Aurich

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Oft die einzige warme Mahlzeit in der Woche

Eva Suchsland kocht mit den Besuchern der Kontaktstelle. Bild: Ortgies

Von Vera Vogt

Der wohlige Geruch von Hausmannskost liegt in der Luft, wenn man am Dienstag zu den Dwarsloopern in die Auricher Kontaktstelle kommt. Für einen Obolus bekommen die psychisch Erkrankten eine warme Mahlzeit und noch viel mehr, sagt Köchin Eva Suchsland.

Aurich - Viele psychisch Erkrankte leben alleine. Die Wohnung ist leer. Niemand ist da, für den es sich lohnen würde, zu kochen. Alltägliche Tätigkeiten wie das Einkaufengehen oder Kochen sind für Erkrankte oft unlösbare Herausforderungen. „Für viele ist die hausgemachte Mahlzeit hier in der Kontaktstelle die einzige der ganzen Woche“, sagt Eva Suchsland. „Die Besucher kochen zuhause selten bis gar nicht. Oft kommen Fertigprodukte auf den Tisch.“ Die 45-Jährige arbeitet auf Honorarbasis bei der Kontaktstelle Dwarsloopers in Aurich als Anleiterin für das Kochen. Für den Förderverein der Kontaktstelle sammelt die OZ in ihrer Weihnachtsaktion Spenden. Außerdem kommen die Spenden der OZ-Leser der Theaterwerkstatt Theartic aus Emden zugute.

Weihnachtsaktion der Ostfriesen-Zeitung

Unterstützen Sie mit uns den Förderverein Dwarsloopers in Aurich als Kontaktstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen und den Verein Theartic, der als Theaterwerkstatt auch gehandicapten Menschen jeglicher Herkunft die Möglichkeit gibt, sich künstlerisch zu entfalten.

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Stichwort: OZ-Weihnachtsaktion 2019

Die Ostfriesen haben bis zum 3. Dezember bereits 6525 Euro gespendet.

Jeden Dienstag kommt Eva Suchsland um 14 Uhr in die Kontaktstelle. Dann geht sie mit einigen Mitgliedern der Kochgruppe einkaufen. Der Einkauf ist bei den Dwarsloopern mehr als eine reine Notwendigkeit: Dabei werden Abläufe Schritt für Schritt erklärt und geübt. „Zuerst schauen wir gemeinsam nach, was noch da ist und was wir brauchen“, sagt Suchsland. Das sei eben nicht für jeden selbstverständlich. Beim Einkauf selbst landet nichts ohne Begründung im Einkaufswagen. „Ich erkläre den Besuchern, dass günstiges Essen gesund und saisonal sein kann“, sagt sie. Viele Erkrankungen führten dazu, dass die Besucher keiner geregelten Arbeit nachgehen können. So sei das Geld oft knapp. „Da greifen viele zur Tiefkühlpizza“, sagt Suchsland. „Aber auch ein Salat im Sommer oder Eintöpfe im Winter sind günstig und gleichzeitig nahrhaft.“ Generell seien Regeln und Strukturen wichtig für die psychisch Erkrankten. „Die festen Bahnen fehlen vielen von ihnen privat. Deshalb halten wir uns auch beim Aufdecken oder Abräumen an genaue Abläufe“, sagt Suchsland.

Das Geld für Küchenutensilien fehlt

2,50 Euro zahlen die Besucher für eine Mahlzeit. „Wir würden das auch gerne kostenlos anbieten, aber dafür reicht unser Budget nicht aus“, sagt die zweifache Mutter. Auch mit den 2,50 Euro pro Person muss Suchsland beim Einkaufen auf Angebote achten. „Es kann nicht jede Woche etwas geben, wo teure Lebensmittel wie Fleisch dabei sind.“ Außerdem fehle das Geld für wichtige Küchenutensilien. „Wir brauchen dringend einen größeren Topf und Dinge wie ein Durchlass-Sieb“, sagt sie.

Derzeit improvisieren Suchsland und die Besucher in der Küche – gekocht wird gemeinsam. „Wir sind ein Team. Jeder kann etwas anderes gut“, sagt Suchsland. Bei allen Strukturen und Regeln: In der Kontaktstelle soll keiner überfordert werden. „Wir wollen den Druck rausnehmen, so weit es geht. Der Druck, im Leben zu funktionieren, ist oft das, was die Menschen zerbrechen ließ“, sagt sie.

Wer Rat sucht, ist willkommen

Eva Suchsland ist nicht nur Kochanleiterin, sie ist auch eine wichtige Ansprechpartnerin. „Ich höre zu. Das brauchen die Besucher“, sagt die 45-Jährige. Dabei dürfe sie die Probleme aber nicht mit nach Hause nehmen, fügt sie hinzu. „Die Schicksale lassen mich nicht kalt. Aber, wenn ich weiter für alle da sein möchte, muss ich das in meiner Freizeit auch ausblenden können.“

In ihrem Bekanntenkreis gebe es niemanden, der ablehnend auf Suchslands Arbeit mit psychisch Erkrankten reagiere. „Aber in Ostfriesland ist das Thema oft noch sehr schambehaftet“, sagt sie. „Ich rate jedem, der Probleme hat oder Rat sucht, in der Kontaktstelle vorbeizuschauen. Hier gibt es Menschen, die einen verstehen – und natürlich gutes Essen.“

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