Anzeige 25 Jahre Hospizinitiative Leer: Eine ehrenamtliche Erfolgsgeschichte

| 22.06.2024 00:05 Uhr | Lesedauer: ca. 6 Minuten
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Das Zentrum der Leeraner Hospizarbeit: An der Mörkenstraße befinden sich das Haus für Hospiz- und Trauerarbeit sowie das 2009 errichtete Hospizhuus. Foto: privat
Das Zentrum der Leeraner Hospizarbeit: An der Mörkenstraße befinden sich das Haus für Hospiz- und Trauerarbeit sowie das 2009 errichtete Hospizhuus. Foto: privat
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Inzwischen sind mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da, um sterbende und trauernde Menschen zu begleiten. Zum Jubiläum gibt es einige Veranstaltungen - und eine Malaktion für Kinder und Jugendliche.

Leer / UP - Vor einem Vierteljahrhundert ist die Hospiz-Initiative Leer gegründet worden. Das 25-jährige Bestehen sei „eine besondere Erfolgsgeschichte ehrenamtlichen Engagements“, sagt die Gründerin und Ehrenvorsitzende Gretel Bluhm-Janssen. Ihr großes Dankeschön geht deshalb zuallererst an die vielen Menschen, die den Hospizgedanken über all die Jahre mitgetragen und auf so vielfältige Weise unterstützt haben. Dazu gehören jene, die der Hospizarbeit Zeit und Lebensenergie geschenkt haben, und dazu gehören jene, die sich finanziell engagiert haben.

Das Jubiläums-Programm

1. bis 31. Juli:

Karikaturenaustellung zum Thema: „Wenn der Tod dich anlacht“ im Haus der Hospiz-Initiative

Freitag, 16. August:

Sommerfest mit Nachbarn und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Hospiz-Initiative und des Hospizhuus

Sonnabend, 17. August:

Kinderfest mit Spiel, Spaß und Leckereien, Theateraufführung („Käpt`n ausgestorben oder wie man in See sticht“) für Kinder ab 5 Jahren

Sonntag, 18. August:

Tag der offenen Tür mit Gesprächsrunden, Führungen durch das Haus der Hospiz-Initiative und durch das Hospizhuus; Tee, Kaffee und Kuchen im Jubiläumszelt

Montag, 19. August:

Vortrag zum assistierten Suizid von Professor Dr. Raimund Voltz von der Uniklinik Köln mit anschließender Diskussion

Dienstag, 20. August:

Vortrag zum Thema Kindertrauer von Mechthild Schroeter-Rupieper, Autorin und Begründerin der Familientrauerarbeit in Deutschland

Mittwoch, 21. August:

Mitgliederversammlung mit gemütlichem Beisammensein

Donnerstag, 22. August:

Kursangebot „Letzte Hilfe“

Für die Ehrenvorsitzende ist die „täglich und im Stillen gelebte große Güte“ der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von herausragender Bedeutung, ebenso wie der eingebrachte Sachverstand und die Übernahme von Verantwortung.

Frauenpower: Das Bild zeigt (von links) Marlies Smidt, Gretel Bluhm-Janssen und Ute Fleßner. Foto: privat
Frauenpower: Das Bild zeigt (von links) Marlies Smidt, Gretel Bluhm-Janssen und Ute Fleßner. Foto: privat
Inzwischen sind in Leer mehr als 100 Männer und Frauen in der Hospizarbeit ehrenamtlich tätig. Alle haben jeweils einen 160-stündigen Qualifizierungskursus absolviert – „und sind damit für die Aufgabe vorbereitet“, so Gretel Bluhm-Janssen. Regelmäßig stattfindende Supervisionen sowie Fort- und Weiterbildungen tragen dazu bei, die Qualität dieser so wichtigen Arbeit zu sichern.

„Das hospizliche Handeln schwerkranken und sterbenden Menschen gegenüber ist mit einer bestimmten Haltung verbunden. Sie ist gekennzeichnet von großem Respekt und Achtung vor dem individuellen Menschen, vor seinem Lebenskonzept, vor seinem ganz eigenen Weg, verbunden mit bedingungsloser Wertschätzung“, betont Gretel Bluhm-Janssen.

