Frau am Freitag

Frau am Freitag
19.06.2009

Zeitrechnung

Von Petra Herterich

Die Zeiten ändern sich - die Zeitrechnungen auch. Mütter etwa berechnen Zeit an ihren Kindern. "Das war, als Tim noch ein Baby war", sagen sie, wenn sie sich an den Bau des Hauses erinnern. Oder "nach der Geburt von Tine" dient als Zeitpunkt für den Wiedereinstieg in den Beruf. Auch die Zeiteinteilung orientiert sich bei Müttern an den Kindern: Nach dem Kindergarten und vor dem Fußballtraining etwa ist die Zeit fürs Mittagessen.
Die Zeiten ändern sich - die Zeitrechnungen auch. Mütter etwa berechnen Zeit an ihren Kindern. "Das war, als Tim noch ein Baby war", sagen sie, wenn sie sich an den Bau des Hauses erinnern. Oder "nach der Geburt von Tine" dient als Zeitpunkt für den Wiedereinstieg in den Beruf. Auch die Zeiteinteilung orientiert sich bei Müttern an den Kindern: Nach dem Kindergarten und vor dem Fußballtraining etwa ist die Zeit fürs Mittagessen. Oder Freizeit ist, "wenn Tim in der Schule sitzt", und Kaffee trinken gehen kann man, "sobald Tine beim Ballett ist".

Jahre später heißt es dann: "Kinder, wie die Zeit verging." Und es beginnt eine neue Zeitrechnung - im Zweifel ist es die gleiche, die frau schon vor der Schwangerschaft hatte. Sie orientiert sich nicht mehr an Kindern, sondern an Kerlen. "Die Zeit mit Stefan" etwa war chaotisch und kam gleich "nach dem Desaster mit Oliver", aber "noch vor Jan", und das "Drama mit Max" will die Frau am liebsten vergessen - war gar kein guter Zeitpunkt.

Im Alter misst sich Zeit an Reisen - sofern man fit ist - oder an Arztbesuchen - sofern man es nicht ist. Entweder trifft man sich "nach Mallorca, aber noch vor Teneriffa" beim Italiener oder "nach dem Augenarzt, aber auf jeden Fall vor der Blasenspiegelung". Zeit ist eben relativ. Der Schlaumeier, der das rausfand, war ein Mann - Chapeau! Männer berechnen Zeit übrigens gerne anhand von Fußballereignissen - "als Werder Meister wurde" -, orientieren sich an ihren Autos - "damals hatte ich noch den Golf GTI" - oder, natürlich, auch an den Frauen: "Da war die Blondine schon weg, aber die Rothaarige noch nicht da."

Und wenn man eine Frau am Freitag ist, gibt es noch die besondere Zeit "zwischen Lippenstift und Akkuschrauber". Das ist eine Zeit, in der Schweigen herrscht, weil sonst die Gedanken nicht zu hören sind. Eine Zeit, die so regelmäßig wiederkehrt wie Weihnachten. Eine Zeit, die die Frau am Freitag nicht mehr missen möchte. Eine Zeit, die immer endet mit - tapfer bleiben.

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