Energie
Gaskraftwerk am Rysumer Nacken kommt wieder ins Gespräch
Die Stadt Emden sieht gute Chancen für die Ansiedlung eines wasserstofffähigen Gaskraftwerkes. Sie verfüge über einen von wenigen Standorten in Niedersachsen, sagt sie. Was sind die Hintergründe?
Emden - Angesichts neuer Entwicklungen in der Energiepolitik sieht die Stadt Emden gute Chancen, dass auf dem Rysumer Nacken an der Emsmündung ein großes und wasserstofffähiges Gaskraftwerk angesiedelt werden könnte. Das sei eine der wenigen Standorte, die im Raumordnungsprogramm des Landes für Großkraftwerke ausgewiesen seien, sagte Rainer Kinzel, zuständiger Fachbereichsleiter der Stadt, am Donnerstag im Ausschuss des Emder Rates für Stadtentwicklung und Umwelt auf Anfrage des FDP-Fraktionsvorsitzende Erich Bolinius.
Was und warum
Darum geht es: die mögliche Ansiedlung eines großen Gaskraftwerkes in Emden
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Energiepolitik und Klimaschutz interessieren
Deshalb berichten wir: Das Thema kam im zuständigen Fachausschuss zur Sprache. Die Stadt äußerte sich dazu. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Kinzel ist überzeugt, dass die Stadt deshalb nicht selbst aktiv werden und auf die Unternehmen zugehen müsse. „Die Energiekonzerne haben das im Blick“, sagte er. Dafür spreche auch, dass Emden über einen von wenigen Standorten verfüge, die direkt am Wasser liegen. Der Rysumer Nacken sei deshalb „hervorragend geeignet“. Deshalb müssten die Konzerne „nicht zum Jagen getragen werden“.
Emden „sehr gut aufgestellt“
Für Emden spreche auch, dass es mit Statkraft bereits einen Energieerzeuger am Ort habe, der ein Dampf- und Biomassekraftwerk im Hafen betreibt. Der norwegische Staatskonzern hatte bereits vor etwa zwölf Jahren den Bau eines neues Gaskraftwerkes geprüft.
„Wir sind sehr gut aufgestellt“, so der Chef des städtischen Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt. Hinzu komme, der hohe Anteil an erneuerbaren Energien, der in Emden erzeugt werde und 150 Prozent des eigenen Bedarfs decken könne. Auch am Thema Wasserstoff sei Emden „dran“.
Brücke zu mehr Klimaschutz?
Zum Hintergrund: Gaskraftwerke sollen Deutschland beim Brückenschlag in eine Zukunft ohne Treibhausgase helfen. Als die EU-Kommission zum Jahreswechsel vorschlug, solche Anlagen unter bestimmten Bedingungen als nachhaltig einzustufen, brach eine heftige Diskussion los. Denn auch die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP setzt auf dem Weg zu einer zunehmend klimafreundlichen Energiegewinnung auf diese Art der Stromerzeugung.
Bis zum Jahresende sollen die letzten Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Bis 2038 - „idealerweise“ sogar bis 2030, wie es im Koalitionsvertrag steht - will die Bundesrepublik im Sinne des Klimaschutzes auch die Gewinnung von Strom aus Kohle beenden. An die Stelle von Atomkraft und fossilen Energien sollen erneuerbare Energien treten.
Doch bis genügend erneuerbare Energien zur Verfügung stehen, brauche es Gaskraftwerke, halten SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag fest. Diese sollten aber so gebaut werden, dass sie später auch mit klimafreundlichem Wasserstoff betrieben werden könnten. „Erdgas ist für eine Übergangszeit unverzichtbar.“ Diese Einschätzung liegt auch darin begründet, dass die Energieerzeugung aus Wind und Sonne je nach Wetterlage schwankt. Experten und Branchenverbände sehen bei Gaskraftwerken als Puffer für erneuerbaren Energien aber noch viele offene Fragen.
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