Trotz Blutkonserven-Mangel  Warum Blutspendewillige in Ostfriesland abgewiesen wurden

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 26.01.2023 21:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Blutreserven in Niedersachsen sind knapp. Trotzdem konnten in Ostfriesland nicht alles Spendewilligen Blut abgeben. Foto: Dittrich/dpa
Die Blutreserven in Niedersachsen sind knapp. Trotzdem konnten in Ostfriesland nicht alles Spendewilligen Blut abgeben. Foto: Dittrich/dpa
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Das DRK sucht dringend nach Blutspendern. Doch es war in Ostfriesland zuletzt nicht in der Lage, allen Leuten Blut abzunehmen, die es geben wollten. Derweil mangelt es weiterhin an Blutkonserven.

Ostfriesland/Springe - Trotz – offenbar dramatischen – Blutkonserven-Mangels konnten zuletzt bei Blutspendeaktionen in Ostfriesland nicht alle Spendewilligen Blut abgeben. Wie kann das?

Der DRK-Blutspendedienst läutet seit Wochen die sprichwörtlichen Alarmglocken, weil im letzten Quartal 2022 überraschend wenig Blut gespendet wurde. Ein Sprecher des Blutspendedienstes für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: „Zur Sicherung der Blutversorgung über alle Blutgruppen benötigen wir in unseren Depots einen Mindestbestand von 10.000 Präparaten. Durch den Rückgang im Spendeaufkommen lagen wir bei einem Bestand von 7000 Präparaten und konnten unsere Kliniken bei einigen Blutgruppen nur eingeschränkt versorgen.“

In Wiesens konnten Dutzende kein Blut spenden, obwohl sie wollten

Die Hilferufe nahmen sich in Ostfriesland offenbar relativ viele Menschen zu Herzen. Als die Feuerwehr im Auricher Stadtteil Wiesens am 18. Januar zur Blutspende lud, postete sie abends auf Facebook: „Aufgrund der enormen Spendenbereitschaft haben wir keine Kapazitäten mehr frei! Zutritt daher nur noch mit Termin!!!“ Die Bilanz: 135 Blutspenden.

35 Leute, denen kein Blut mehr abgezapft werden konnte, seien zur Entschädigung für die lange Wartezeit noch zum Essen eingeladen worden, berichtet Ortsbrandmeister Timo Seeberg auf Anfrage unserer Zeitung. Weitere Spendewilligen seien sofort weggeschickt worden.

DRK-Blutspendedienst vom Erfolg seiner Hilferufe überrascht

Der Blutspendedienst-Sprecher erklärt den Kapazitätsengpass damit, dass sich „das Spendenaufkommen in den letzten Tagen deutlich verbessert“ habe: „Seit dem 10. Januar konnten wir auf unseren Spendeterminen im Schnitt 18 Prozent mehr Spenderinnen und Spender begrüßen als geplant.“ Erwartet worden seien 34.000 Spendewillige – erschienen seien 39.990. „Auf einzelnen Terminen lag das Spendeaufkommen bis zu 80 Prozent über den erwarteten Spendezahlen. Diese Aufkommensspitzen führen häufig zu langen Wartezeiten.“

Die „herausragende Resonanz auf die Spendenaufrufe der letzten Tage“ sei „in dieser Höhe nicht zu erwarten“ gewesen, so der Pressesprecher weiter. „Da die extremen Aufkommensspitzen auf den unterschiedlichen Termine nicht vorhersehbar waren, konnten wir in der Kurzfristigkeit keine zusätzlichen Konservendienste einsetzen.“

In Blutkonserven-Lagern ist noch nicht mal der Mindestbestand erreicht

Sind dem DRK Planungsfehler unterlaufen? Das bis zu 80 Prozent erhöhte Spendeaufkommen hat noch nicht dazu geführt, dass die Blutkonserven-Lager voll wären: „Aktuell hat sich der Präparatebestand auf 9000 erhöht“, so der Blutspendedienst am Donnerstag. Aber: „Der optimale Bestand liegt bei 16.000 bis 18.000 Präparten“ – 10.000 Blutpräparate seien der „Mindestbestand“.

Im Wiesenser Fall kommt hinzu, dass sich Ortsbrandmeister Seeberg bereits im November gewundert hat, warum das DRK nur mit 75 Blutspendern kalkuliere. Bei der vorvorletzten Aktion – der ersten mit geselligem Beisammensein nach den Corona-Einschränkungen – waren 98 Blutspenden in Wiesens abgegeben worden. Bei der Aktion im September kamen 127 Spenden zusammen.

Blutspendedienst nennt bezüglich der eigenen Engpässe keine Zahlen

Seeberg berichtet, dass er den Blutspendedienst aufgefordert habe, die Planung auf mehr Spender auszurichten – aber vergebens. Der Blutspendedienst argumentiert damit, dass sich nur 32 Blutspender vorab einen Termin reserviert gehabt hätten. Eine Reservierung ist per App oder hier möglich: https://www.blutspende-leben.de/blutspendetermine/.

Bei wie vielen Blutspendeterminen es in Ostfriesland zu Kapazitätsengpässen kam, dazu gibt es vom Blutspendedienst keine Auskunft: „Die Daten werden nicht systemisch erfasst, so dass ich Ihnen hier keine verbindlichen Zahlen nennen kann.“ Nach Informationen unserer Zeitung soll es auch bei der Blutspende in Großheide Engpässe gegeben haben.

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