Rheiderland

Weener
18.01.2013

Fleischerei Eckhoff schickte Mitarbeiter nach Hause

Die Fleischerei Eckhoff hat geschlossen, „wegen Krankheit“ steht auf einem Schild an der Eingangstür. Bild: Mittmann
Die Fleischerei Eckhoff hat geschlossen, „wegen Krankheit“ steht auf einem Schild an der Eingangstür. Bild: Mittmann

Von Tatjana Gettkowski

Am Montag wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass der Betrieb in Weener nicht weiterarbeiten kann. Dass die finanzielle Situation schwierig ist, hatte Joachim Eckhoff selbst bereits Ende November vergangenen Jahres in einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses deutlich gemacht.

Weener - „Wegen Krankheit geschlossen“ steht auf dem Schild an der Eingangstür der Fleischerei Eckhoff in der Westerstraße in Weener. Wie die OZ aus dem Kreise der Mitarbeiter erfuhr, steckt hinter der Ladenschließung aber offenbar doch mehr als eine Erkrankung.

Als die Mitarbeiter am Montag nach zweiwöchigem Urlaub wieder in den Betrieb kamen, um ihre Arbeit aufzunehmen, erwartete sie eine Hiobsbotschaft: Nach Informationen der OZ wurde ihnen von Joachim Eckhoff und einem Schuldnerberater mitgeteilt, dass der Betrieb nicht weiterarbeiten kann und sie sich arbeitslos melden müssen. Seitdem brodelt die Gerüchteküche in Weener. Auch auf Facebook wird die Geschäftsschließung diskutiert. Davon betroffen sein sollen sechs Beschäftigte, die zum Teil schon seit vielen Jahren in dem Betrieb beschäftigt sind. Die Nachricht traf sie wie ein Schock. „Im Dezember haben wir ganz regulär unseren Lohn bekommen“, hieß es.

Wie und ob es mit dem alteingesessenen Familienbetrieb weiter geht, ist offen

Für eine Stellungnahme ist Joachim Eckhoff schon seit Anfang der Woche nicht zu erreichen. Unter der Telefonnummer läuft eine Bandansage. „Sie sind verbunden mit der Fleischerei Eckhoff. Wir sind nicht erreichbar.“ Dann folgt die Telefonnummer von Schuldnerberater Joachim Gustke aus Leer. Zum derzeitigen Zeitpunkt wolle er sich noch nicht näher zur Situation der Fleischei Eckhoff äußern, sagte er auf Nachfrage der OZ. Wie und ob es mit dem alteingesessenen Familienbetrieb weiter geht, ist offen. Ein Insolvenzantrag liegt nicht vor, so Richter Norbert Bruns vom Amtsgericht Leer.

Gemeinsam mit seiner Frau Monika hatte Joachim Eckhoff die Fleischerei im Jahr 2010 von seinem Vater Albert übernommen. Dass die finanzielle Situation des Betriebs schwierig ist, hatte Eckhoff selbst bereits Ende November vergangenen Jahres in einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses der Stadt Weener deutlich gemacht.

„Wir haben ja schon Einbußen gespürt, als der Kreisel gebaut wurde“

Thema war die Sanierung der Westerstraße. Eckhoff sah darin eine Gefahr für zehn Arbeitsplätze in seinem Betrieb. „Wenn sich die Bauzeit über ein halbes Jahr hinzieht, können wir hier nicht bestehen“, sagte Eckhoff, der erst zwei Monate zuvor das Gebäude in der Westerstraße gekauft hatte. Er äußerte die Befürchtung, dass die Kunden wegbleiben könnten, wenn sie während der langen Bauphase nicht wie gewohnt vor der Tür der Fleischerei parken könnten. „Wir haben ja schon Einbußen gespürt, als der Kreisel gebaut wurde.“

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Verbraucher
18.01.2013 um 11:31 Uhr:
In Zeiten von Supersonderangeboten der Discounter muss ein heimischer Schlachter nicht nur eine gute Wurst zubereiten können, sondern im Laden auch Mitarbeiterinnen haben, die von den Kunden als kompetent u n d freundlich wahrgenommen werden.
Dann werden die Kunden auch einen kleinen Umweg wegen einer Baustelle hinnehmen.
In diesem Geschäft haben manche Kunden aber zunehmend etwas vermisst und sind zu einem anderen Schlachter gegangen.
Dieser Mitbewerber in Weener wird sich freuen, er bekommt nicht nur neue Kunden, sondern kann auch ggf. eine Mitarbeiterin übernehmen, jene , die kompetent u n d freundlich ist.
Blaubaer
19.01.2013 um 11:38 Uhr:
Es ist einfach schade. Und ein Spiegel der Gesellschaft, die ihre Koteletts lieber bei Aldi, Lidl und Co. kauft. Hauptsache billig.
Ich hoffe für Familie Eckhoff, dass es weitergeht-obwohl es immer unwahrscheinlicher wird.
Ich werde nicht bei dem u.g. Schlachter kaufen. Dessen Fleisch ist m.M. Nach nicht besser als das was bei den Discountern verkauft wird.
Joachim, ich werde Deine Fleischerkunst vermissen... Und für ein Steak nun doch bis nach Leer oder Jemgum fahren müssen...
Rainder kruizenkamp
21.01.2013 um 21:41 Uhr:
.... Tja und die kalten Platten nehm ich dann auch lieber aus moehlenwarf, neben blumen und Bäcker...
im Gegensatz von jenem schlachter lecker, reichhaltig und trotzdem preiswert.

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