Verschärfte Verordnungen Für viele Öfen steht der letzte Winter bevor

Uwe Prins
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Von Uwe Prins
| 22.11.2023 14:02 Uhr | Lesedauer: ca. 2 Minuten
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Das prasselnde Feuer im Ofen sorgt für eine besonders heimelige Atmosphäre – und heizt. Foto: Pixabay
Das prasselnde Feuer im Ofen sorgt für eine besonders heimelige Atmosphäre – und heizt. Foto: Pixabay
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Feuerstätten, die zwischen 1995 und März 2010 installiert wurden, müssen ab 2025 verschärfte Grenzwerte erfüllen.

Ostfriesland - Die Temperaturen sinken, und wer einen Kamin oder Kachelofen besitzt, holt Holz oder Pellets ins Haus, um für wohlige Temperaturen zu sorgen. Für viele Geräte steht allerdings die letzte Heizsaison an: Bis Ende kommenden Jahres nämlich müssen Öfen, die zwischen 1995 und Ende März 2010 zugelassen worden sind, stillgelegt werden – vorausgesetzt, sie erfüllen nicht die verschärften Anforderungen der 2. Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV).

Stichtag liegt mitten

im Winter 2024

Vor der neuen Kamin-Saison ist also ein Blick auf das Typenschild sinnvoll. Wurde der Ofen tatsächlich zwischen 1995 und Ende März 2010 zugelassen, ist aber nicht zwangsläufig eine teure Investition notwendig, denn: „Grundsätzlich können betroffene Feuerstätten auch mit sogenannten Emissionsminderungsmaßnahmen versehen werden. Zudem können Schornsteinfeger vor Ort die Anlage in Einzelmessungen überprüfen“, erläutert Thomas Schnabel vom Industrieverband Haus-, Heiz- und Küchentechnik (HKI).

Allerdings gilt: „Holzfeuerungen, die die geforderten Werte nicht einhalten, dürfen zwar noch diesen Winter betrieben werden, doch sollte man sich zeitnah um eine neue Feuerstätte kümmern, da der Stichtag mitten im Winter 2024 liegt“, sagt Thomas Schnabel.

Der Kamin-Knigge

Brennkammer reinigen: Ehe ein neues Feuer entfacht wird, sollte die Brennkammer gesäubert werden. Verkohlte Holzreste, Asche und Ruß lassen sich mit Schaufel und Handfeger beseitigen. Eine bequeme Alternative sind sogenannte Aschesauger. Diese Geräte verfügen über spezielle Filter, die für den feinen Staub konzipiert sind.

Auskleidung begutachten: Ist alles sauber, wird der Brennraum einer Sichtprüfung unterzogen. Einzelne Risse in den Platten und Steinen sind unproblematisch. Erst wenn Stücke herausgebrochen sind, muss die Brennraumauskleidung ausgetauscht werden.

Aschekasten leeren: Damit ein sauberes Abbrennen gewährleistet ist, muss der Aschekasten regelmäßig geleert werden. Denn Asche verschließt die Luftkanäle. Der Rost im Feuerraum wird nicht mehr ausreichend gekühlt und durch die Hitze verformt.

Asche entsorgen: Die Asche sollte sicherheitshalber in einem Metallbehälter zwischengelagert werden, damit es nicht zu einer neuerlichen Entzündung kommt. Sind die Brandreste erkaltet, werden sie im Restmüll entsorgt.

Scheibe putzen: Dunkle Ablagerungen auf der Sichtscheibe und festgebrannter Ruß lassen sich mit einem haushaltüblichen Fettreiniger säubern: Kurz einsprühen, einwirken lassen und mit Küchenpapier oder einem weichen Lappen entfernen. Hausfrauentipp: Das Glas wird auch mit feuchtem Zeitungspapier wieder sauber.

Dichtungen überprüfen: Dichtungen nutzen im Laufe der Zeit ab. Ist das der Fall, schließt die Ofentür nicht mehr bündig und Luft gelangt von außen in die Brennkammer. Dann steigen die Emissionen – und der Wirkungsgrad sinkt. Zur Prüfung der Dichtung wird beim Verschließen ein Stück Papier zwischen Tür und Ofen gehalten. Lässt sich das Blatt leicht herausziehen, ist Handlungsbedarf erforderlich. Die Dichtung kann man gemäß Herstelleranleitung tauschen oder durch einen Fachmann wechseln lassen.

Freier Schornstein: Zieht der Rauch nicht ab, ist der Schornsteinfeger gefragt: Möglicherweise haben sich Vögel eingenistet und den Schornstein verschlossen. Und: Das Ofenrohr sollte mindestens einmal im Jahr von Ascheresten befreit werden. In der Regel verfügt das Rohr über eine verschraubte Revisionsklappe, die leicht zu öffnen ist, um Asche mit einer Kaminbürste herauszufegen oder abzusaugen.

Holzfeuchte messen: Damit Holz umweltgerecht verbrennt, darf die sogenannte Restfeuchte maximal 20 Prozent betragen. Sie lässt sich mit einem speziellen Feuchtemessgerät aus dem Baumarkt überprüfen. Bei frischen Scheiten führt der hohe Wasseranteil zu einer unvollständigen Verbrennung, starker Rauchentwicklung und hohen Emissionen. Erst nach ausreichender Lagerung an einem gut belüfteten und trockenen Ort darf Holz verwendet werden. Eine Alternative sind Holzbriketts aus gepressten Sägespänen.

Bereits seit Januar 2015 gilt die verschärfte zweite Stufe der 1. Bundesimmissionsschutzverordnung. Für alle Kamine, Öfen und Kaminöfen, die nach diesem Datum ihren Betrieb aufgenommen haben, wurden die Grenzwerte für Kohlenmonoxid (1,25 g/m³) sowie Feinstaub (0,04 g/m³) gegenüber der ersten Stufe noch einmal gesenkt. Die Vorgabe für den Wirkungsgrad liegt weiterhin bei mindestens 75 Prozent (Kachelöfen 80 %).

Öfen der Baujahre 1975 bis 1984 mussten bis zum 31. Dezember 2017 nachgerüstet beziehungsweise ausgetauscht werden. Für Geräte aus 1985 bis 1994 endete die Frist am 31. Dezember vor drei Jahren. Nun also sind die Öfen der Baujahre 1995 bis 21. März 2010 an der Reihe.

Es gibt allerdings viele ältere Geräte, deren Monoxid- und Feinstaub-Ausstöße unterhalb der neuen Grenzwerte liegen. Sie müssen nicht stillgelegt oder ausgetauscht werden, sondern dürfen weiter betrieben werden.

In der kostenlosen Datenbank des HKI finden sich die gängigen Modelle vieler Hersteller mit umfangreichen Informationen. Die Nutzung ist kostenlos. Der direkte Link:

www.cert.hki-online.de/de/ geraete/hersteller-liste