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Leichtathletik

Nach 100-Kilometer-Lauf gab’s den Ritterschlag

Das Bild zeigt Thomas Brem (Mitte) überglücklich nach dem Ritterschlag. Bilder: Privat

Der Auricher Thomas Brem lief über 100 Kilometer entlang der Tauber von der Burg Rothenburg zur Burg Wertheim. Nach 65 Kilometern hatte der Ostfriese eine große Krise. Am Ende wurde er zum Ritter geschlagen.

Aurich - Thomas Brem hatte eine Mission. Zusammen mit 180 anderen Ultraläufern startete er im Taubertal (bei Würzburg) bei Tagesanbruch in der Burg Rothenburg. Vor Einbruch der Nacht wollte er die 100 km entfernte Burg in Wertheim erreichen. Wer das schaffte, wurde offiziell zum Ritter geschlagen. Und der Ostfriese schaffte es.

Nach elfeinhalb Stunden erreichte Thomas Brem (rechts) das Ziel.
Dieser Ultralauf findet seine Wurzeln im Mittelalter, als Boten noch zu Fuß unterwegs waren. Um die Kommunikation zwischen den Burgen in Rothenburg ob der Tauber und Wertheim aufrechtzuerhalten, wurden Boten zu Fuß oder auf dem Pferd losgeschickt. Um sicher zu gehen, dass die Nachricht auch ankommt, wurden immer mehrere Boten gleichzeitig losgeschickt. Der Bote der als Erstes am Ziel angekommen war, wurde zum Ritter geschlagen.

Start um 6 Uhr am Morgen

Für die Boten der Neuzeit ging es bereits um 5.15 Uhr los. Da liefen die Athleten durch die Altstadt von Rothenburg in Richtung Start. Im Burggarten angekommen, beauftragte ein Ritter zu Pferd die Sportler eine Botschaft nach Wertheim zu übermitteln. Punkt 6 Uhr fiel der Startschuss in Form eines großen Feuerwerks.

Die Strecke schlängelte sich an der Tauber entlang. Die ersten vier Stunden regnete es bei kühlen Temperaturen wie aus Eimern. Mit dicker Jacke, Handschuhen, Mütze und Stirnlampe machte sich Thomas Brem auf in das Abenteuer und zog sich unterwegs an dafür vorgesehenen Stellen trockene Kleidung an.

Gedanken ans Aufhören

Der Veranstalter hatte den Athleten eingeräumt, bei Kilometer 50 und 71 aus dem Lauf auszusteigen und in eine andere Wertung zu rutschen. Daran verschwendete Brem aber zu Beginn keinen Gedanken.

Als die Sonne sich dann langsam durchsetzte, fand auch Brem sein Lauftempo. Ab Kilometer 65 hatte er mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Er wechselte vom Laufen ins Gehen. „Ich war hin und hergerissen, einfach aufzuhören“, berichtete Brem. Bei Kilometer 71 wechselte er erneut die Laufbekleidung, verpflegte sich ausgiebig und lief doch wieder los.

Kurz danach wurde er von einer Läuferin überholt, die ähnliche Probleme hatte. „Also haben wir beschlossen, das Ding dann gemeinsam durchzuziehen.“

Hinknien zum Ritterschlag

Auch die vielen Steigungen auf den letzten 12 Kilometer konnte das Duo nicht mehr stoppen. Nach 11:30 Stunden erreichte Thomas Brem das Ziel. Direkt danach wurde er zum Ritter geschlagen. Beim Gang zu dieser Ehrung konnte man ihm die Strapazen ansehen. Jeder Schritt war eine Qual. Für den Ritterschlag musste sich Brem auch noch hinknien. Auch das gelang ihm noch.

Alle Finisher versammelten sich dann am Abend in der Wertheimer Burg zu einem opulenten Essen. Hier hielt man sich dann auch wieder an die Tradition. Mit Holzlöffeln, Holztrögen und gigantischen Messern füllten die Athleten ihre Energiespeicher wieder auf.

„Seit diesem Lauf weiß ich, dass man mit unglaublichen Glücksmomenten belohnt wird, wenn es einem gelingt, sich mit dem Kopf aus einem Tief zu befreien“ resümierte Brem. „100 km sind nur eine Zahl. Wichtig ist, was man im Kopf daraus macht.“

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