Die Nordsee ist zu warm Gewusst? Diese Fische leiden in Ostfriesland unter dem Klimawandel

| | 22.08.2023 18:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Kabeljau ist ein beliebter Speisefisch. In der Nordsee erholt sich der Bestand nur langsam. Foto: Parsons/PA/epa/dpa
Kabeljau ist ein beliebter Speisefisch. In der Nordsee erholt sich der Bestand nur langsam. Foto: Parsons/PA/epa/dpa
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Die Bestände sind laut Naturschutzorganisation WWF schlecht. Viele Arten wandern in tiefere, kühlere Gewässer. Das ist auch an der ostfriesischen Küste zu beobachten.

Ostfriesland/Hamburg/Bonn - Die Lebensbedingungen von Fischen in Nord- und Ostsee sind der Naturschutzorganisation WWF (World Wide Fund For Nature) zufolge schlecht. „Die vergangenen fünf Jahre waren für den Ostseehering die historisch schlechtesten Jahre. Und der Dorschbestand in der westlichen Ostsee ist in den vergangenen Jahren gänzlich kollabiert“, sagte WWF-Fischereiexpertin Karoline Schacht vor Kurzem. Gründe dafür sind laut WWF unter anderem Überfischung und die zunehmenden Auswirkungen der Klimakrise. Konkrete Zahlen zu den Beständen nannte der WWF nicht.

„In der Ostsee sieht es bei Hering und Dorsch in der Tat übel aus“, sagt Philipp Oberdörffer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Nur lasse sich das nicht mit den seit Jahren drastisch gekürzten Fangquoten beheben, „da die Fischerei nicht der treibende Faktor ist“, so der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Fischerei. Klimatische Faktoren und die massive Überdüngung der Ostsee führten zu schwacher Nachwuchsproduktion und Sauerstofflöchern.

Schwacher Nachwuchs bei Hering und Seelachs

In der Nordsee sei die fischereiliche Sterblichkeit bei allen Beständen in den letzten Jahren deutlich abgesenkt worden, sagt Oberdörffer. Beim Hering und Seelachs habe es zuletzt einige schwache Nachwuchsjahrgänge gegeben. Die Scholle habe sich in den letzten Jahren erholt, hingegen schwächele die Seezunge beim Nachwuchs. Damit mehr Elterntiere im Wasser blieben, sei der Fang beschränkt worden.

Und der Kabeljaubestand erhole sich nur sehr langsam, so der Diplom-Biologe. „Beim Kabeljau muss man aber auch bedenken, dass er sich in der Nordsee an der südlichen Grenze seiner Verbreitung befindet und sich die klimatischen Bedingungen deutlich geändert haben.“

Den Fischen ist das Wasser zu warm

Auch Dirk Sander nennt klimatische Veränderungen wie gestiegene Wassertemperaturen als Grund für die Abwanderung der Fische. „Das ist schon seit 25 Jahren zu beobachten“, sagt der Vorsitzende des Landesfischeriverbands Weser-Ems. Das Wasser in der Nordsee sei etwa 1,5 Grad wärmer geworden. Die Gebiete, in die die Fische abwanderten, lägen etwa 120 Kilometer nördlich der ostfriesischen Küste. „Da kommen wir mit unseren kleinen Kuttern gar nicht hin“, sagt Sander. Auf der anderen Seite kämen Arten wie der Wolfsbarsch aus dem Süden in hiesige Gebiete. Aber wann eine entsprechende Menge für den Fang vorhanden sei, sei ungewiss.

Projekt „Zukunft Nordsee“

Dieser Beitrag ist Teil des Projekts „Zukunft Nordsee“ von Ostfriesen-Zeitung, General-Anzeiger, Borkumer Zeitung, Nordsee-Zeitung, Kreiszeitung Wesermarsch und Deutscher Presse-Agentur (DPA). In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Themen, die für die gesamte Küstenregion relevant sind – zum Beispiel mit dem Klimawandel, erneuerbaren Energien, der Entwicklung der Wirtschaft und dem Tourismus. Weitere Beiträge dazu finden Sie hier.

Der WWF forderte mit Blick auf die schlechten Fischbestände unter anderem die Einrichtung von Schutzgebieten ohne wirtschaftliche Nutzung und bessere Kontrollen der Fänge. Dirk Sander bezweifelt, dass Schutzgebiete die Situation verbessern. „Da wird sich nichts ändern. Es ist zu warm.“

Geringere Fangzahlen

Fischerei über große Ausschlussgebiete macht laut Philipp Oberdörffer nur dort Sinn, wo die Art oder der Bestand sich auch räumlich auf dieses Gebiet konzentriert oder zumindest ein zentrales Laichgebiet hat, das man schützen kann.

Schwankungen durch Umwelteinflüsse spielten auch bei der Fangquote eine maßgebliche Rolle, wie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung mitteilt. Deutsche Fischer haben im vergangenen Jahr deutlich weniger Fisch an Land gebracht als im Vorjahr. Das gab die Behörde Anfang der Woche bekannt. Insgesamt kamen sie auf 150.249 Tonnen und damit acht Prozent weniger als im Vorjahr.

Trotz der sinkenden Fangzahlen gab es mehr Umsatz: Die deutsche Fischerei bekam fast 190 Millionen Euro in die Kassen – also knapp 16 Prozent mehr als im Jahr davor. In den deutschen Fischereihäfen von Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Bremen kamen den Daten zufolge noch 21.487 Tonnen Fisch an. Das waren 40 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mit Material von DPA

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