Mangelnde Unterstützung?  Wiesmoorer Hundewiesen-Verein zieht die Reißleine

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 21.05.2023 09:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Rund um einen Strommast der Avacon-Hochspannungstrasse, die übers Ottermeer führt, ist eine Fläche gerodet worden. „Hier wird keiner gestört, man müsste das Areal eigentlich nur umzäunen“, findet Diedrich Kleen – im Bild mit seinem Terrier „Milhouse“. Gewollt scheint die Fläche nicht. Foto: Cordsen
Rund um einen Strommast der Avacon-Hochspannungstrasse, die übers Ottermeer führt, ist eine Fläche gerodet worden. „Hier wird keiner gestört, man müsste das Areal eigentlich nur umzäunen“, findet Diedrich Kleen – im Bild mit seinem Terrier „Milhouse“. Gewollt scheint die Fläche nicht. Foto: Cordsen
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Seit Jahren hoffen Hundehalter in Wiesmoor auf eine Fläche, wo ihre Tiere ohne Leine laufen können. Es gibt immer noch keine. Nun löst sich der Förderverein auf. Warum?

Wiesmoor - Seit Jahren hegen Hundehalter in Wiesmoor den Wunsch, ihre Tiere in einem abgezäunten öffentlichen Areal frei toben und spielen lassen zu können. Erste Vorstöße dafür gab es schon vor acht Jahren. An einer im April 2018 gestarteten Petition für dieses Vorhaben hatten sich seinerzeit um die 900 Menschen beteiligt. Eine konkrete Fläche für diese Hundewiese ist in dieser Zeit noch nicht gefunden worden. Mehrere potenzielle Grundstücke kamen am Ende doch nicht infrage. Lose steht im Raum, dass ein solches Areal im Baugebiet „Neue Mitte“ in Wiesmoor entstehen könnte – auf den ehemaligen Gewächshaus-Flächen der Wiesmoor-Gärtnerei, die zum Baugebiet umgewidmet werden sollen.

Um das Thema präsent zu halten und weil sie sich für die Umsetzung engagieren, hatten Hundehalter den Verein „Freie Pfoten Wiesmoor“ gegründet. Er signalisierte der Verwaltung, sich an der Pflege einer Hundewiese zu beteiligen, wenn sie denn eingerichtet ist. Doch nun plötzlich hat dieser Verein, um im Hundebild zu bleiben, die Reißleine gezogen. Die Mitglieder haben entschieden, den erst im vergangenen Jahr von Ratsherr Diedrich Kleen (Tierschutzpartei) gegründeten Verein wieder aufzulösen. Was ist da los?

Zweifel an avisierter Fläche in der „Neuen Mitte“

Kurz gesagt, vermissen die Vereinsmitglieder den Nachdruck der Verwaltung, das Einverständnis der Jägerschaft, nicht zuletzt aber auch Unterstützung aus der Allgemeinheit in Wiesmoor, für deren Hundehalter die Vereinsmitglieder ja angetreten sind. „Es gibt zwar einen aktuellen Beschluss, dass in dem neu entstehenden Stadtteil im Planbereich D11 angrenzend eine Fläche entstehen soll, doch wann das so weit sein wird, kann niemand sagen. Diesem Vorhaben stehen die Vereinsmitglieder als auch die Verwaltung skeptisch gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. „Die Sorgen sind groß, dass es auch dort nicht gelingen wird, eine Freilauffläche einzurichten, da die künftige Nähe zu Einwohnern und Gewerbetreibenden zu gering ist und es Widerstand geben wird“, fügen die Mitglieder an. Eine von der Verwaltung vorgeschlagene Fläche in der Ilexstraße war zuvor schon seitens der Jägerschaft und der damaligen Politik abgelehnt worden.

Zuletzt hatte der Verein eine Fläche am Ottermeer vorgeschlagen, auf einer kleinen Halbinsel rund um einen Strommast. „Dort wird ein Bereich freigehalten, da hier bald eine Sanierung der Stromtrasse ansteht. Hier gäbe es eine ideale Fläche von etwa einem Hektar mit Wasserzugang und genügend Abstand zu Anwohnern und Firmen.“ Auch zu dieser Fläche habe es ein Nein gegeben, heißt es vom Verein.

