Riga

Reisen während des Ukraine-Krieges: So reagieren deutsche Urlauber

Sven Stahmann
|
Von Sven Stahmann
| 19.04.2022 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Keine Touristen vor der Petrikirche und dem Schwarzhäupterhaus in der lettischen Hauptstadt Riga: Der Ukraine-Krieg hat auch Einfluss auf Urlauber. Foto: imago images/Ryhor Bruyeu
Keine Touristen vor der Petrikirche und dem Schwarzhäupterhaus in der lettischen Hauptstadt Riga: Der Ukraine-Krieg hat auch Einfluss auf Urlauber. Foto: imago images/Ryhor Bruyeu
Artikel teilen:

2021 atmeten Reiseveranstalter zunächst auf, weil die Menschen wieder mehr reisen durften und auch wollten. Doch auf den Corona-Schock folgte in diesem Februar der Krieg in der Ukraine. Die Geschäftsführer des Reiseveranstalters Gebeco berichten, wie Urlauber darauf reagiert haben und was die neue Krise für die Zukunft bedeutet.

Nach dem Corona-Schock beruhigte sich die deutsche Reisebranche 2021 wieder etwas. Zunächst sank die Anzahl der Urlaubsreisen, die mindestens fünf Tage andauerten, von 70,8 Millionen Reisen im Jahr 2019 auf 50,5 Millionen Reisen im Jahr 2020. Im vergangenen Jahr stieg diese Zahl dann laut einer ersten Hochrechnung der Reiseanalyse 2022 immerhin wieder um neun Prozent an. Und auch bei den Kurzreisen konnte die Reisebranche in Deutschland nach dem deutlichen Einbruch wieder etwas aufatmen.

Grafik: So veränderte sich die Anzahl der Urlaubsreisen von 2019 bis 2021

Die Corona-Pandemie ist aber noch nicht überstanden. Trotzdem waren die leicht steigenden Zahlen in 2021 für die Reisebranche ein positives Zeichen. Im März 2022 folgte dann aber die nächste Krise: Der russische Angriff auf die Ukraine machte sich sofort bei Reiseveranstaltern bemerkbar. Auch wenn der Einfluss des Ukraine-Kriegs in der Tourismus-Branche noch nicht mit Zahlen zu belegen ist, konnten vor allem Anbieter, die Reisen nach Osteuropa anbieten, Reaktionen wahrnehmen.

„Nach der Corona-Zeit ist der Krieg ein Dämpfer für den Tourismus in die Staaten im östlichen Europa“, sagt Michael Knapp, Geschäftsführer vom Reiseveranstalter Gebeco. „In der ersten Woche nach der russischen Invasion in der Ukraine gab es eine kleine Welle von Stornierungen. Das war der Schockmoment.“ Obwohl einige Gäste verunsichert seien und sogar Reisen nach Griechenland absagten, halte die große Mehrheit aber an ihren Reiseplänen fest.

Für manche Regionen sind die Restriktionen gegen Russland nun auch eine neue Chance. Kristine Bähr-Gulinde ist Reiseführerin in Lettland. „Ich erhoffe mir durch den Ukraine-Krieg nichts Besseres als bei Corona“, sagt die 45-Jährige. Und trotzdem habe sie ein wenig Hoffnung, dass bald wieder etwas mehr Touristen nach Riga kommen. Bei den Kreuzfahrtschiffen steht bei Ostsee-Touren fast immer die russische Stadt St. Petersburg auf dem Reiseplan. Da der Stopp nun auf unbestimmte Zeit wegfällt, planen die Veranstalter teilweise Riga als Ersatzhalt ein. Einige Veranstalter haben Bähr-Gulinde schon gefragt, ob sie Stadtführungen für die Landgänge übernehmen könne.

Ury Steinweg, der 1978 Gebeco gründete und immer noch Geschäftsführer ist, trifft die aktuelle Situation in der Ukraine besonders. Vor 45 Jahren hatte er die Idee, Reisen durch den eisernen Vorhang anzubieten, damit ehemalige Länder der Sowjetunion entdeckt werden konnten. „Der Krieg hat mich persönlich stark betroffen gemacht. Unsere Reisen hatten schon immer das Ziel durch Völkerverständigung einen Beitrag zu einer friedlichen Weltgemeinschaft zu leisten“, sagt Steinweg. „Wir hoffen, dass sich Menschlichkeit und Vernunft durchsetzen werden.“

Auch Knapp schaut nach vorne: „Der Tourismus ist krisenerprobt.“ Zum einen würden sich bereits neue Reisetrends abzeichnen. Zum anderen seien Reisen ins östliche Europa weiterhin möglich: „Der deutsche Staat hat die Fürsorgepflicht für die Bürger und wir für unsere Gäste. Solange es keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt, fahren wir weiter ins Baltikum und nach Polen.“ Ohne Reisewarnung sei die Sicherheit der Gäste gewährleistet und Reisen könnten ohne Bedenken stattfinden. Aktuelle Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes gibt es unter anderem für die Ukraine, Russland und Belarus.

Ähnliche Artikel