Leer

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07.06.2011

Gastronomie hat ein Nachwuchsproblem

Von Gerwin Gräfe

Mehr als ein Drittel der Auszubildenden steigt vorzeitig aus, deshalb unterstützt das Bildungswerk unterstützt Jugendliche in ihren ersten beruflichen Gehversuchen. Dafür wurde zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband ein eigenes Projekt gegründet.
Leer - Die Gastronomie in Ostfriesland hat Nachwuchsprobleme - nicht nur aus demografischen Gründen. Nach Aussage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Ostfriesland bricht mehr als ein Drittel der Auszubildenden ihre Lehre vorzeitig ab: Die Jugendlichen haben sich unter dem Beruf etwas anderes vorgestellt, sind dem Stress nicht gewachsen oder möchten nicht abends oder am Wochenende arbeiten.

Um mehr Bewerber zu bekommen, die auch ihre Lehre durchhalten, hatte sich der Vorsitzer der Dehoga, Jürgen Garrels, an das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft in Ostfriesland gewandt. Dieses hat zusammen mit der Dehoga ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: den Pro-Dehoga-Ausbildungsverbund in Ostfriesland.

Bildungswerk hilft bei Schwierigkeiten im Betrieb

Das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft unterstützt die Dehoga in zweifacher Weise: "Dadurch, dass wir über gute Kontakte zu Arbeitsagenturen in Ostfriesland und Niedersachsen verfügen, können wir bei der Vermittlung von Bewerbern helfen", sagt der Leiter des Bildungszentrums in Leer, Eckhard Harjes.

Zum anderen kümmern sich Mitarbeiter des Bildungswerks um die Auszubildenden, falls es Schwierigkeiten in den Betrieben gibt. "Es kann schon mal vorkommen, dass Jugendliche, wenn sie auf einer Insel arbeiten, Heimweh bekommen", weiß Sozialpädagogin Anna Zimmermann aus ihrer täglichen Praxis. Zunächst spreche man mit ihnen, und wenn alles nichts hilft, suche man nach einem neuen Betrieb auf dem Festland. Das Bildungswerk greift auch jungen Auszubildenden beim Erwerb des Führerscheins unter die Arme oder vermittelt einen Auslandsaufenthalt.



