Zum Tag der Brücken  Darum gilt Emden als das „Venedig des Nordens“

| | 15.10.2022 11:03 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die alte Fußgängerbrücke, die zum Schützenplatz führt, ist in ihrer markanten Bauart einmalig in Emden. Foto: Hanssen
Die alte Fußgängerbrücke, die zum Schützenplatz führt, ist in ihrer markanten Bauart einmalig in Emden. Foto: Hanssen
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In Emden kommt man nicht weit, ohne eine Brücke zu überqueren. Für den Internationalen Tag der Brücken haben wir uns die Bauwerke genauer angesehen. Zwei Brücken machten die Stadt bundesweit bekannt.

Emden - An diesem Samstag ist der Internationale Tag der Brücken. Dabei geht es eigentlich um ein sportliches Extrem-Event, bei dem Beteiligte mit spezieller Ausrüstung von Brücken springen. Wir nehmen das aber zum Anlass, um uns Emdens Brücken genauer anzusehen. Denn: Emden galt nicht umsonst schon früher als „Venedig des Nordens“. 108 Brücken gibt es aktuell in der Seehafenstadt, vor dem Zweiten Weltkrieg waren es noch mehr. Acht davon sind beweglich, können als aufklappen oder sich drehen. Zum Vergleich: In Venedig sind es laut dem Statistikportal Statista 400 Brücken und in Hamburg 2500.

Zu Wasser wirken die Brücken, hier an der Boltentorstraße, noch einmal ganz anders. Foto: Hanssen
Zu Wasser wirken die Brücken, hier an der Boltentorstraße, noch einmal ganz anders. Foto: Hanssen

Kanäle, Tiefs, Gräben, Hafen, Ems und natürlich die „Meere“ in Uphusen und angrenzend in Südbrookmerland: Emden hat eine Wasserfläche von 865 Hektar. Das entspricht fast acht Prozent der Gesamtfläche. Die in unterschiedlichsten Baustilen geschaffenen Brücken überspannen dabei die fast 150 Kilometer Wasserwege, auf denen sich Bootjefahrer, andere Wassersportler, Ausflugsschiffe und Transportschiffe bewegen.

Von der Hahn'schen Insel führen zwei Brücken: eine zur Volkshochschule und eine zur Kunsthalle und dem Café Henri's, bei dem hier im August alle Schirme aufgeklappt sind. Foto: Hanssen
Von der Hahn'schen Insel führen zwei Brücken: eine zur Volkshochschule und eine zur Kunsthalle und dem Café Henri's, bei dem hier im August alle Schirme aufgeklappt sind. Foto: Hanssen

BEE hat viel mit Brücken zu tun

Vielleicht hat jeder Emder sogar eine Lieblingsbrücke: etwa das Betonbogen-Bauwerk am Schützenplatz, das rote Backstein-Gebilde zwischen Sprint-Tankstelle und Johannes-Althusius-Gymnasium oder die beiden Brücken zwischen Kunsthalle und Volkshochschule, auf denen man schönste Fotos aufnehmen kann. Nicht nur im Zentrum gibt es zahlreiche Wasser-Überquerungen zu entdecken. Die Stadtteile Barenburg, Wolthusen und Tholenswehr werden von zahlreichen Brücken miteinander verbunden, im Grachtenviertel Constantia reiht sich eine an die andere und in Larrelt führt eine uralte Holz-Brücke sogar nach „Japan“. So nennt sich ein Inseldreieck.

Idyllisch schmiegen sich die Brücken in das Emder Bild zu Wasser - insbesondere im Hochsommer wie hier im August, wenn die Ufer dicht bewachsen sind. Foto: Hanssen
Idyllisch schmiegen sich die Brücken in das Emder Bild zu Wasser - insbesondere im Hochsommer wie hier im August, wenn die Ufer dicht bewachsen sind. Foto: Hanssen

Dass die Brücken nicht nur wichtig für den Verkehr in Emden und schön anzusehen sind, sondern auch viel Arbeit bedeuten, weiß der Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) zu berichten. 93 der Bauwerke fallen in dessen Zuständigkeit. Aktuell muss eine Brücke auf dem Emder Wall, die am Albringwehrster Zwinger über das Hinter Tief führt und im Jahr 1789 errichtet wurde, für den Bootsverkehr gesperrt werden. Sie bröckelt und hat Risse. Ob bald auch Radfahrer und Fußgänger die wichtige Verbindung zur Auricher Straße nicht mehr nutzen dürfen, ist noch unklar.

