Osnabrück  Der neue ukrainische Botschafter sollte leise Töne üben

Marion Trimborn
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Von Marion Trimborn
| 17.10.2022 15:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Andrij Melnyk, scheidender Botschafter der Ukraine Foto: dpa
Andrij Melnyk, scheidender Botschafter der Ukraine Foto: dpa
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Der ukrainische Botschafter Melynk beleidigte den Bundeskanzler und überwarf sich mit dem Bundespräsidenten. Mehr diplomatische Einfältigkeit geht nicht. Sein Nachfolger sollte einen entscheidenden Fehler nicht mehr machen.

Einer wird sich über den Wechsel an der Spitze der ukrainischen Botschaft in Berlin bestimmt freuen: Kanzler Olaf Scholz. Der kam nämlich bei dem inzwischen schon legendären ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk stets schlecht weg. Nicht nur als Zögerer und Zauderer in punkto Waffenlieferungen an die Ukraine beschimpfte Melnyk ihn, sondern betitelte Scholz auch als „beleidigte Leberwurst”. Das ist auf dem diplomatischen Parkett, das ja für seine leisen Töne bekannt ist, in der Tat ein unverzeihlicher Affront. Kein Wunder, dass Scholz Melnyk trotz dessen ausdrücklicher Bitte bis zuletzt nicht zu einem Gespräch empfangen hat. Erleichtert dürfte auch Bundespräsident Steinmeier sein, dem Melnyk vorwarf, in seiner Zeit als Außenminister „ein Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft” zu haben. 

Ob sich das frostige Verhältnis zwischen Kanzleramt, Schloss Bellevue und ukrainischer Botschaft unter dem neuen ukrainischen Vertreter Oleksii Makeiev nun entspannt, muss sich erst noch zeigen. Der Nachfolger täte gut daran, den Fehler von Melnyk nicht fortzusetzen. Melnyk hat in den acht Jahren als Botschafter und vor allem seit dem Beginn des Ukraine-Krieges eine Strategie von Zuckerbrot und Peitsche verfolgt. Die Deutschen aufzurütteln und zu mehr Engagement zugunsten der Ukraine zu drängen, war ein nachvollziehbares Ziel, doch Melnyk überspannte den Bogen, was letztlich auch zu seiner Abberufung führte.

Statt eine anerkannte Stimme in der politischen Debatte zu sein, wurde Melnyk immer häufiger überhört, verlor Gesprächsfäden und letztlich Zugang zu Entscheidern. Genau diese braucht aber ein Botschafter, um die Interessen seines Landes wirkungsvoll zu vertreten. Der Neue sollte sich daran machen, den diplomatischen Schaden zu reparieren - und schon mal die leisen Töne üben. 

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