Wirtschaft

Frankfurt/Main (dpa)

Dax stagniert - Ifo-Index versus Virussorgen

Der Dax ist der wichtigste Aktienindex in Deutschland. Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Der Dax hat sich nach dem Rückschlag vom Freitag zum Wochenauftakt stabilisiert. Der deutsche Leitindex ging am Montag prozentual unverändert bei 12.838,66 Punkten aus dem Handel. Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,14 Prozent auf 26.612,95 Punkte nach.

Stützend wirkte ein etwas besser als erwartet ausgefallener Ifo-Geschäftsklimaindex: Die Stimmung deutscher Unternehmen hatte sich im Juli den dritten Monat in Folge aufgehellt. Insgesamt werden die Sorgen am Markt vor einer neuen Corona-Welle aber wieder größer.

Angesichts der in vielen Erdteilen nicht unter Kontrolle befindlichen Pandemie dürfte der Weg der konjunkturellen Erholung steinig werden, schrieb Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Zwar seien die Anleger zuletzt auf den Aktien-Zug aufgesprungen, hätten sich aber gleichzeitig abgesichert. In erster Linie sei dies nun am Rekordpreis für Gold zu sehen, aber auch am schwachen US-Dollar.

Am deutschen Markt stand zum Wochenauftakt Europas größter Softwarehersteller SAP nicht nur mit Quartalszahlen in den Schlagzeilen, sondern vor allem mit den Plänen, die Anfang vergangenes Jahr übernommene US-Cloudfirma Qualtrics in New York an die Börse bringen. Die SAP-Aktien gewannen unter den Favoriten im Dax 2,7 Prozent. Tagessieger waren die sehr stark schwankenden Papiere von Wirecard, die um 15,5 Prozent zulegten. Der vorläufige Insolvenzverwalter des in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelten Zahlungsdienstleisters hatte Fortschritte bei der Investorensuche gemeldet.

Die Kurse im Luftfahrtsektor dagegen gerieten europaweit erheblich unter Druck. Hierzulande fielen Aktien von Lufthansa und Fraport im MDax um rund fünf beziehungsweise mehr als vier Prozent. Am Dax-Ende verloren die Aktien des Triebwerkherstellers MTU knapp drei Prozent. Analyst David Perry von der US-Bank JPMorgan verwies auf den jüngsten Anstieg der vom Coronavirus Infizierten in mehreren europäischen Ländern sowie auf die Entscheidung Großbritanniens, Urlaubsrückkehrer aus Spanien wieder in eine Quarantäne zu schicken.

Im Gegensatz zu den Krisenverlierern aus der Luftfahrt waren die Pandemie-Gewinner am Montag wieder gefragt: Hellofresh, Teamviewer und Delivery Hero legten im MDax um zwischen gut zwei und mehr als fünf Prozent zu.

Der Rüstungskonzern und Automobilzulieferer Rheinmetall hatte im zweiten Quartal zwar Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis verzeichnet, dabei aber eigenen Angaben zufolge besser abgeschnitten als von Analysten erwartet. Auf fruchtbaren Boden fiel offenbar auch die Ankündigung des Unternehmens, strategische Optionen für das Automobilzuliefergeschäft zu prüfen. Die Anteilscheine gewannen rund vier Prozent.

Der EuroStoxx 50 als Leitindex der Eurozone gab um 0,24 Prozent auf 3302,84 Punkte nach. Der Pariser Cac 40 und der Londoner FTSE 100 gingen ebenfalls etwas tiefer aus dem Handel. In New York hingegen legte der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss etwas zu.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,49 Prozent am Freitag auf minus 0,48 Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,05 Prozent auf 145,23 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,37 Prozent auf 176,84 Punkte.

Der Euro erreichte den höchsten Kurs seit September 2018 und kostete zuletzt 1,1749 US-Dollar. Unter anderem die anhaltend hohe Zahl an Neuinfektionen in den USA mit dem Corona-Virus setzte den Dollar zu vielen wichtigen Währungen unter Druck und trieb damit auch den Eurokurs an. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1760 (Freitag: 1,1608) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8503 (0,8615) Euro.

© dpa-infocom, dpa:200727-99-936010/8

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