Eine Handpuppe ganz aufrecht auf dem Koffer. Es ist ein etwas humoriges Bild zum Thema hospizlicher Haltung, die vor allem von Respekt und Wertschätzung geprägt wird. Foto: privat
Eine Handpuppe ganz aufrecht auf dem Koffer. Es ist ein etwas humoriges Bild zum Thema hospizlicher Haltung, die vor allem von Respekt und Wertschätzung geprägt wird. Foto: privat

Das Ziel der Hospiz-Initiative ist es, sterbenden Menschen bis zuletzt ein würdevolles Leben in Geborgenheit zu ermöglichen, betont sie. „Wir haben es uns in den bisherigen 25 Jahren immer zur Aufgabe gemacht, für alle Menschen da zu sein, die sich Begleitung in dieser besonderen Lebensphase wünschen.“ Dabei stehen die Bedürfnisse des kranken Menschen im Mittelpunkt. Die Arbeit ist auf vier Säulen aufgebaut:

Ambulante Sterbebegleitung

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für die Menschen da, wo und wie sie es wünschen – sie kommen nach Hause, aber auch ins Pflegeheim oder ins Krankenhaus. Und die Ehrenamtlichen schenken Zeit und hören achtsam zu. Damit schaffen sie eine Grundlage für Menschen in deren letzter Lebensphase, um Last abzuladen, um auszudrücken, was sie bewegt – und um zu klären, was sie noch umtreibt. Gesellschaft und Fürsorge stehen im Mittelpunkt, wobei die Art der Betreuung sehr vielfältig sein kann: Ein gemeinsamer Spaziergang, aus einem Buch vorgelesen bekommen, noch einmal bestimmte Orte besuchen, zusammen lachen, zusammen weinen, zusammen schweigen, zusammen singen – was immer es braucht.

Die Angebote der Hospizinitiative sind vielfältig. So werden auch "Feste für trauernde Kinder" angeboten. Und dabei geht es nicht immer nur um das Thema Tod. Es geht auch um Leben, um Freude: Kinderschminken sorgt für viel Spaß. Foto: privat
Die Angebote der Hospizinitiative sind vielfältig. So werden auch "Feste für trauernde Kinder" angeboten. Und dabei geht es nicht immer nur um das Thema Tod. Es geht auch um Leben, um Freude: Kinderschminken sorgt für viel Spaß. Foto: privat
Auch ambulante Kinderhospizarbeit wird von der Initiative angeboten. Wenn ein Kind lebensverkürzend erkrankt ist, beeinflusst dies das ganze Familienleben in bedeutsamer Weise. Zusätzlich als Familienbegleiterinnen qualifizierte Ehrenamtliche stehen, oft über viele Jahre hinweg, zuverlässig und unterstützend zur Seite, um Entlastung und Freiräume zu schaffen. Neben dem schwerkranken Kind und den Eltern brauchen gerade auch die Geschwisterkinder häufig liebevolle Aufmerksamkeit während der Begleitung.

Hospizhuus in Leer

Der letzte Wunsch vieler Menschen ist es, zu Hause zu sterben. Leider ist das aus verschiedenen Gründen nicht immer möglich. Daher hat die Hospizinitiative mit dem Hospizhuus vor 15 Jahren einen Ort geschaffen, an dem sich kranke Menschen geborgen und wie zuhause fühlen können. In der Einrichtung werden sie von einem multiprofessionellen Team haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassend betreut und liebevoll umsorgt.

Das Gebäude ist ganz auf die Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten. Zwei sanft gebogene Gebäudetrakte eröffnen einen anmutigen und weiten Raum. Sie sind durch eine Küche – einem kommunikativen Mittelpunkt der Einrichtung – und dem großzügigen Wohn- und Essbereich mit Wintergarten miteinander verbunden. Die Zimmer sind hell und wohnlich eingerichtet und so geräumig, dass auch Angehörige hier übernachten können. Alle Räume verfügen über ein Bad sowie über Telefon, Fernseh- und Internetanschluss. Vor jedem Zimmer gibt es außerdem eine Holzterrasse, die auch mit dem Bett zugängig ist.

Im Hospizhuus werden schwerkranke Menschen mit einer sehr begrenzten Lebenserwartung aufgenommen. Unabhängig von sozialer Stellung, religiöser Überzeugung, Nationalität oder Lebensform ist jeder Mensch herzlich willkommen.

Trauerbegleitung

Der Verlust durch den Tod löst bei Hinterbliebenen oftmals eine tiefe Krise aus, denn das innere Gleichgewicht droht verloren zu gehen, wenn ein nahestehender Mensch stirbt. Wir werden von Gefühlen und Reaktionen überschwemmt, die uns fremd sind. Die Hospizinitiative Leer bietet mit der Trauerbegleitung eine wichtige Unterstützung für Betroffene an.

