Blick hinter die Kulissen  Warum Pumpen aus Hessen in Greetsiel den Wasserstand regeln

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 30.07.2023 07:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Das Schöpfwerk in Greetsiel wurde 1975 eingeweiht. Foto: Kraft
Das Schöpfwerk in Greetsiel wurde 1975 eingeweiht. Foto: Kraft
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Kürzlich wurde das Hubtor des Neuen Siels in Greetsiel generalüberholt. Die Siele gehen auf eine lange Tradition zurück. Eine kleine Zeitreise.

Greetsiel - Das Hubtor des Neuen Siels in Greetsiel wurde erst kürzlich vom Ersten Entwässerungsverband Emden komplett überholt. Für die kommenden Jahrzehnte ist es nun wieder einsatzbereit. Es erfüllt eine wichtige Funktion, denn mit Sielen kann das gesammelte Binnenwasser in die Nordsee abgeleitet werden.

Die Geschichte der Sieltore geht weit zurück: Schon vor 1000 Jahren begannen die Menschen an der Nordseeküste Deiche zu bauen, um sich vor Hochwasser zu schützen. Das Wasser der Nordsee wurde so zwar zurückgehalten, nur konnte kein Binnenwasser in die See abgelassen werden. Also baute man Sieltore in die Deiche. Die öffneten sich bei Ebbe automatisch durch den Wasserdruck der Binnengewässser. Im 15. Jahrhundert wurden dann unter anderem in Wirdum, Eilsum und Greetsiel Siele gebaut.

Geld von unbekanntem Spender

Das alte Siel in Greetsiel wurde 1665 durch eine Sturmflut zerstört. 1798 bis 1801 wurde das alte Holzsieltor im Ortskern von Greetsiel ersetzt. Und zwar durch ein gemauertes Gewölbesiel, wie Reinhard Behrends am Donnerstag im Anschluss an die Inbetriebnahme des überholten Neuen Siels erzählte. Für den Bau habe man Steine der alten Greetsieler Burg verwendet. Schon damals sei nachhaltig gebaut worden, sagte Behrends und zwinkerte. Ein Modell der Greetsieler Burg ist im Schöpfwerk ausgestellt.

Die Pumpen im Schöpfwerk in Greetsiel können bei öffentlichen Führungen genauer betrachtet werden. Foto: Kraft
Die Pumpen im Schöpfwerk in Greetsiel können bei öffentlichen Führungen genauer betrachtet werden. Foto: Kraft

Ende des 18. Jahrhunderts hat das alte Siel seine Leistungsfähigkeit aufgrund des hohen Schlickanteils im Hafen verloren, so Behrends. Also wurde 1891 das neue Siel gebaut. Aber auch das hielt nicht lange. Nach 66 Jahren wurde es geschlossen – wegen zu viel Schlick im Fahrwasser. 1949 lag schließlich ein Entwurf für ein Schöpfwerk vor, so Behrends. Schöpfwerke können Wasser unabhängig von der Tide mit Hilfe von Pumpen aus einem niedrigen Wasserstand auf einen höheren heben. Für das Schöpfwerk in Greetsiel wurden drei Pumpen der Firma Man (Maschinenfabrik Augsburg Nürnberg) in Gustavsburg, in Hessen, gefunden und mit 50.000 Reichsmark angezahlt. „1954 flossen für den Bau benötigte finanzielle Mittel aus bis heute unbekannter Quelle“, sagte Behrends. Zwei Millionen D-Mark hatte das Schöpfwerk gekostet. 1957 konnte der Bau fertiggestellt werden. Die Pumpen haben insgesamt eine Förderleistung von 13.500 Litern pro Sekunde – das entspricht rund 90 Badewannen-Füllungen.

Führungen im Schöpfwerk werden derzeit jeden Mittwoch um 14 Uhr angeboten. „Zu Beginn wird es Erklärungen zum Schöpfwerk von außen, zu den neuen Sieltoren und zu den Flutständen geben. Nach einem Blick vom Deich aus auf den Yachthafen Greetsiel geht es im Schöpfwerk innen weiter: es werden unter anderem die Pumpen erklärt, auf die Geschichte vom ersten Sieltor zum Schöpfwerk an der Knock in Emden und über den Deichbau und die Deichsicherheit eingegangen“, schreibt die Touristik Krummhörn-Greetsiel auf ihrer Webseite. Eine Anmeldung in der Tourist-Info Greetsiel ist unbedingt erforderlich, da die Führungen jeweils auf 15 Teilnehmer begrenzt sind.

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