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Wiesmoor

Ärger in Wiesmoor: Insolvenz-Abzocke

Von Jochen Brandt
9. Februar 2010

Die Gläubigervertreter haben bei Bohlen & Doyen in Wiesmoor jeweils rund 400 000 Euro kassiert. Der bisherige Betriebsratschef des Bauunternehmens ist bereits über die horrenden Forderungen gestürzt.

Wiesmoor - Die Insolvenz des Wiesmoorer Bauunternehmens Bohlen & Doyen (BoDo) galt längst als abgehakt, jetzt aber sorgt sie für neuen Wirbel. Offenbar vollkommen überzogene Aufwandsentschädigungen für die Mitglieder des Gläubigerausschusses haben bei der Belegschaft Unmut ausgelöst und den bisherigen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats zu Fall gebracht. Für ihre Arbeit im Ausschuss haben der ehemalige Betriebsrat und die übrigen fünf Mitglieder nach OZ-Informationen jeweils 404 000 Euro geltend gemacht. "Eine völlig unvorstellbare Summe", sagte am Montag Gero Lüers von der Gewerkschaft IG Bau in Oldenburg auf OZ-Anfrage. "Das ist skandalös."

Der Gläubigerausschuss vertritt bei Insolvenzverfahren die Gesamtheit der Gläubiger. In ihm sitzen üblicherweise Vertreter für die betroffenen Banken und Lieferanten. Auch die Arbeitnehmer haben in der Regel einen Sitz. Für die Belegschaft von Bohlen & Doyen ist der ehemalige Betriebsratschef im Gläubigerausschuss.

Als die überhöhten Aufwandsentschädigungen Ende Januar aufflogen, trat der Mann von seinem Betriebsratsposten zurück. Auch bei Bohlen & Doyen hat er inzwischen gekündigt. Zwar sei das Vorgehen der Ausschussmitglieder rechtlich vermutlich nicht zu beanstanden, so der neue Betriebsratsvorsitzende Arno Ukena. "Aber es ist total unmoralisch." Er fürchtet nun auch um den Ruf der Firma: "Die ganze Sache hat mit dem heutigen Unternehmen nichts zu tun", so Ukena.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Dienstag, 9. Februar, in der Ostfriesen-Zeitung.

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Leser-Kommentare:
Nobbi schreibt am 07.03.2010:
Insolvenzverfahren nach unserem deutschen Recht sind Massevernichtungsverfahren. Die horrenden Kosten für den Verwalter fressen das noch vorhandene Kapital fast immer vollständig auf. Für die Gläubiger bleibt dann eine Quote von 3 bis 8 %. Der Insolvenzverwalter kriegt immer 100%. Und dagegen kann man gar nichts machen. Wenn allein der Kuhmann 14 Mio abgezockt hat und alle mitgespielt haben, ist wohl glasklar, dass hier nicht die Masse an die berechtigten Gläubiger, die mit dem Unternehmen zusammengearbeitet haben, verteilt worden ist, sondern viele andere, die dem Unternehmen zuvor völlig fremd waren, die Substanz verfrühstückt haben. Am Ende ist alles nach unseren maximal komplizierten Gesetzen abgewickelt worden. Dass der Patient bei diesen Operationen immer verstirbt, kann man da getrost unbesehen lassen. Unsere Gerichte kennen diesen Missstand seit vielen Jahren, lassen aber immer wieder die gleichen Massevernichter den gleichen Unsinn verzapfen. Juristen untzer sich halt.
georg blume schreibt am 15.02.2010:
Also auf die strasse gehen. doch nein, lieber weiter dümpeln um kein aufsehen zu erregen. Hartz 4 sei dank. was muß noch passieren um den da oben zu zeigen das wir das VOLK sind. internate werden gefördert, kinder der oberen bekommen stipendien, posten werden weitergereicht und wir bleiben Hammel. wir, die herde, bekommen pöstchen um willfähige hammel zu beruihigen. dumme BRD!
Ricarda Wirlpol schreibt am 10.02.2010:
Diesen Betriebsratsvorsitzenden sollte man teeren und federn. Einmal mehr zeigt sich, dass diese Leute nur um ihres eigenen Vorteils willen, sprich schöne Dienstreisen und Zuwendungen, ihren Hintern an den Arbeitgeber verkaufen. Leider ist dies kein Einzelfall. Man kann es beileibe nicht verallgemeinern, nach 45 Arbeitsjahren ist es für mich jedoch alles Lug und Betrug. Der Arbeitnehmer nimmt alles viel zu kritiklos hin.
Helmut Kruse schreibt am 09.02.2010:
Man fragt sich, wo ist die Verantwortung des Insolvenzverwalters geblieben. Aber der hat offenbar auch kräftig mit abkassiert.
Unglaublich, was in unserem Lande alles möglich ist.
Schröder schreibt am 09.02.2010:
Dieser Mann muss das Geld sofort zurück zahlen
1 Jahr ALG I
danach Hartz 4
so eine Schweinerei darf einfach nicht passieren
Ossi schreibt am 09.02.2010:
Interessant, wer sich so alles an dem Unternehmen bereichert hat. Früher der Krankenkassenhiwi, der sich Millionen eingesteckt hat, dann ist ein gesundes Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern den Bach runter gegangen und selbst in der Stunde des Todes bereichert sich noch einer, der es eigentlich besser wissen müsste.

Traurig, traurig, was durch Größenwahn, Inkompetenz, krimineller Energie und Gier aus dieser ehemaligen Perle geworden ist.

Hoffen wir das Beste für die Zukunft!
VW schreibt am 09.02.2010:
Die Nähe zur Macht

Dieses süsse Gift hat also auch im Kopf dieses Gesamtbetriebsratsvorsitzenden das ehemals soziale Gewissen ausgeschaltet.
Wie sonst erklärt sich diese Maßlosigkeit ?



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