedenfalls vermeidet Probleme in Esens und in Bensersiel ist man dann auch gleich auf der Seite der Fähranleger, also auf der richtigen.
Reinhard Aswegen
21.02.2013 um 11:29 Uhr:
Herr Gerd R.(?) hat sich meinen Kommentar nicht richtig durchgelesen! Die Küstenbahnreaktivierung dient allen Orten und Bewohnern an der Trasse - die Strecke nach Bensersiel nur den Touristen während der Saison. Die Flügelung in Sande wird nicht funktionieren - und der Lidl muss nicht weg(städtebaulicher Vertrag)!

Pferdekutschen? Wie kommt ER denn bei einer modernen Bahn wie die NWB auf diese Idee???

Natürlich könnte bei einer Reaktivierung auch die Museumsbahn MKO bis Esens fahren - was einen weiteren Vorteil für Nostalgie-interessierte Touristen bieten würde(siehe Dornum)!

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