Ausgleichsflächen für Sprayer gesucht Aurich will wieder cool für Graffiti-Künstler werden
Früher kamen Graffiti-Sprayer aus ganz Norddeutschland nach Aurich, um sich auszutoben. Durch den Umbau des Kaufhallengeländes fehlt nun der Platz. Die Stadt will Ersatz schaffen.
Aurich - Das Kaufhallengelände am Auricher Pferdemarkt war fast 25 Jahre lang ein Eldorado für Graffiti-Sprayer. Durch die Baumaßnahmen (unter anderem Combi XL) sind dort Mauern, auf denen sich Sprayer nach Herzenslust austoben konnten, gefallen. Die Stadt soll nun für Ersatz sorgen und neue Flächen für Graffiti zur Verfügung stellen. Das hat der Bauausschuss des Rates auf Antrag der FDP einstimmig empfohlen.
Auf dem Kaufhallengelände seien einst hochkarätige Künstler aktiv gewesen, sagte der FDP-Ratsherr Arno Fecht. Sprayer aus ganz Norddeutschland seien nach Aurich gekommen. Man wolle nun erneut beweisen, „dass wir eine coole Stadt sind“.
Fassade von Optik Lenk machte Schlagzeilen
Als eher uncoole Stadt, was Graffiti betrifft, geriet Aurich vor fünf Jahren in die Schlagzeilen. Im Oktober 2017 gestaltete der Auricher Graffiti-Künstler Tim Write in der Fußgängerzone die Fassade von Optik Lenk mit einem großflächigen Fantasiebild. Die Hauseigentümerin Elke Lenk hatte ihn damit beauftragt, allerdings ohne Genehmigung der Stadt. Mit der Gestaltung verstieß sie gegen das Denkmalschutzgesetz. Lenks Fehde mit dem Ordnungsamt in Aurich und der Obersten Denkmalschutzbehörde in Hannover löste seinerzeit internationalen Medienrummel aus. Knapp elf Monate später überstrich die Optikerin das Bild mit brauner Farbe.
Lenk gehört dem Bauausschuss als Vertreterin des Kaufmännischen Vereins Aurich mit beratender Stimme an. Sie schlug vor, den Georgswall rund um das Rathaus als Ausgleichsfläche für Sprayer anzubieten. „Künstler wollen gesehen werden“, sagte die Optikerin. Und der Georgswall sei aus ihrer Sicht eine „tote Zone“.
Die Redaktion hat bei einem Auricher Graffiti-Künstler nachgefragt. Holger Goldenstein (41) sprüht seit 1998 und gibt Graffiti-Kurse an der Kunstschule. Er freut sich über die Aussicht auf Ausgleichsflächen. „Da wären die Auricher Graffiti-Maler ganz glücklich drüber“, sagt Goldenstein. „Uns sind ja einige Flächen weggefallen, nicht nur bei der alten Kaufhalle, auch am Jugendzentrum.“ Ob nun am Georgswall oder anderswo: „Da sind wir ganz bescheiden. Wir wären mit allen Flächen zufrieden.“ Jugendlichen, die sich mal ausprobieren wollten, blieben derzeit nur Privatflächen oder der Weg in die Illegalität.