Verkehr
Bürgerradwege: Auf Vereine kommt einiges zu
Die Norder Politik hat das Projekt Bürgerradweg einen Schritt vorangebracht. Allerdings gibt es vor allem für den Trägerverein viel zu tun. Welche Tipps hat er für andere, die es ihm gleichtun wollen?
Altkreis Norden/Krummhörn - Damit zwischen Norden und Greetsiel an der Landesstraße 27 (L 27) der erste Bürgerradweg Ostfrieslands entstehen kann, soll die Stadt Norden nun die Planfeststellung beantragen. Für diese baurechtliche Grundvoraussetzung hat sich am Dienstagabend der Bau- und Sanierungsausschuss des Rates einstimmig ausgesprochen. Sollte auch noch der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss des Rates zustimmen und es keine größeren Einwände von Trägern öffentlicher Belange geben, könnte die 3,294 Kilometer lange Lücke zwischen den Straßen Hohe Plate und der Einmündung zum Yachthafen des Sportboot-Vereins noch ab diesem Jahr geschlossen werden.
Was und warum
Darum geht es: Das Projekt Bürgerradweg Norden-Greetsiel ist weit vorangeschritten. An der L4 könnte die Umsetzung hingegen länger dauern.
Vor allem interessant für: Personen, die in der Krummhörn oder im Altkreis Norden mit dem Fahrrad unterwegs sind
Deshalb berichten wir: Im Norder Bau- und Sanierungsausschuss ging es jetzt um den Radweg nach Greetsiel. Das haben wir zum Anlass genommen, um einmal genauer zu schauen, wie es um dieses und um ein weiteres Projekt bestellt ist. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Das ist erstaunlich schnell, wenn man überlegt, dass seit der Gründung des 13 Mitglieder zählenden Projekt-Trägervereins „Up Pad gesund mit Rad“ erst rund anderthalb Jahre vergangen sind. Im Gegensatz dazu warteten Anwohner der Radweglücke Wirdum-Grimersum etwa 20 Jahre lang, bis alles fertig war. Bei diesem Beispiel handelt es sich jedoch um einen konventionellen Radweg. Beim Abschnitt Norden-Greetsiel hingegen übernehmen Vereinsmitglieder einen Teil der Absprachen und Planungen und erhalten dadurch Zugriff auf einen noch jungen Fördertopf des Landes. Ein Konzept, das neugierig macht und nun auch für eine 2,1 Kilometer lange Radweglücke an der L4 zwischen Wirdum und Norden diskutiert wird. Aber ist das alles so einfach? Lob für die dortigen Anwohner gibt es zwar vom „Up Pad“-Vorsitzenden Enno Appelhagen sowie von Wulf-Ingo Schöne, der im Verein als ehemaliger stellvertretender Baudezernent des Landkreises Aurich den Hut bei der Planung aufhat. Beide betonen auf Nachfrage aber, wie viel Arbeit auf einen Trägerverein zukommen kann. Schöne fasst zusammen, wie er und Appelhagen das Thema Bürgerradwege überhaupt erst nach Ostfriesland holten, nachdem dies zuvor nur in Nordrhein-Westfalen eine Rolle gespielt habe. Nun seien diese aber auch hier bekannt, was es weiteren potenziellen Vereinen leichter mache. Schöne ist sich zudem sicher, dass man keine Verkehrsexperten in einem Verein braucht, solange die Mitglieder sich ausreichend für ihr Projekt engagieren.
Verein muss sich auch um Schilder kümmern
„Up Pad gesund mit Rad“ habe jedoch Glück gehabt, weil das für den Radweg benötigte Stück Land in diesem Fall dem Ersten Emder Entwässerungsverband, dem Landkreis und dem Land gehöre, was die Absprachen beschleunigt habe. Entlang der L4 hingegen müssen auch Verhandlungen mit privaten Grundbesitzern geführt werden. Und die können sich erfahrungsgemäß hinziehen, was auch zwischen Grimersum und Wirdum ein Problem darstellte. Appelhagen warnt daher davor, dass nicht immer alles so schnell gehen kann, wie im Falle seines Vereins. Und trotz allem habe man auch noch ständig wegen allem Möglichen hinterhergehen müssen.
Der Landkreis Aurich sagte schließlich zu, sich um die Bauplanung zu kümmern und dadurch den Verein zu entlasten. Das Land Niedersachsen übernimmt wiederum die kompletten Baukosten. Allerdings habe sich der Verein um die Grundstücksverhandlungen kümmern und Kontakt zu potenziellen Unterstützern aufnehmen müssen. Denn zukünftig muss sich „Up Pad gesund mit Rad“ auch um die Beschilderung kümmern und die Kosten dafür tragen, so Schöne. Darüber hinaus soll er entlang der Strecke weiteres Geld investieren, um diese für Radfahrer attraktiver zu machen. „Wir wollen mit dem Lückenschluss ein Zeichen setzen, dass man auch während der Corona-Pandemie etwas bewegen kann“, betont Appelhagen.
Treffen für weiteren Verein steht diesen Mittwoch an
Garrelt Agena ist einer der Mit-Initiatoren des Radwegs entlang der L4. Am Mittwoch sagte er auf Nachfrage, dass für den Abend desselben Tages ein Treffen der Anwohner angesetzt sei, bei dem ein Satzungsentwurf für einen eigenen Verein vorgestellt werde. Auch über den Namen werde gesprochen. Wie viele Mitglieder es voraussichtlich einmal geben wird, könne er zwar noch nicht sagen, aber es gebe eine Whatsapp-Gruppe zu dem Thema, in der alleine 50 Leute seien. Auch hatten sich die Initiatoren bereits mit dem Norder Verein, den an die L4 angrenzenden Kommunen und der Politik ausgetauscht und Schilder und orange angemalte Räder entlang der Straße aufgestellt, um für die eigene Forderung zu werben.
Wahrscheinlich werde der Landkreis Aurich in diesem Fall erneut die Bauplanung übernehmen. Die Samtgemeinden Brookmerland, die Stadt Norden und die Gemeinde Krummhörn hätten darüber hinaus in Aussicht gestellt, sich die Planungskosten für den Radweg zu teilen. Das hänge aber noch davon ab, ob auch die Politik in den betroffenen Kommunen dafür stimme, entsprechende Mittel im Haushalt einzuplanen, so Agena.
Orangene Räder und ein Bürgerradweg
Planungen für Bürgerradweg schreiten voran