Die historische Brücke am Albringwehrster Zwinger des Emder Walls bröckelt und hat Risse. Sie ist daher für den Bootsverkehr gesperrt. Foto: Müller/Archiv
Die historische Brücke am Albringwehrster Zwinger des Emder Walls bröckelt und hat Risse. Sie ist daher für den Bootsverkehr gesperrt. Foto: Müller/Archiv

Zehn besonders marode Brücken hatte der BEE im vergangenen Jahr auf der To-Do-Liste, die er stückchenweise abarbeitet. Dazu gehört auch die Bahnhofsbrücke, die Brücke übers Larrelter Tief von Constantia nach Conrebbersweg und die Brücke vom Wall zum Blumenpavillon in Barenburg. Wenn das Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West erschlossen wird, soll auch - so war schon im Gespräch - eine weitere Brücke die beiden Stadtteile verbinden.

Rund um die Stadt verlaufen der Stadtgraben und die Wallzwinger, weswegen sich insbesondere dort viele Brücken finden. Foto: Hanssen
Rund um die Stadt verlaufen der Stadtgraben und die Wallzwinger, weswegen sich insbesondere dort viele Brücken finden. Foto: Hanssen

Zwei Brücken bekamen bundesweit Aufmerksamkeit

Mit einer Brücke beziehungsweise ihrer Sanierung wurde Emden kurzzeitig bundesweit berühmt: mit der Fußgängerbrücke „Schiefe Tille“ im Stadtteil Herrentor. Deren Holz-Konstruktion war Ende 2018 einer aus Stahl gewichen. Im Frühjahr stellte sich heraus, dass die Brücke für einige größere Sportboote - anders als zuvor - zu niedrig war. Der BEE räumte einen Fehler ein, hob die Brücke im Juni an und erhöhte die Widerlager. Die Kosten für das „Brücken-Lifting“ wurden zunächst als rund 10.000 Euro angegeben, dann aber nach oben korrigiert - auf rund 22.000 Euro. Der Bund der Steuerzahler wurde darauf aufmerksam und erwähnte Emden im „Schwarzbuch“ der Geldverschwendung.

Die Sanierung der "Schiefen Tille" wurde bundesweit belächelt: Die neue Brücke war zu niedrig gebaut. Foto: F. Doden/Archiv
Die Sanierung der "Schiefen Tille" wurde bundesweit belächelt: Die neue Brücke war zu niedrig gebaut. Foto: F. Doden/Archiv

Eine „unendliche Geschichte“ ist indes die Eisenbahnbrücke, die den Delft überspannt. Sie fällt in die Zuständigkeit der Deutschen Bahn, was es kompliziert macht. Seit mehr als zehn Jahren ist die Brücke, über die Züge in den Außenhafen zur Autoverladung oder dem Borkum-Kai fahren, ständig störanfällig. Das bedroht insbesondere den Ausbau des Wassertourismus in der Stadt, denn wenn die Brücke nicht hochklappt, dann kommt kaum ein Schiff in den alten Binnenhafen. Seit Jahren fordert die Politik deswegen eine zweite Eisenbahnbrücke. Die Deutsche Bahn aber arbeitet ihre Projekte nach Priorität ab. Emden steht offenbar nicht weit oben.

Zu den Matjestagen war die Sanierung der Eisenbahnbrücke im Frühjahr gerade noch rechtzeitig abgeschlossen. So kamen Schiffe in den Delft. Foto: Hanssen/Archiv
Zu den Matjestagen war die Sanierung der Eisenbahnbrücke im Frühjahr gerade noch rechtzeitig abgeschlossen. So kamen Schiffe in den Delft. Foto: Hanssen/Archiv

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