Das Zulassen von Trauer mit ihren unterschiedlichen Gesichtern ermöglicht es Hinterbliebenen, die Veränderungen im Leben langsam und schrittweise zu begreifen. Trauer ist Schwerstarbeit für den Körper und die Seele und braucht Zeit. Trauer, die gelebt werden darf, Worte, die ausgesprochen werden, können einen Weg zu neuem Lebensmut ebnen.

Neben Einzelgesprächen für Betroffene bietet die Hospiz-Initiative Leer inzwischen 15 verschiedene Trauergruppen für Erwachsene, Kinder und Jugendliche an. Die Angebote sollen dazu beitragen, die Bewältigung der Trauer zu unterstützen und Impulse für die Gestaltung des Trauerprozesses zu geben.

Auch in diesem Bereich bietet die Hospiz-Initiative eine qualitativ hochwertige Betreuung. Mehrere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hospizinitiative haben entsprechende Weiterbildungen als Trauerbegleiter absolviert.

Die Karikaturen-Wanderausstellung „Wenn der Tod Dich anlacht“ wird anlässlich des Jubiläums vom 1. bis 31. Juli in Leer gezeigt. Grafik: Hage
Die Karikaturen-Wanderausstellung „Wenn der Tod Dich anlacht“ wird anlässlich des Jubiläums vom 1. bis 31. Juli in Leer gezeigt. Grafik: Hage

Öffentlichkeitsarbeit

Der Verdrängung von Sterben, Tod und Trauer entgegenzuwirken, ist eine weitere Aufgabe der Hospizinitiative. „Es geht darum, das Thema zum Thema zu machen und es in das Bewusstsein der Bevölkerung zu heben, damit ein Sterben in Würde überall wieder mehr möglich ist“, erklärt die Ehrenvorsitzende Gretel Bluhm-Janssen. Entsprechend wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit. Die Hospizinitiave bietet Beratungen unter anderem zur palliativen Versorgung sowie für Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten an. Daneben finden Vorträge zu verschiedenen Themen der Hospizarbeit und Workshops – zum Beispiel „Letzte Hilfe“-Kurse – statt.

Auch den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen sucht die Hospizinitiative: Für Jungen und Mädchen der 3. und 4. Klasse an Grundschulen ist die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ ins Leben gerufen worden. Für Jugendliche der Klassen 8 bis 10 ist das dreitägige Projekt „Let´s talk about death“ gedacht. Und um das eigene Ehrenamts-Team personell weiter zu verstärken, werden in Leer immer wieder Vorbereitungs-Seminare zur ehrenamtlichen Hospizmitarbeit durchgeführt.

Übrigens: Nach Voranmeldung können sich Gruppen durch das Hospizhuus und durch das Haus für ambulante Hospiz- und Trauerarbeit führen lassen.

Große Mal-Aktion

Kinder und Jugendliche sind gefragt: Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens startet die Hospiz-Initiative Leer eine große Mal-Aktion. „Wir würden uns riesig freuen, wenn ihr uns ein selbstgestaltetes Bild zum Jubiläum schenken würdet“, sagt die Ehrenvorsitzende Gretel Bluhm-Janssen.

Alle Bilder werden im Anschluss im Haus der Hospiz-Initiative ausgestellt, außerdem gibt es für jede Einsendung eine kleine Überraschung als Dankeschön.

Gemalt, geklebt oder gestaltet – willkommen ist alles, was Kindern und Jugendlichen zur Hospizarbeit in den Sinn kommt. So kann man sich zum Beispiel mit Fragen wie „Was tröstet mich, wenn ich traurig bin?“, „Wo bin ich am liebsten, wenn es mir nicht gut geht?“ oder „Was bereitet mir im Leben Freude?“ auseinandersetzen.

Einsendeschluss ist Mittwoch, 31. Juli. Bilder können im Haus der Hospiz-Initiative Leer in der Mörkenstraße 14 b abgegeben oder mit der Post geschickt werden. Wichtig: Name, Adresse und Telefonnummer auf die Rückseite des Bildes schreiben.

Kontaktaufnahme

Alle Angebote der Hospiz-Initiative Leer sind kostenfrei. Das Büro ist werktags unter der Telefonnummer 04 91 / 45 44 99 160 besetzt. Am Wochenende und an Feiertagen ist die Hospizinitiative außerdem in dringenden Fällen in der Zeit von 9 bis 19 Uhr über den Notruf 01 60 / 801 85 91 erreichbar.

Weitere Informationen gibt es online unter www.hospiz-initiative-leer.de