Leer

Ostfriesland

Notfalls wird die OZ von zuhause aus produziert

Was uns derzeit als Berichterstatter beschäftigt, kann uns selbst zu Betroffenen machen.

Von Joachim Braun

Es war der 4. März, als das Corona-Virus in Ostfriesland ankam. Seither nehmen die Fälle in der Region täglich zu. Viele Unternehmen bereiten sich auf den Notfall vor – auch die OZ. Was ist, wenn der eine oder andere Kollege demnächst in einen ungeplanten Urlaub muss?

Ostfriesland - Lange Zeit war der Corona-Ausbruch auch für die OZ-Redaktion nicht mehr als ein klassisches Nachrichtenthema. Die Kollegen, die zuständig sind, für die überregionalen Nachrichten, übernahmen erst die Berichte aus China, dann kamen Italien und dann Deutschland. Aber auch der Landkreis Heinsberg in der Nähe von Aachen ist verdammt weit weg von Ostfriesland.

Dabei wussten wir damals schon, also vor nicht einmal zwei Wochen: Es ist nur eine Frage der Zeit, wann es in Ostfriesland den ersten Corona-Infizierten geben wird. Es war am 4. März eine 32-jährige Frau aus Westoverledingen. Wo sie sich den Virus eingefangen hat, ist bis heute ungeklärt. Nun war Corona nur noch ein paar Kilometer vom Verlagshaus in Leer-Logabirum entfernt. Immer mehr Berichte von Unternehmen, auch im Medienbereich, die Notfallpläne erstellt hatten, für den Weiterbetrieb auch im Infektionsfall machten die Runde. Wir schrieben darüber, dass die Behörden unvorbereitet sind und wussten selber nicht, was wir im Fall des Falles machen sollen.

Ein virtuelles System

Das änderte sich vor einer Woche. Die Führungskräfte der Zeitungsgruppe Ostfriesland trafen sich zur Führungsgruppe. Für eine Abteilung nach der anderen wurden Pläne erstellt, wie sie auch im Fall einer Quarantäne weiterarbeiten können. Im Fokus natürlich vor allem die Redaktion, weil sie für das Produkt zuständig ist und aufgrund der vielen Außenkontakte auch das größte Infektionsrisiko hat.

Mobiles Arbeiten ist für uns zwar schon seit Jahren möglich, weil das Redaktionssystem zumindest für die Reporter internetbasiert nutzbar ist. Aber um aus Artikeln Seiten zu bauen, müssen die Blattplaner eine Variante nutzen, die bisher nur in den Redaktionsräumen zur Verfügung stand. Außer sie nutzen ein virtuelles System, das ihnen das Einloggen von zuhause ermöglicht. Diese Software ist im Haus seit Jahren vorhanden, wurde aber nur von wenigen genutzt.

Hygieneregeln verinnerlicht

Das ist jetzt anders. Neue Laptops wurden angeschafft, und nun ist es auch möglich, die Zeitung dezentral, in Heimarbeit zu produzieren. Für die Digitalredaktion, die für Internetseiten und App zuständig sind, ist diese Arbeit kein Neuland mehr, für die Blattplaner schon.

Aber damit nicht genug. WhatsApp-Gruppen der verschiedenen Redaktionsteile ermöglichen Kommunikation auch, wenn die Kollegin zuhause in Suurhusen arbeitet und die andere am Küchentisch in Augustfehn. Dieser Notfall soll natürlich nicht eintreten. Deshalb haben auch wir die Hygieneregeln, über die wir permanent schreiben, einigermaßen verinnerlicht: Öfter Händewaschen, kein Händeschütteln und Abstand wahren, was bei der täglichen 16-Uhr-Stehkonferenz noch nicht so wirklich funktioniert. Dienstreisen und Fortbildungen finden vorerst nicht statt. Skiurlaube in Österreich wurden zähneknirschend abgesagt.

Lang und längere Arbeitstage

Die Nachrichtenlage erweist sich indes als fordernd. Bis zum Redaktionsschluss am späten Abend gibt es möglicherweise noch wichtige Nachrichten. Dass sich die Pressestellen oftfriesischer Behörden wenig bis gar nicht abstimmen, macht die Situation nicht leicht. Die sozialen Netzwerke müssen gescannt werden, ob etwas Unvorhergesehenes passiert. Die Arbeitstage in der Redaktion sind für viele Kollegen lang und länger geworden.

In Sachen Corona haben wir nun ein eigenes Rechercheteam, verteilt auf die ostfriesischen Landkreise, das die Krisen-Berichterstattung koordiniert. Schnelligkeit ist zwar wichtig, aber Genauigkeit geht vor. Während zwei Nachbarzeitungen schon am Donnerstagnachmittag vermeldeten, dass Niedersachsens Schulen ab Montag geschlossen sind, warteten wir auf eine offizielle Bestätigung. Die kam nicht, und die gab es auch nicht von einer Abgeordneten, die wir schließlich in Hannover anriefen. Und so hatten wir auf unser Internetseite dazu keine Mitteilung. Die kam erst am Freitag, als die Landesregierung eine offizielle Verlautbarung herausgab.

Immer weniger zu berichten

Angesichts der vielen Panikmitteilungen gerade in Facebook ist korrekte Recherche bei professionellen Medien wichtiger als je. Es geht um Information und nicht um Beunruhigung. Das Informationsbedürfnis der Bürger ist enorm hoch, wie die sich verdoppelten Zugriffe auf unseren Internetseiten zeigen, umso wichtiger ist, dass die von uns veröffentlichten Nachrichten auf ihre Richtigkeit überprüft sind.

Auch abseits von Corona sind wir in einer für uns völlig neuen Situation. Da öffentliches Leben fast nicht mehr stattfindet, haben wir auch immer weniger zu berichten. Nehmen wir den Sport.

Dort ist fast alles abgesagt. Aber auch unsere Lokalreporter in Leer, Emden, Aurich, Wiesmoor, Weener und Wittmund haben es zunehmend schwerer. Das wird sich sicher in den nächsten Wochen auch beim Umfang der OZ bemerkbar machen. Und vielleicht geht der eine oder andere Kollege demnächst auch in einen ungeplanten Urlaub. Wichtig ist aber jetzt erstmal, und das gilt für die Redaktion wie für unsere Leser: Seien Sie vorsichtig und bleiben Sie gesund!

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