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Grete
07.06.2011 um 15:41 Uhr:
Es liegt nicht immer nur am Heimweh oder an der Lust am Abend oder Wochenende zu arbeiten. Gerade auf der Insel werden viele Jugendliche regelrecht ausgebeutet. Sie arbeiten viele Überstunden, ohne Bezahlung oder Ausgleich. Auf Nachfrage beim Betrieb, wenigstens nach Ausgleich der Überstunden, folgende Antwort: "Überstunden gibt es bei uns nicht!" Dazu werden dem Azubi noch das Geld für Unterkunft und Verpflegung abgezogen. Motivation wenigstens durch Lob und Anerkennung? Fehlanzeige! Lieber Herr Garrels, würden Sie für 200 Euro netto einen Monat mit vielen zusätzlichen Überstunden arbeiten, ohne Freizeitausgleich oder Vergütung? Wenigstens ihr volles Azubigehalt sollten die Lehrjungs und -mädchen ausbezahlt bekommen! Natürlich kann ein Azubi Ausbildungsbeihilfe beim AA beantragen. Hier wird dann der Steuerzahler wieder geschröpft. Sind Eltern über einen gewissen Satz, können sie die Ausbildung Ihrer Kinder bezahlen und der Chef setzt alles von der Steuer ab. Einige Hotels haben das Problem bereits erkannt und bieten Extras, wie z. B. kostenlose Unterkunft und Verpflegung, Dienstkleidung, kostenloses Waschen der Wäsche usw. an. Leider hat die IHK auch keine Zeit, den Azubis z. B. in einer Unterrichtsstunde mal zu erklären, welche Rechte (und natürlich auch Pflichten) sie haben (auch hier Aussage eines IHK-Mitarbeiters auf Nachfrage zur Lösung des Problems: sorry, leider unterbesetzt).
Peter Lünemann
07.06.2011 um 16:23 Uhr:
Grete, sie haben ja so recht; aber, das ist nicht nur in der Gastronomie so !
Gustav
07.06.2011 um 16:28 Uhr:
Wenn die Gastronomen ihre Mitarbeiter verantwortungsbewußter behandeln würden und eine ordentliche Bezahlung sicher stellen würden, wären vielleicht auch einige junge Menschen bereit, in der Gastronomie zu arbeiten. Vor allen Dingen werden bei der Bezahlung leider sehr oft die Sozialleistungen vergessen. Billigarbeitskräfte gibt es woanders, Ausbeutung ist out!!!
Frau
07.06.2011 um 17:24 Uhr:
Grete:
Da kann ich nur vollkommen zustimmen!
Die Arbeitsbedingungen lassen oft sehr zu wünschen übrig - da kann man manchmal wirklich schon von Ausbeutung sprechen.
Ich spreche da aus eigenrer bzw. aus der Erfahrung meiner Tochter...
Koch oder Kellner
07.06.2011 um 21:06 Uhr:
Bei den schlechten Arbeitsbedingungen und der miesen Bezahlung kann man jungen Menschen kaum raten in der Gastronomie zu arbeiten. Die Arbeitgeber dürfen sich nicht wundern, wenn sich potentielle Auszubildende abwenden.
Gerd Rosendahl
08.06.2011 um 04:34 Uhr:
Sicher liegt es auch an den schlechten Löhnen in der Gastronomie.Wer arbeitet schon gerne so hart für 1200,- € Netto! + Trinkgeld,welches nicht auf mein Rentenkonto kommt und oft der Arbeitgeber sich auch noch am Trinkgeld bereichert.
Solange sich die harte Arbeit an den Wochenenden nicht lohnt und sich nur die Arbeitgeber die Taschen voll stopfen wird sich auch nichts ändern.Habe selbst nach 10 Jahren in der Gastronomie hin geschmissen.
Azubi
08.06.2011 um 05:35 Uhr:
Wie so oft der falsche Ansatz. Es wird hinten angefangen, um die Folgen des Problems der vielen Abbrecher zu bekämpfen, anstatt die Ursachen für das Problem anzugehen. Anstatt mehr Geld für die Vermittlung auszugeben, sollte man mehr Geld für die Azubis ausgeben. Grete scheint sich da auszukennen.

Wird Arbeit schlecht bezahlt und ist darüber hinaus auch noch so unattraktiv wie Grete es beschreibt, ist es doch kein Wunder, dass so viele aufhören. Also entweder die Arbeitsbedinungen stark verbessern oder den Leuten für die unattraktive Arbeit mehr Geld und Anerkennung zukommen lassen. Dann gibts auch weniger Probleme mit den Abbrechern.
ogniossi
08.06.2011 um 10:51 Uhr:
hallo, lehrjahre sind keine herrenjahre! da wurde bei uns damals garnicht von geredet, selbstverständlich wurden überstunden gemacht, es wurde auch mal was sauber gemacht, ohne meckern. für 180.- dm im monat. bloß mit dem unterschied das wir respekt hatten vor unserem lehrherren, heute soll der lehrherr respekt vor dem azubi haben, der noch nichts in seinem leben geleistet hat,eigentlich ein witz,und wenn er dann was sagt, dann droht der herr azubi mit kündigung und arbeitsrecht, die sollen lernen und sich nicht damit beschäftigen was sie alles nicht machen dürfen, sondern erst mal das was sie machen sollen ausführen,dann meckern.
Koch oder Kellner
08.06.2011 um 12:31 Uhr:
@ogniossi
Werter Freund, gedanklich scheinen Sie immer noch in den 50er Jahren zu leben. Inhaltlich gehen Sie mit keinem Wort auf die Problematik ein, sondern räsonieren von den vermeintlich guten alten Zeiten. Vieleicht sollten Sie mal eine Zeit lang in der Gastronomie arbeiten, dann fällt auch bei Ihnen der Groschen.
Nick
08.06.2011 um 13:42 Uhr:
Ich glaube, in der Gastronomie werden viele Auzubildende ausgebeutet. Natürlich sind Lehrjahre keine Herrenjahre, aber viele Azubis müssen in Restaurants und Gaststätten die gleiche Arbeit verrichten wie ausgelernte Kräfte ohne entsprechende Gegenleistung. Das müssen z.B. unsere Azubis im kaufmännischen Bereich nicht, die sind hier um zu lernen und die Vollzeitkräfte zu unterstützen, nicht, um sie zu ersetzen.
Auch ist mir in 16 Jahren noch kein Auszubildender begegnet, der auf seine Rechte gepocht oder respektlos gewesen wäre. Derzeit bilden wir 2 tolle junge Menschen aus, die hilfsbereit und höflich sind, gerne ihre Arbeit tun und sich nicht zu schade sind, auch mal den Kaffee zu machen oder ähnliches. Im Gegenzug werden sie von ihrem Ausbildungsbetrieb geschützt und gefördert - ohne als voll verantwortliche Mitarbeiter verheizt zu werden.
Butler
08.06.2011 um 23:11 Uhr:
Gastronomieausbildung! Nein Danke?

