Eine Sandsteinbrüstung in der Emder Brückstraße ist eines der wenigen Stücke vom alten Emden. Dass sie noch heute am Falderndelft zu sehen ist, ist nicht selbstverständlich.
Ein Blick auf das Gasthaus-Siel, das sich auf der Seite des Alten Grabens befunden hatte. Quelle: Stiftung Johannes-a-Lasco-Bibliothek
Emden - Schon vor dem Krieg waren die Wasserläufe in Emden häufig stark verändert worden. Kurz vor der Jahrhundertwende war der Falderndelft noch mit dem Stadtgraben beziehungsweise Alten Graben, der paralell zur Straße Zwischen beiden Bleichen verläuft, verbunden. Dann wurde aus dem Emder Tidehafen, in dem Ebbe und Flut bemerkbar sind, ein Dockhafen, der von der Tide unabhängig ist.
Zugemauert und zugeschüttet: Einst stand hier eine Brücke und Wasser floss dort, wo jetzt der Stephansplatz ist. Foto: Hanssen
Im Rahmen dessen wurden drei Siele zugeschüttet: 1886 das Gasthaussiel, das sich beim Alten Graben befand, und 1889 das Neutorsiel sowie das Neue Siel zwischen der damaligen Kleinen und Großen Brückstraße, die heute nur noch Brückstraße heißt. Allein noch eine Sandsteinbrüstung erinnert daran, dass einst dort, wo sich heute die Parkanlage Stephansplatz befindet, Wasser floss. Die Brückenmauer mit Barockcharakter, Ornamenten, dem Stadtwappen, Sockel und Abdeckgesims lässt die Blütezeit der Seehafenstadt erahnen.
LKW durchbrach historische Mauer
Er hatte Glück im Unglück: Mit seinem Lastwagen war ein Mann durch die historische Mauer gebrochen und auf dem Eis des Falderndelfts zum Stehen gekommen. Foto: Archiv
Dass es die Brüstung noch gibt, gleicht einem Wunder. Denn: Der Sandstein überstand sowohl die Bombardierung des Zweiten Weltkriegs als auch die Aufräumarbeiten der Nachkriegsjahre. Dann nämlich waren die letzten Wasserläufe am Torfmarkt und Brauersgraben zugeschüttet worden.
Emder Bildhauer stellten die Brüstung wieder her, nachdem ein LKW die Mauer durchbrochen hatte. Foto: Archiv
Und: Im Dezember 1981 durchbrach ein Lastwagen die Brüstung. Dem Fahrer war auf der Straße am Brauersgraben von der Osterstraße kommend übel geworden. Er kam von der Straße ab, fuhr teilweise über die Grünfläche des Parks, krachte durch die historische Mauer und wurde erst von dem Eis auf dem Falderndelft gebremst. Der Mann kam mit Verletzungen ins Krankenhaus.
Vor der Jahrhundertwende waren die Wasserverläufe noch deutlich anders gewesen als heute. Wasser floss unter anderem vom Falderndelft zum Alten Graben beziehungsweise Stadtgraben. Quelle: Landkartenindex
Im August 1982 stellten Emder Bildhauer die Mauer dann wieder her. Sie reparierten nicht nur die Schäden, die durch den Unfall verursacht worden waren, sondern besserten auch insgesamt das Stück Alt-Emden aus. Ursprünglich war die Schauseite der Mauer mit den Ornamenten zur Wasserseite ausgerichtet, als noch Boote Richtung Stadtgraben die Siele passierten. Schon vor dem Unfall hatte man das geändert und auch nach der Sanierung trotz Diskussionen wieder so hergerichtet.
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Serie: „Blick ins alte Emden“