Emden

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03.07.2012

Kunst holt Politik auf den Schirm

Rettungsschirme mal nicht für Banken: Heves Gelen und Wilhlem Decker bemalten Schirme. Bild: Kabernagel
Rettungsschirme mal nicht für Banken: Heves Gelen und Wilhlem Decker bemalten Schirme. Bild: Kabernagel

Von Ute Kabernagel

Die Hahn’sche Insel verwandelte sich am Montag in ein Atelier. Astrid Falkenroth und Wilhelm Decker starteten ein Protestprojekt in Emden.

Emden - Irgendwas läuft verkehrt, findet Wilhelm Decker. Was ihm nicht passt: Für die Rettung von ist Geld da, für die Menschen nicht. Dagegen protestiert er – mit seinen Mitteln, der Kunst. Der gebürtige Auricher gehört zu einer Gruppe, die in Berlin „Umbrella Peace Art“ gegründet haben und dort regelmäßig „Rettungsschirme für Menschen“ spannen. Heißt: Sie bemalen Schirme mit Symbolen, Forderungen und Anklagen.

Am Montag hat Decker die Aktion nach Emden gebracht – für einen Tag und zusammen mit der Kunstmalerin Astrid Falkenroth aus Wybelsum. Die beiden verwandelten die Hahn‘sche Insel in ein Atelier und machten aus Schirmen stumme Protestanten. Unterstützt wurden sie dabei von Freunden. Gedacht als Mitmachaktion, konnte auch jeder Emder seinen persönlichen Rettungsschirm gestalten und ihn dann mitnehmen.

Zehn Schirme mit unterschiedlichen Forderungen

„Ich halte das Projekt für so gut, dass wir es spontan auch in Ostfriesland umgesetzt haben“, erklärte Falkenroth. Was ihr gefällt: Die Kombination von Kunst und Protest. Für sie sind die bemalten Schirme Mahnmale. 500 wurden seit April in Berlin in die Welt gesetzt. In Emden waren es am Montag ungefähr zehn, gespickt mit jeder Menge Forderungen: nach Frieden, Gerechtigkeit, Grundeinkommen, Religionsfreiheit.

Die Aktion ist zwar politisch, „ich bin aber parteilos“ – auf die Feststellung legt Decker Wert. Bei der Gestaltung der Schirme greifen die Künstler in der Regel tagesaktuelle Geschehnisse auf. „Wir verarbeiten, was uns gerade bewegt.“ In Berlin ist das zur Zeit die Flüchtlingsproblematik. In Emden drehte sich das Geschehen mehr um allgemeine Themen. Es gab allerdings auch einen speziellen Ostfriesland-Rettungsschirm: aufgespannt gegen Kohlekraftwerke und für die Rettung des Wattenmeers. Falkenroth hat den Schirm gestaltet. Sie ist Mitglied der Bürgerinitiative Saubere Luft Ostfriesland. Außerdem hat die Wybelsumerin die „Häusliche Gewalt“ auf den Schirm gebracht. Der Schutz von bedrohten und misshandelten Frauen habe nachgelassen, meint sie. Das Problem gerate in der Öffentlichkeit derzeit in Vergessenheit, das Mitgefühl für die Frauen schwinde. Kurzum: „Das Menschliche schwindet.“ Ihr Schirm soll dazu beitragen, dass sich das ändert. Er wurde ebenso wie die anderen, die Montag entstanden sind, nach dem Ende des Projektes von Falkenroth und Decker verschenkt. Nur einen hat Decker behalten. Als Erinnerungsstück an Emden. „Der begleitet mich zurück auf die Reise nach Berlin.“

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