Schön dass die Probleme in der Gastronomie hier wiederholt
genannt werden, aber ist das etwas Neues???
Jeder weiß Bescheid, alle sagen es leise, keiner muckt auf !
Auch die zuständige Gewerkschaft (NGG) weiß schon seit
1970 über die desolaten Zustände in dieser Branche , aber
der Ball wird wie immer und auch in Zukunft flach gehalten!

Die Betriebe, die sich jedes Jahr über Personalmangel
beklagen, erscheinen doch regelmäßig über Stellenanzeigen
durch Agenturen, Zeitungen und im Internet .
Hier stellt sich doch die Frage warum suchen "Die schon wieder"?

Wenn eine NGG-Gewerkschaft schon nicht in die Pötte kommt,
warum soll es dann ein DEHOGA-Verband tun ??
Da schmeckt doch das Bier beim monatlichen Wirtestammtisch
viel besser!

Wann ist es denn nun endlich mal an der Zeit von ihrer Seite
her, an Punkten wie Überstunden ohne Bezahlung, Trinkgelder
beim Chef abgeben, Wochenendarbeit ohne Ausgleich und
der allerbeste Spruch "Dort arbeiten wo andere Urlaub machen!"
einen wirklichen Anreiz zu geben und nicht nur durch hohles
Geschwätz!!

Es geht den Herrn Gastronomen einfach noch zu gut und es dürfen noch viele Chefs die Kasse nach getaner Arbeit abholen!
Und dann heißt es noch "So wenig Umsatz, wer hat hier geklaut?"

Von dem Trinkgeld können die Chefs wenigstens noch in Urlaub
fahren, auch wenn es nur eine Kreuzfahrt ist!

Schiff sinkt! Besatzung von Bord! Jetzt ist es endlich der .....?
Lisa
09.06.2011 um 14:01 Uhr:
@ogniossi: Nichts hören, nichts sehen nichts sagen...hatten wir schon, brauchen wir nicht mehr.

@Azubi: Ich finde den Ansatz nicht falsch. Es wird endlich darauf aufmerksam gemacht (in Medien und öffentlichen Gesprächen). Wenn sich jetzt nicht nur direkt betroffene darüber Gedanken machen, sondern auch die Gäste, wird sich vielleicht etwas ändern.
Außerdem habe ich mich über das Projekt informiert und die scheinen wirklich etwas für die Azubis zu tun.
Gustav
09.06.2011 um 22:06 Uhr:
Hallo Lisa,
das mit den Gästen wird etwas schwierig werden, denn die verhalten sich oft wie zu Hause!
Meistens interessieren die sich nur für sich selbst (Egoisten), das drum herum ist denen oft egal!!! Das kann man immer feststellen, wenn man sie (die Gäste) beobachtet!

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