Emden

Krummhörn
14.11.2011

Greetland-Gegner sehen Parallelen zu Pleite-Projekt

Gebhard Vischer, Petrus Boomgaarden (von links) und Diane Saathoff (rechts) von der Bürgerinitiative "Stopp Greetland" ließen sich am Freitagabend die Einzelheiten des Nürburger Pleite-Projekts von Reinhold Schüssler und seiner Frau Linda erklären.
Gebhard Vischer, Petrus Boomgaarden (von links) und Diane Saathoff (rechts) von der Bürgerinitiative "Stopp Greetland" ließen sich am Freitagabend die Einzelheiten des Nürburger Pleite-Projekts von Reinhold Schüssler und seiner Frau Linda erklären.

Von Stephanie Arends

Die Bürgerinitiative tauschte sich am Freitag mit dem Nürburger Ortsbürgermeister aus. Reinhold Schüssler (CDU) konnte den Bau eines überdimensionierten Freizeitparks in seiner Gemeinde nicht verhindern. Heute gilt dieser als Millionengrab. Die Krummhörner befürchten einen ähnlichen Flop in Greetsiel.
Krummhörn - Eine geplatzte Finanzierung, dubiose Geschäfte und ungültige Verträge: Je mehr Einzelheiten ans Licht kommen, desto schockierter sind die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) "Stopp Greetland". Am Freitagabend ließen sich die Gegner des geplanten Ferienparks in der Krummhörn von den negativen Erfahrungen Reinhold Schüsslers (CDU) mit einem nach ihrer Ansicht ähnlichem Projekt berichten. Die Hauptparallele zum Vorhaben in Greetsiel sehen die Krummhörner beim Investor. Hinter diesem stehe derselbe Konzern wie in Nürburg, so die BI.

Das 350 Millionen teure Projekt gilt heute als Skandal

Zu den Hintergründen: Der nürburgische Ortsbürgermeister hatte den Bau eines überdimensionierten Freizeitparks am Nürburgring trotzt großen Engagements im Jahr 2007 nicht verhindern können. Heute gilt das rund 350 Millionen teure Projekt mit Indoor-Freizeitpark, Veranstaltungshalle, Ladenmeile, Restaurants und Hotels bundesweit als Skandal. Unter anderem auch deshalb, weil die Finanzierung des Investors geplatzt war. Daraufhin sprang das dem Projekt positiv gesinnten Land Rheinland-Pfalz unter der Regierung Beck mit Steuergeldern ein. Die rund 500 versprochenen Arbeitsplätze seien in Nürburg zwar zunächst geschaffen worden, so Schüssler weiter, jedoch wegen fehlender Besucher später wieder eingestampft worden. Ähnliches befürchtet die BI auch bei dem geplanten 80-Millionen-Projekt in Greetsiel. Das Nürburger Projekt sei "deckungsgleich mit der Geschichte, die wir hier vermuten und vielleicht auch erleben werden", sagte Petrus Boomgaarden, Vorsitzender der BI.

Schlechte Begleitumstände für die Befragung

Die Berichte des Nürburger Bürgermeisters lassen bei den Greetland-Gegnern die Alarmglocken läuten. Große Hoffnungen setzen sie nun auf die geplante Bürgerbefragung am Sonntag. Auch wenn die Bürgerinitiative der Befragung zuversichtlich entgegensieht, ärgert sie sich über die Begleitumstände. So haben die Wahllokale beispielsweise am Sonntag von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Das sei eine sehr kurze Zeitspanne, um eine Wahlbeteiligung von mindestens 35 Prozent zu erreichen. Zudem sei der November für eine solche Befragung ungünstig. "Viele in der Gastronomie tätige Personen machen in dieser Zeit Urlaub und können deshalb nicht teilnehmen", so Diane Saathoff von der BI. Weil eine Briefwahl nicht möglich ist, könnten auch viele alte und kranke Menschen sich nicht beteiligen.

Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel

Sie können maximal 1500 Zeichen eingeben.

