Ostfriesland

Kiefer: Funde gehören zu ältesten in Ostfriesland

Katrin Frauenlob
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Von Katrin Frauenlob
| 12.11.2018 15:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Auf Spiekeroog und Baltrum sind 2016 und 2018 zwei menschliche Kieferknochen gefunden worden. Sie sind 7500 und 5500 Jahre alt. Für die Archäologen sind es ganz besondere Funde.

Ostfriesland - Solche Stücke hatte die Braunschweiger Anthropologin Dr. Silke Grefen-Peters noch nie auf ihrem Schreibtisch liegen: die beiden 2016 auf Spiekeroog und 2018 auf Baltrum entdeckten menschlichen Unterkiefer. Sie sind jeweils rund 7500 und 5500 Jahre alt. „Diese beiden Funde sind die ältesten in Ostfriesland und dem Nordwesten. Das hat uns umgehauen“, sagte Dr. Jan Kegler, Archäologe der Ostfriesischen Landschaft am Montag bei einer Pressekonferenz in Aurich.

Der Urlauber Christian Groger aus Remscheid hatte im März auf Baltrum einen menschlichen Unterkieferknochen gefunden. Er wandte sich an den Bürgermeister der Insel und den archäologischen Dienst der Ostfriesischen Landschaft. Ein Labor in Polen untersuchte dann beide Funde mithilfe einer 14C-Datierung (Radiokarbon-Methode). Dabei wurde festgestellt, wie hoch die Menge an radioaktiven 14C-Atomen in den Knochen ist. Diese nimmt in abgestorbenen Organismen mit der Zeit ab, lebende nehmen dagegen immer wieder neue davon auf. Der auf Spiekeroog gefundene Knochen war aus finanziellen Gründen zunächst zwei Jahre lang nicht untersucht worden.

Untersuchungen sollen Rückschlüsse auf Ernährung geben

Stellten die neusten Erkenntnisse zu den Funden vor (von links): der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Dr. Rolf Bärenfänger, Archäologe Dr. Jan Kegler, Finder Christian Groger und Baltrums Bürgermeister Berthold Tuitjer.
Stellten die neusten Erkenntnisse zu den Funden vor (von links): der Direktor der Ostfriesischen Landschaft, Dr. Rolf Bärenfänger, Archäologe Dr. Jan Kegler, Finder Christian Groger und Baltrums Bürgermeister Berthold Tuitjer.
Die Knochen geben Aufschluss über die Jungsteinzeit in Ostfriesland, als aus Jägern und Sammlern sesshafte Bauern wurden. Damals war der Meeresspiegel um zwei bis acht Meter niedriger als heute, die Ostfriesischen Inseln noch Festland. „Wir können noch nicht sagen, ob die Funde zu einem späten Jäger oder einem frühen Bauern gehören“, sagte Kegler. Dazu seien weitere Untersuchungen geplant. Sie sollen klären, welche Nahrung die beiden Personen – vermutlich Männer um die 30 Jahre – damals zu sich genommen haben: eher fischreich oder eher getreidehaltig? Auch das könne weitere Informationen über das Leben und das Alter der Steinzeitmenschen geben, so Kegler.

In der Regel seien Funde in Ostfriesland wegen des sandigen, sauren Bodens schlecht erhalten. Die Archäologen vermuten, dass die Knochen lange im Meeresboden konserviert wurden. Weil die Nordsee wärmer werde, veränderten sich nun die Strömungen. Deswegen sei der Meeresboden nun möglicherweise an der Stelle abgetragen worden, wo die Knochen tausende Jahren verborgen lagen.

Was mit den Knochen nach den Untersuchungen geschieht, ist noch unklar. Für den Fund aus Baltrum gibt es aber schon eine Idee: Er könnte dem Heimatmuseum der Insel übergeben werden. „Es ist ein tolles Exponat, das gut auf die Insel passt“, sagte Baltrums Bürgermeister Berthold Tuitjer (parteilos). Anhand der Funde könne die Geschichte der Steinzeitmenschen in Ostfriesland erklärt werden, sagte Kegler. Dabei müsse man aber Anstand waren, schließlich handele es sich um menschliche Überreste. Einen Hype wie um „Ötzi“ soll es in keinem Fall geben.

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