„Nur als Steuereinnahmequelle geduldet“

„Die gesamte Zeitspanne und Entwicklung in den Jahren zeigt deutlich, dass in Wiesmoor keine Hundefreilauffläche gewünscht ist und sich in absehbarer Zeit nichts daran ändern wird. Hunde werden nur geduldet als Steuereinnahmequelle von mehr als 100.000 Euro jährlich, sind aber nicht willkommen in Wiesmoor. Ansonsten wäre, wie in vielen anderen Kommunen im Umkreis, eine Hundefreilauffläche in Wiesmoor längst Realität“, heißt es weiter.

Auch die Hundehalter in Wiesmoor scheinen aus der Perspektive der Vereinsmitglieder „kein Interesse mehr an einer Fläche zu haben, oder es fehlt die Bereitschaft, sich zu engagieren für die Vierbeiner“. Anders könne man nicht erklären, dass etwa aus einer ehemaligen WhatsApp-Gruppe mit knapp 50 Interessenten niemand in den Verein eingetreten sei. Anfangs hatte der Verein 15 Mitglieder, schrumpfte dann auf neun, „weil nichts passierte und es zwar hieß, man kümmere und melde sich – aber ohne Ergebnis“, sagt Diedrich Kleen auf Nachfrage. „Irgendwann geht dann das Interesse verloren.“ Man habe „helfen wollen, wo wir können“. Mit zu wenig Mitgliedern „fehlen aber auch die Möglichkeiten, sich einzubringen“, so der Wiesmoorer.

„Die Auswahl war sehr dürftig“

„Freie Pfoten“ teilt weiter mit: „Oftmals bekam der Verein zu Antwort auf einen möglichen Vereinseintritt, dass man eine Fläche haben will, aber diese soll durch die Stadt, ohne weitere ,Verpflichtungen‘ zur Verfügung gestellt werden. Oder es wurde argumentiert, dass es in Wiesmoor nie eine Fläche geben wird, da die Stadt nichts für Hunde übrig hat und das ganze aussitzen will und wird.“ Man habe nicht das Gefühl, bei der Verwaltung eine Lobby zu haben – beziehungsweise Unterstützung zu erfahren. „Deutlich wurde das auch in den Presseberichten zur Entwicklung und Erschließung im Bereich D11. Hier wurde nicht ein einziges Mal vonseiten der Stadt auf eine künftige Freilauffläche hingewiesen“, so die Vereinsmitglieder.

Aufs angeblich wiederholte Veto vonseiten der Jägerschaft angesprochen, sagt der langjährige Leiter des zuständigen Hegerings Bagband, Manfred Becker: „Weil ein Widerspruch immer den jeweiligen Jagdpächtern obliegt, kann ich zu den Einzelfällen wenig sagen. Die Einrichtung einer solchen Fläche ist aber immer dann problematisch, wenn wir das Wild beeinträchtigt sehen oder es um Flächen in direkter Nähe zu Naturschutzgebieten geht.“ Allerdings: „Wir stehen einer solchen Fläche durchaus offen gegenüber. Die Hunde brauchen eine Freilauffläche.“ Er sieht dabei allerdings auch die Verwaltung in der Bringschuld und sagt: „Aus meiner Wahrnehmung hat die Stadt bislang zu wenig Flächen angeboten. Die Auswahl war sehr dürftig, was das angeht.“ Und: „Es gibt befriedete Flächen, auf denen nicht gejagt wird: dort, wo viele Häuser stehen. Und In deren Nähe würden mir so einige Flächen einfallen, die für eine Hundefreilauffläche geeignet wären. Die müsste man dafür nur freigeben. Mich wundert auch, wie schwierig sich das Finden und Festlegen einer solchen Fläche zu gestalten scheint. Das kann doch nicht so schwierig sein.“ Die Jäger jedenfalls „wollen nicht die Spielverderber sein“, sagt Becker. „Es muss nur die richtige Fläche sein.“

Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) wiederum zeigt sich „sehr überrascht“ von der Auflösung des Vereins. „Wir sind mit den Verantwortlichen im Austausch. Das Thema ist nicht zu den Akten gelegt, und meine Zielsetzung bleibt es, eine Lösung zu liefern und eine Freifläche zu finden.“ Der Bürgermeister hat die beteiligten Parteien – Vereinsmitglieder, Verwaltung, Jäger – nun zu einem gemeinsamen Gespräch am 1. Juni eingeladen, um den Dialog in der Sache zu suchen. „Wir werden sicherlich dabei auch die Frage ansprechen, was denn aus der Zusage des Vereins wird, uns bei Unterhalt und Pflege einer Freilauffläche zu unterstützen“, sagt Lübbers. Bevor es dazu kommen könnte, müsste allerdings auch erst mal ein dafür geeignetes Areal konkret festgelegt werden und Zustimmung finden.

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