Aurich

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Rätsel um Sarg in Jennelter Gruft wird gelüftet

Sie stellten das neue Jahrbuch vor (von links): Dr. Paul Weßels (Landschaftsbibliothek), Landschaftsdirektor Dr. Rolf Bärenfänger, Dr. Kestutis Daugirdas (Johannes-a-Lasco-Bibliothek), Dr. Klaas-Dieter Voss (Gerhard-ten-Doornkaat-Koolman-Stiftung), Dr. Reinhold Kolck (Emder Kunst) und Dr. Michael Hermann (Landesarchiv), Bild: Ortgies

Das neue Emder Jahrbuch ist erschienen. Band 99 ist prallvoll mit Aufsätzen zur ostfriesischen Geschichte. In seinem Beitrag warnt der Leiter der Landschaftsbibliothek vor dem einem besonderen kulturellen Verlust.

Aurich - Seit vor Jahren einmal das Emder Jahrbuch mit weißer Schrift auf hellgelbem Untergrund erschien, ist die Frage nach der Farbe ein „Running Gag“ bei der Vorstellung der wissenschaftlichen Publikation. Bei der 99. Ausgabe ist der Umschlag in einem Türkiston gehalten. Den Reigen der Aufsätze in dem 290 Seiten starken Band eröffnet laut einer Mitteilung des Landesarchivs in Aurich ein Beitrag von Gretje Schreiber über das „hochgräfliche Residenzhaus zu Norden“, das sich auf der Ostseite des Norder Marktplatzes befand. Sie untersucht die Geschichte des Gebäudes und seiner Bewohner und hat rekonstruiert, wie die Räume und das Mobiliar ausgesehen haben.

Dr. Paul Weßels, Leiter der Landschaftsbibliothek, befasst sich mit der „Geschichte des christlichen Kirchhofs und des Friedhofs in Ostfriesland“ und bietet auf knapp 70 Seiten und mit zahlreichen farbigen Abbildungen versehen einen umfassenden Überblick zur Kirch- und Friedhofsgeschichte vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Ausgehend von den archäologischen Funden auf den Kirchhöfen geht es nicht zuletzt um die sich vor allem im 19. Jahrhundert durchsetzende Reglementierung und Normierung der Bestattungen und der Verwaltung der Kirchhöfe. Weßels weist auf die Gefahr hin, dass kulturhistorisch bedeutsame Grabsteine aus Geldmangel abgeräumt werden und damit der Verlust des typischen Charakters der ostfriesischen Kirchhöfe droht.

Revolution vor 100 Jahren

Der niederländische Historiker und Archivar Dr. Redmer Alma befasst sich mit den „Särgen und Toten in der Gruft der Kirche in Jennelt“. Er weist nach, dass in dem in der Gruft aufgestellten Prunksarg nicht – wie lange vermutet – die sterblichen Überreste von Feldmarschall Dodo von Inn- und Knyphausen liegen, sondern die seiner Schwiegertochter Occa Johanna Ripperda. Der Sarg war 1687 im Auftrag der schwedischen Königin, der Occa als Oberhofmeisterin diente, hergestellt und im folgenden Jahr von Stockholm nach Jennelt überführt worden.

Anlässlich des 100. Jahrestags der Revolution 1918/19 hatte Dr. Michael Hermann, der Leiter des Landesarchiv-Standorts Aurich, vergangenes Jahr einen Vortrag über die „Handlungsspielräume der Arbeiter- und Soldatenräte in Ostfriesland 1918/19“ gehalten. Er ist nunmehr im Emder Jahrbuch nachzulesen und verdeutlicht unter anderem, wie ab 1919 vor allem auf dem Verordnungswege die Handlungsspielräume der Räte immer weiter eingeschränkt wurden.

Buchbesprechungen und Jahresberichte

Zudem bietet das Emder Jahrbuch in diesem Jahr wieder drei kürzere Abhandlungen zu unterschiedlichen Themen. 13 Buchbesprechungen, die Fundchronik der Archäologen und die Jahresberichte der Emder Kunst und der Ostfriesischen Landschaft runden das Jahrbuch ab. Es ist für 30 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgegeben wird das Jahrbuch von der Ostfriesischen Landschaft, der Gerhard-ten-Doornkaat-Koolman-Stiftung, der Gesellschaft für bildende Kunst und vaterländische Altertümer zu Emden, der Johannes-a-Lasco-Bibliothek Große Kirche Emden sowie dem Niedersächsischen Landesarchiv – Abteilung Aurich.

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