Meinung

Was Sie heute wissen sollten

Euro 21 | Gerd Koch | Eurotrainer

Von Joachim Braun

Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Haben Sie es schon bemerkt? Heute beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Wenn es die Medien nicht immer wieder erwähnen würden, wüssten wir es nicht. Kein Sommermärchen-Gefühl, keine Begeisterung, keine Autos mit kleinen Deutschlandfahnen an den Seitenfenstern, und die Elektronikmärkte mühen sich womöglich vergeblich um Kunden für ihre Großbildschirm-Fernseher zu Schnäppchenpreisen. Was ist nur los? Corona ist sicherlich ein wesentlicher Faktor für den Mangel an Vorfreude, Public Viewing ist nur mit großen Einschränkungen erlaubt, wie Katja Mielcarek erfragt hat. Und vergessen wir nicht die Skandale im überkommerzialisierten Fußball-Geschäft mit den gierigen, korrupten Verbänden, von DFB bis Fifa.

Andere Völker, andere Sitten. Bei Türken oder Italienern könnte die Begeisterung deutlich größer sein. Wären denn Menduh Ular und dessen Chef Salvatore Schinocca repräsentativ für Fußballfans in diesen beiden Ländern. Die beiden Arbeitskollegen, die in Leer im Restaurant „Schöne Aussichten“ beschäftigt sind, werden heute Abend vergessen, dass sie gute Freunde sind. Denn ihre beiden Länder bestreiten das Auftaktspiel für die Euro 21. Sportchef Matthias Herzog hat sich mit den beiden sympathischen Männern unterhalten - über die Leidenschaft Fußball und alles, was dazu gehört.

Ein glühender Fußballfan ist dem Vernehmen auch Gerd Koch. Der Rechtsanwalt a. D. und Kommunalpolitiker ist schon einige Male als Volksverhetzer verurteilt worden und sonnt sich daran, einer der umstrittensten Leeraner zu sein, was auch schon der überregionalen Presse auffiel. Auf seinem Blog pöbelt er gegen alles und jeden, getreu dem Antidemokratenmotto „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ (Disclaimer: Ganz gerne verunglimpft er auch mich.). Als Kommunalpolitiker ist er eher unauffällig, weil er sich in Sitzungen selten zu Wort meldet und meistens aus dem Hinterhalt agitiert. Gegenrede lässt er nicht zu, die Kommentarfunktion auf seinem Blog hat er ausgeschaltet, und auf Korrektur-Mails reagiert er nicht. Im Fall des Falles helfen nur Gerichte.

Gestern aber hat er sich etwas geleistet, das selbst bei seinen Fans nicht gut ankommen wird, weil es schlicht respektlos und ungezogen war (vor allem für einen 72-jährigen Mann): An der teils virtuellen Ausschusssitzung gestern nahm der Kreistagsabgeordnete am Bildschirm mit nacktem Oberkörper, in der Badehose teil. Abgesehen davon, dass ein kleiner, dicker, alter Mann wie Koch nicht unbedingt ein ästhetischer Genuss ist, spiegelt dieses Verhalten wider, was der Mann von der Politik und auch von seinen Wählern hält: Nichts! Angeblich will er im September erneut kandidieren. Vielleicht bekommt er diesmal die Quittung für sein schlechtes Benehmen. Nikola Nording musste als Berichterstattung Kochs entblößte Wampe ertragen. Ihren Text lesen Sie heute im Laufe des Tages auf oz-online.de.

Erfreulicheres Thema: Landesweit ist die Inzidenz inzwischen bei zwölf, in Leer sogar bei 5 und in Wittmund bei 3,5. Selbst die Stadt Emden ist nun unten, bei 14. Kein Wunder, dass der politische Druck steigt, endlich weitere Lockerungen zu erlauben, vor allem, was Kontaktbeschränkungen betrifft. Auch beim Gaststättenverband steigt die Unzufriedenheit. Lediglich Landrat Matthias Groote warnt weiterhin vor „Leichtsinn“. Martin Alberts fasst die Stimmung in Ostfriesland zusammen.

Keine umfassenden Öffnungen, aber der staatliche Rettungsschirm für Kliniken soll am 15. Juni auslaufen. „Viel zu früh“, sagt Ulrich Kupczik, Geschäftsführer des Caritas-Gesundheitszentrums für Familien Norderney. Mit dem Rettungsschirm haben die Kliniken für das coronabedingte Einnahmen-Minus Ausgleichszahlungen in Höhe von 50 Prozent erhalten. Falle diese Stütze nun weg, führe das zu wirtschaftlichen Problemen, sagt der Norderneyer Geschäftsführer. Anderen Kliniken geht es ähnlich, wie Daniel Noglik gestern recherchiert hat. Das Problem der Kliniken ist, dass sie schon deshalb Verluste produzieren, weil eine volle Auslastung nicht möglich ist.

Ganz andere Corona-Probleme hat VW in Emden. Aufgrund des Mangels an Halbleitern stoppten inzwischen schon für vier Wochen die Bänder. 20.000 Autos wurden nicht gebaut. Aufgeholt werden können die Verluste wohl nicht mehr, denn anders als im Stammwerk Wolfsburg können nicht die etatmäßigen Werksferien genutzt werden. Warum nicht, hat Ole Cordsen herausgefunden.

Noch mal zurück zur EM: Mehr als 3000 Fußballfans haben sich bis gestern beim „Eurotrainer“ angemeldet. Das Managerspiel hat bei der OZ schon Tradition und ist mit Preisen im Wert von 20.000 Euro ausgestattet, darunter sogar ein Auto. Wer Lust hat, teilzunehmen, die Anmeldung ist heute noch möglich - und zwar hier.

Was heute wichtig wird:

  • In Leer wird der Stadtring saniert, endlich. Noch in diesem Monat geht es los. Es ist nicht die einzige Hauptverkehrsader in der Stadt, an der in diesem Jahr noch gebaut wird, schreibt Nikola Nording. Die Autofahrer wird es nicht freuen.
  • Ein Kunde wurde vor dem Modehaus Silomon in Norden ohne Maske erwischt und beschimpfte auch noch den Polizeibeamten. Der Vorfall landet nun vor Gericht. Marion Luppen verfolgt die Verhandlung in Aurich.
  • Bei vielen Geschäftsleuten ist die Irritation groß, weil sie nicht wissen, ob die Kontaktnachverfolgung noch erforderlich ist oder nicht. Manche verzichten auf die Erfassung, weil sie die Kunden nicht verärgern wollen. Gabriele Boschbach hat sich umgehört.
  • In Emden wird an einem neuen Parkraumbewirtschaftungskonzept gefeilt. Gordon Päschel liefert einen Überblick zum Status Quo und den Plänen. Wo gibt es Parkplatze in der Innenstadt. Was kostet es dort und wo ist es umsonst?

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