Aurich

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Als sich Inge allein und verloren fühlte

Vor diesem Bild steht Inge oft. Sie erkennt sich darin wieder. Bild: Ortgies

Von Vera Vogt

Seit dem plötzlichen Tod ihrer engsten Freundin findet Inge Zuflucht bei der Kontaktstelle Dwarsloopers für psychisch Erkrankte in Aurich. Die Gespräche dort geben ihr Halt. Die OZ sammelt bei ihrer Weihnachtsaktion Spenden für den Förderverein.

Aurich - Eine Frau mit kurzem Haar steht still vor einem Gemälde. Sie betrachtet die Menschen: graue, gesichtslose Figuren – allein in einer grotesk bunten Welt. „So habe ich mich nach dem Tod meiner besten Freundin auch gefühlt“, sagt sie und setzt sich in eine Sitzecke in der Kontaktstelle Dwarsloopers in Aurich. Inge ist sehr gerne hier, knüpft Kontakte und unterhält sich. Sie ist ein offener Mensch. Im Gespräch mit der OZ möchte sie aber anonym bleiben – Inge ist nicht ihr richtiger Name. „Ich möchte nicht, dass jeder von meinen Problemen weiß“, sagt die Auricherin. Sie leide unter Angststörungen.

Seit es die Kontaktstelle Dwarsloopers für psychisch Erkrankte gibt, kommt Inge dort hin. Derzeit sind ihre Besuche wieder sehr regelmäßig. „Ich komme jeden Tag her, damit ich nicht alleine bin“, sagt sie. Eine Zeit lang war Inge seltener bei der Kontaktstelle. „Ich habe in einer Frauengruppe vom Gesundheitsamt meine beste Freundin kennengelernt“, sagt sie. Die beiden Frauen hätten viel Zeit miteinander verbracht. „Deshalb war ich nicht so oft in der Kontaktstelle. Ich und meine Freundin haben alles zusammen gemacht“, erinnert sie sich.

Inge lebt alleine

Plötzlich wurde Inges Bezugsperson aus dem Leben gerissen. Sie kehrte von einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik nie zurück. „Das war 2010. Sie hat ein Medikament nicht vertragen und ist gestorben“, berichtet Inge. Ihr Blick wandert auf den Boden. Direkt nach dem Tod ihrer Freundin ist Inge vom Hospizverein Aurich in ihrer Trauer begleitet worden. „Etwas später tat mir dann auch die Gesellschaft in der Kontaktstelle wirklich gut. Und das ist noch immer so“, sagt Inge. Sie lebt alleine in einer Wohnung in Aurich.

Auch eine andere Bekanntschaft verschwand kürzlich aus Inges Leben. „Ich hatte lange eine Betreuerin. Die hat sich aber beruflich neu orientiert“, sagt sie. Derzeit kümmert sich ein neuer Beistand um Dinge wie Einkäufe, Behördensachen und Arztbesuche. Damit ist eine der wenigen Grundfesten in Inges Leben die Kontaktstelle Dwarsloopers. „Und die Freundschaften, die hier entstanden sind“, sagt sie und lächelt.

„Das Budget ist recht knapp“

Man merkt der Auricherin an, dass ihr die Kontaktstelle am Herzen liegt. „Ich bin auch ein Mitglied im Förderverein“, sagt sie. Zwölf Euro im Jahr koste die Mitgliedschaft. „Die Mitglieder geben also einen Euro im Monat“, sagt Inge. Große Sprünge könne man sich davon nicht erlauben. Aber alles, was in den Räumen der Kontaktstelle angeboten wird, muss über die Beiträge und über Spenden finanziert werden. „Das Budget ist recht knapp. Wenn wir Dinge, wie einen Kunstkursus anbieten wollen, sind wir auf Spenden angewiesen“, sagt die Auricherin.

Die Ostfriesen-Zeitung sammelt bei ihrer Weihnachtsaktion in diesem Jahr für den Förderverein der Kontaktstelle für psychisch Erkrankte. Die Spenden der OZ-Leser kommen außerdem der Theaterwerkstatt Theartic für Menschen mit und ohne Behinderung und jeglicher Herkunft zugute.

Inge vermisst ihre Freundin sehr

Inge ist aber nicht nur ein zahlendes Mitglied. Vor drei Jahren hat sie sich auch in den Vorstand des Fördervereins wählen lassen. Der Grund dafür liegt für sie auf der Hand: „Ich will die Kontaktstelle unterstützen. Ich weiß, wie wichtig es für einen Menschen sein kann, einen solchen Ort zu haben“, sagt Inge. „Wenn man sich einsam fühlt, ist hier immer jemand da.“

Inge denkt noch oft an ihre Freundin und vermisst sie sehr, sagt sie. „Die Gespräche hier helfen mir in solchen Momenten. Hier habe ich Menschen, die sich um mich kümmern“, fügt Inge hinzu. Die Zeit, in der sie sich grau und gesichtslos gefühlt hat, ist vorbei. Auch dank der Kontaktstelle Dwarsloopers.

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