Leer

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Was die Redaktion von den OZ-Lesern lernt

Die OZ-Titelseite vom Freitag mit den Lesewerten.

Von Joachim Braun

Welche Artikel in die Zeitung gehören, haben Generationen von OZ-Journalisten vor allem nach Bauchgefühl entschieden. Ob sie damit richtig lagen, wussten sie nicht. Das ist seit 2. September anders.

Leer - Die Lokalzeitung hat von jeher ein Problem: Sie hat keine genau definierte Zielgruppe. Sie muss irgendwie alle Leser bedienen. Das war kein Thema, als die Tageszeitung noch ein Monopol hatte auf regionale Nachrichten. Aber heute, wegen der Digitalisierung und im Wettbewerb mit theoretisch unendlich vielen Nachrichtenkanälen, ist es die Achillesferse unseres Angebots.

Umso wichtiger ist es für uns zu verstehen, was unsere Leser lesen wollen, wofür sie uns das Kostbarste schenken, was sie haben, ihre Zeit. Bei unseren digitalen Angeboten gibt es diese Zahlen von jeher frei Haus, für die gedruckte Zeitung ist der Aufwand erheblich. In das zweimonatige Lesewert-Projekt investieren 136 Abonnenten dankenswerterweise richtig viel Zeit und der Verlag richtig viel Geld. Aber schon nach zwei Wochen haben wir viele interessante, neue Erkenntnisse:

1. Gute Themen haben immer etwas mit dem Alltag der Leser zu tun.

Ein Beispiel ist die Titelgeschichte vom Freitag über einen Emder Facharzt, dessen Patienten morgens ab 5.30 Uhr vor der Praxistür warten, um behandelt zu werden. Dies war der am meisten gelesene Artikel in der Ausgabe, denn fast jeder Leser hat sich schon mal darüber geärgert, wie lang er auf einen Facharzttermin warten muss

2. Die Leser reagieren sehr stark auf Schlüsselwörter und -themen, etwa Wohnen, Wolf, Einkaufen, Brexit, Beekhuis, Autobahn.

Das fordert von uns präziser und prägnanter als bisher die Überschriften zu formulieren und unsere Texte konsequent nach dem Nutzwert für den Leser zu hinterfragen.

3. Für Nachberichte von Veranstaltungen oder auch für Berichterstattung über Vereine oder über Feste oder über Kulturereignisse interessieren sich unsere Leser fast gar nicht.

Die Lesequoten sind in der Regel deutlich unter zehn Prozent. Es sei denn, wir wechseln die Perspektive und nutzen den Anlass für eine an beteiligten Menschen aufgehängte Geschichte.

4. Für Infokästen, also er- gänzende Informationen, die zu einem Artikel gestellt werden, interessieren sich nur ganz, ganz wenige Leser.

Alles, was nicht im Haupttext steht, wird nicht wahrgenommen. Das gilt in abgeschwächter Form auch für Kommentare. Hier sind die Lesequoten meist halb so hoch wie beim Artikel, auf den sie sich beziehen.

Bis Ende Oktober läuft die Lesewert-Aktion, die sich auf die Ausgabe Leer bezieht. In dieser Zeit werden wir viele weitere Erkenntnisse sammeln mit dem Ziel, unsere Zeitung weiter zu verbessern.

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