Versorgung im Notfall Stadt Emden will Rettungsdienst vergrößern
Auch nach der Fusion des Rettungsdienstes RKSH mit dem Rettungsdienst von Stadt Emden und DRK bleiben Kapazitäts-Defizite. Die Verwaltung will mit den Krankenkassen verhandeln.
Emden - Ein Zusammenschluss der Emder Rettungsdienste von Stadt und DRK auf der einen Seite sowie dem Verein für „Rettungsdienst, Krankentransport und Soziale Hilfsdienste“ (RKSH) auf der anderen Seite kann den Personalmangel mildern, aber nicht beseitigen. Das ging aus einem Pressegespräch hervor, in dem sich Vertreter von Stadt und RKSH am Freitag zur der geplanten Fusion äußerten.
Falls alle Sanitäter des RKSH zum 1. April in den städtischen Rettungsdienst wechseln sollten, wären demnach zwar alle Planstellen besetzt – aber der Stadtverwaltung liegt eine Analyse vor, die einen Mehrbedarf bei den Rettungsdienst-Kapazitäten ausweist. Als Anhaltspunkt: Bisher sind es beim Rettungsdienst von Stadt und DRK 26 Köpfe, wie Betriebsleiter Andree Heinks sagte. Beim RKSH sind es laut Vorstand Holger Rodiek rund zehn Köpfe.
Ungleichgewicht bei Rettungsdienst-Löhnen
Wie viele Fahrzeuge und Fachkräfte zusätzlich gebraucht würden, das wollte Heinks auch auf mehrfache Nachfrage unserer Zeitung nicht sagen: „Ich will keine Begehrlichkeiten wecken – weder bei den Mitarbeitern noch in der Bevölkerung.“ Er wolle den entsprechenden Budgetverhandlungen mit den Kostenträgern, also den Gesetzlichen Krankenkassen, nicht vorgreifen.
Heinks gab sich optimistisch, dass die Kassen vom Mehrbedarf überzeugt werden können. RKSH-Chef Holger Rodiek pflichtete ihm bei, dass dies in der Regel gelinge, wenn die Forderungen solide begründet seien. Allerdings musste Rodiek bis zum vergangenen Sommer kämpfen, dass die Kassen für den RKSH-Rettungsdienst dieselben Löhne als Kostenersätze bewilligen wie für den Rettungsdienst von Stadt und DRK.
Das Problem sei gewesen, dass der RKSH keinen Tarifvertrag gehabt habe, erklärte Rodiek – während der andere Rettungsdienst nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVÖD) bezahlt. Ein Versuch, mit der Gewerkschaft Ver.di einen Haustarifvertrag auszuhandeln, sei vor rund 15 Jahren gescheitert. Die Gewerkschaft habe kein Interesse gehabt, weil zu wenige RKSH-Sanitäter bei ihr Mitglied gewesen seien, so Rodiek.
Das niedrige Lohn-Niveau verschärfte den Fachkräfte-Mangel für den RKSH. Zuletzt habe die Stadt sogar angeboten, dem Verein die Differenz zwischen den Löhnen zu bezahlen, berichtete Stadtrat Volker Grendel – falls die Kostenträger sich weiter sperren sollten. Doch jene hätten eingelenkt. Im Herbst habe der RKSH dann auf TVÖD-Niveau erhöhen können, berichtete Rodiek. Da dieser Schritt ausgerechnet in eine Phase gefallen sei, als sich der RKSH eine neue Fachkraft fürs Personal habe suchen müssen, habe es Schwierigkeiten bei den Lohnzahlungen gegeben, sagte Rodiek auf Anfrage. Inzwischen seien aber die Löhne vollständig bezahlt – nur eine Aushilfskraft erhebe noch Forderungen, zu hohe Forderungen aus Sicht des RKSH-Chefs.
RKSH-Retter von Fusion überrascht
Die Rettungskräfte, die trotz des niedrigeren Lohn-Niveaus seit Jahren für den RKSH gearbeitet hätten, haben das laut Rodiek aus Überzeugung getan. Am Donnerstagabend habe er seine hauptamtlichen Kräfte über die geplante Fusion der Rettungsdienste informiert, nachdem diese Lösung am Montag mit dem Emder Stadtverwaltungsvorstand besprochen worden sei: „Das ist für uns als Mitarbeiter des RKSH, insbesondere auch für die Retter, schon ein sehr, sehr emotionaler Moment gewesen.“ Und: „Es war eine weitestgehend nicht unbedingt positiv aufgenommene Überraschung.“
Die Emder Stadtverwaltung will dem Rettungsdienst-Personal des RKSH in Übernahme-Angebot machen. Zu TVÖD-Konditionen, also auf dem Lohn-Niveau, das sie zuletzt beim RKSH hatten. Alle anderen Sparten wie den Menü-Service und die Erste-Hilfe-Kurse führt der RKSH weiter.
Auf die Frage, ob die Stadt auch auf die Rettungsdienst-Aushilfen des RKSH wegen einer Weiterbeschäftigung zugehen werde, antwortete Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos): „Auf jeden Fall.“ Rodieks Einschätzung: „Jeder, der in Emden eine Rettungsdienst-Ausbildung hat, wird definitiv in den nächsten Jahren gebraucht.“
Sorgen bei städtischen Rettungskräften
Auch der städtische Rettungsdienst-Chef hat seine Belegschaft am Donnerstagabend über die Pläne informiert. Auch dort sei die Überraschung ebenfalls groß gewesen, sagte Heinks. Sorgen, die geäußert worden seien, hätten ausgeräumt werden können. Die Rettungsdienstler „sind und bleiben städtische Beschäftigte“, betonte er. Mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen den Rettungsdiensten in den vergangenen Jahren merkte er an: „Die Kollegen sind auch Kollegen.“
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts, in der die Stadt Emden bislang ihren Rettungsdienst mit dem DRK zusammen betrieben hat, soll noch in diesem Jahr aufgelöst werden. Die Vertreter der Stadtverwaltung rechneten in dem Pressegespräch am Freitag damit, dass die Gespräche bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden können – und die Gesellschaft dann rückwirkend zum 1. Januar oder dann zum 31. Dezember aufgelöst werde.
Was die Auflösung als solche betreffe, bestehe Einigkeit, sagte Oberbürgermeister Kruithoff. „Das ist nur noch ein formeller Akt.“ Der Emder Rettungsdienst soll künftig als „optimierter Regiebetrieb“ bei der Stadtverwaltung angesiedelt sein. Es handelt sich demnach um eine Integration in die Verwaltung und nicht etwa um eine ausgelagerte Gesellschaft, wie das bei städtischen Krankenhäusern in der Regel der Fall ist.
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