Karl Hans Barfs
14.11.2011 um 12:35 Uhr:
Wenn Ferienparks grundsätzlich im finanziellen Desaster enden, könnte man die Argumentation der BI ja noch verstehen, aber hier muss man wohl extra nach Nürburg fahren um ein Negativbeispiel zu finden. Wenn schon Vergleiche, dann doch mit Ferienparks mit ähnlichen Verhältnissen an der Nord-/Ostseeküste. Neue Erkenntnisse liegen hier nach m.E. nicht vor-im Gegenteil: Die Argumente der BI sind und bleiben weiter dünn und wenig konkret.
Post von Wagner
14.11.2011 um 13:22 Uhr:
Es wird immer peinlicher für die Krummhörn, warum tut sich das der Bürgermeister eigentlich noch an ? Der Unterschied ist doch schon offensichtlich, 350 Mille gegen 80 Mille, die Größe macht eben aus.Seit doch endlich mal froh das der Fortschritt in die Krummhörn kommt.
Herr Bürgermeister, diese Leute sind hoffentlich nicht die Mehrheit, sonst sollten Sie besser wo anders hin gehen wo man Sie zu schätzen weiß.
Heiko
14.11.2011 um 14:02 Uhr:
@Karl Hans Barfs
Falsch Herr Barfs! Es wurde ein gescheitertes Projektbeispiel des identischen Investors gesucht, und das ist gelungen. Sonst hätten Leute wie Sie der BI doch sofort vorgehalten, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, dieser Investor sei sicher etc.....
Jens
14.11.2011 um 16:05 Uhr:
Sory aber hier werden Äpfel mit Birnen verglichen !! Beide Projekte sind absolut nicht vergleichbar, da unterschiedliche Finanzierungsmodelle auch wenn es der selbe Investor sein soll.
Da hätte sich die BI mal besser informieren oder einfach alles sagen sollen.
Johann Saathoff
14.11.2011 um 17:48 Uhr:
Sonst halte ich mich ja zurück, aber es handelt sich bei den beiden Projekten nicht um denselben Investor! Ich kann mir diese Fehlmeldung nur so erklären:es sollte sicher heißen, "Hinter dem stehe das gleiche (Finanzierungs-) Konzept" statt "Hinter dem steht der gleiche Konzern".
Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied und wird sicher seitens der BI in den nächsten Tagen richtiggestellt...
Dafür
14.11.2011 um 18:09 Uhr:
@Heiko Falsch bitte genauer informieren, oder einfach keinen Senf dazu geben.

Der Investor des Ferienparks Greetland hat nichts mit Nürburgring zu tun. Und Ihr vergleicht Äpfel mit Birnen.

Der mögliche Betreiber ist die Lindner Gruppe am Ring und wurde vom Land Rheinlandpfalz gebeten, diese Projekt zu übernehmen. Sprich Feuerwehr spielen. Das klappt ganz gut. Und Lindner soll im Park ebenfalls nur das Projekt betreiben. Bleibt doch einfach mal bei der Wahrheit. Und @Jens, man musste doch von Seiten der BI einiges verschweigen, sonst würde diese Argument ebenfalls ins Leere gehen.
Julia
14.11.2011 um 19:05 Uhr:
Greetland gehört hierher.

Ostfriesland lebt doch schon Mondjahre hinterher.

Ich hätte gerne Greetland,und auch einen Zoo in Ostfriesland.

Hier verkümmert man doch.

Denke in 5 Jahren ziehe ich nach Köln,ansonsten verkümmere ich hier noch.
Wohnmobil Fahrer
14.11.2011 um 23:53 Uhr:
Wenn in China ein Sack Reis umfällt, dann sollten Sie in der Krummhörn auch keinen aufstellen, der könnte ja schließlich auch umfallen.
Dies sollten die ,, Gegner,, ich bin gegen alles Neue auch berücksichtigen.
Ich denke mal es gibt mehr solcher Anlagen die sehr Erfolgreich sind als diese die Pleite sind.
Dies sollten sich diese ,, Gegner ,, mal als Beispiel nehmen satt den Fortschritt zu blockieren.
Welcher Urlauber kommt den noch nach dieser Peinlichen Bettlaken Attacke noch gerne in die Krummhörn.?, ich sicher nicht !
Ich bin immer gerne mit meinem Wohnmobil gekommen und kenne viele die dies auch gerne gemacht haben.Aber allgemein wird das sicher nicht mehr der Fall sein.Es gibt auch andere Orte an der Nordsee wo ich mit meinem Wohnmobil willkommen bin.
Hausfrau
15.11.2011 um 08:11 Uhr:
Die Sache ist doch ganz einfach: alle die jetzt lautstark nach diesem Projekt schreien, verpflichten sich , wenn es schief gehen sollte, persönlich mit I H R E M Geld für die Pleite zu haften! Damit hier nicht wieder ungefragt und vom Bürger nicht gewollt Steuergelder verschwendet werden! Dann schauen wir mal, wieviele Befürworter es dann noch gibt! So sollte es mit allen dubiosen Geschäften gemacht werden, es müssten immer Leute persönlich haftbar gemacht werden, dann würde vieles besser laufen.
Carsten Nowak
15.11.2011 um 09:05 Uhr:
Wenn man sich mal die ganzen Artikel über Nürburg durchließt und vor allem Bilder vom dortigen Bürgermeister Schüssler sieht, wie er dort strahlend mit einem Glas Champus bei Veranstaltungen auftritt und am Buffet steht, obwohl er doch gegen das Projekt ist... Dann fragt man sich doch ein bisschen warum macht er das nur ?? Und genauso wird es bei der Eröffnung des Ferienparks sein. Da stehen dann alle da und sagen, haben wir doch toll gemacht. Und nicht nur die damaligen Befürworter .
Energiepower
15.11.2011 um 10:42 Uhr:
Ich glaube man sollte lieber ein paar Industriezweige fragen, ob die Lust hätten an der Emsmündung sich anzusiedeln! Ach ne geht ja auch nicht! Es ist wie immer jemand dagegen! Gibt es eigentlich irgendetwas wo niemand was gegen hat! Man sollte mal schauen wieviele junge Leute schon in die Ferne gegangen sind zum arbeiten. Und nun versucht man noch die Urlauber fern zu halten. Wenn das gelungen ist, sind die Tiere dran. Dann werden Flugverbotszonen für die mit Flügel und Zäune gespannt für die die zu Fuss kommen könnten! Dann können die Leute endlich in Ruhe wohnen! Achja únd nicht zu vergessen, man muss noch den Strom,das Wasser und die Lebensmittelzufuhr stoppen!!!
Herzlich Willkommen in der Gemeinde Krummhörn im schönen lautlosen Ostfriesland!!!
Und vergesst nicht die Windmühlen abzustellen.
Zeitungsleser
15.11.2011 um 13:03 Uhr:
Fehlentscheidungen im Baurecht haben eine lange Halbwertszeit. Deshalb ist der gesamte Planungs- und Entscheidungsprozess auch so langwierig und komplex. Der Rat der Gemeinde hätte schon längst im Sinne des Projektentwickler entscheiden können, hat das aber nicht getan.

Warum eigentlich nicht?

Auch bei den grundsätzlichen Befürwortern scheinen Zweifel am nachhaltigen Erfolg des Projektes zu bestehen. Aus gutem Grund. Läuft etwa schief, sind sie zumindest in der moralischen Haftung und werden sich ein weithin sichtbares Denkmal ihrer mangelnden Urteilsfähigkeit errichtet haben.

Wiederwahl ausgeschlossen.

Wünschen wir dem Rat und den BürgerInnen viel Weisheit bei den kommenden Entscheidungen. Und - wer weiss: vielleicht gibt es ja auch einen dritten Weg, bei dem alle auf ihre Kosten kommen, keiner sein Gesicht verliert und Julia nicht nach Köln ziehen muss ;-)
Normalbürger
17.11.2011 um 12:49 Uhr:
Investitionsvorhaben dieser Größe und Tragweite können sicherlich nicht so einfach miteinander verglichen werden. Vergleichbar m.E. sind aber die Konsequenzen, die sich ergeben können, wenn ein solch großes Projekt nach Beginn nicht realisiert werden kann und - im schlimmsten Fall - als Bauruine oder auch nur als nicht rendierliches Projekt - "auf der Strecke" bleibt. Großinvestoren können sich hiergegen absichern und tun dies auch - wer auf der Strecke bleibt sind die Bürgerinnen und Bürger vor Ort und im Falle Greetsiel gfl. die ganz Region. Die touristischen Verbesserungen, die Greetland für die Region bringen soll, sind mir - als Normalbürger - nicht ersichtlich. Ein paar Arbeitsplätze - gfl. im Niedriglohnsektor - vielleicht, aber sonst? Soweit durch die Kommune kein touristisches Gesamtkonzept vorgelegt wird, ist mir nicht ersichtlich, wo die Gemeinde Krummhörn mit dem Ortsteil Greetsiel wirklich hin will. Meine Befürchtugen gehen vielmehr dahin, dass die durch den Investor sehr hoch gehängten Erwartungen für alle, ob @Wohnmobil Fahrer, @Julia, @Carsten Nowak, Gewerbetreibende in Greetsiel und alle anderen nicht werden erfüllen können. Es muss und es wird Verlierer geben - wenn es nicht gut wird: Touristen suchen sich ein anderes Fleckchen. Wie es - sollte es wirklich zu einer Realisierung kommen - in 5 oder 10 Jahresn in Greetsiel aussieht, kann wohl keiner prognostizieren. Wenn überhaupt: Gewinner werden nur die Großinvestoren sein.
Schauen wir mal ............
Volkmar Mennecke
20.11.2011 um 14:17 Uhr:
Hallo liebe Krummhörner,
guckt doch mal nach Bad Zwisc henahn. Da wurde ein Investor der einen Freizeitpark errichten wollte,vergrault. Was soll Kommen?? Eine Bettenburg vermutlich mit bis zu 1200 Betten auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände! Umsatzeinbußen für die Hotellerie mit 30 bis 40 % sind eingeplant und gewollt. Dankeschön an den hiesigen Gemeinderat, der eine Bürgerbefragung leider nicht gewollt hat. Seit froh, dass Ihr wenigstens persönlich abstimmen durftet.

Die Online-Angebote der Zeitungsgruppe Ostfriesland

© ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH