Kunst im Keller Als „Oma und Opa“ in Timmel Urlaub machten
Der ehemalige Bürgermeister Großefehns, Hayo Wolters, steckt voller Geschichten. Eine handelt von dem Auricher Kunstwerk eines Moorbauernpaares und seinem kurzen Urlaub in Timmel.
Großefehn/Aurich - Als vor kurzem die in Aurich nur „Oma und Opa“ genannten Bronzeskulpturen wegen eines Umzugs in die Medien kamen, saß Hayo Wolters in Großefehn in seinem Wohnzimmer mit dem hellen, flauschigen Teppich und der historischen Standuhr und schmunzelte. Das Leben des ehemaligen Bürgermeisters Großefehns steckt voller Geschichten. Eine von ihnen handelt von diesem Moorbauernpaar. Damals – wie auch heute – ging es um einen Umzug.
Was und warum
Darum geht es: Lang verstaubte die Bronze-Skulptur eines Moorbauernpaares des Auricher Künstlers Friedrich Büschelberger in einem Keller. Dann brachte das Interesse von Hayo Wolters aus Großefehn es erst nach Timmel – und von dort zurück in die Herzen der Auricher.
Vor allem interessant für: Kunstliebhaber und alle, die „Oma und Opa“ kennen
Deshalb berichten wir: Hayo Wolters hatte sich in der Redaktion gemeldet, nachdem die schwebenden „Oma und Opa“ in der Ostfriesen-Zeitung erschienen waren.
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Als die beiden betagten Bronze-Herrschaften des Auricher Künstlers Friedrich Büschelberger (1909-1990) mit Hund und Handtasche in sein Leben traten, war Wolters gerade 65 Jahre alt geworden und durfte nicht noch einmal zur Bürgermeisterwahl antreten. Stattdessen engagierte sich der heute 82-Jährige im Kreistag. Damals habe der Auricher Landrat und Kunstfreund Walter Theuerkauf oft geseufzt, weil eben dieses Pärchen seit den Umbauarbeiten am Kreishaus im Keller gelagert wurde und verstaubte.
Im Frühjahr 2005 ging es in den Keller
Das Kunstwerk hatte bis zum Frühjahr 2005 vor dem Kreishaus gestanden und war auch lange nach dem Abschluss der Arbeiten nicht wieder aufgestellt worden. Wolters: „Damals fragte Walter Theuerkauf in die Runde, ob nicht jemand Verwendung für das Kunstwerk hätte.“ Hayo Wolters sagte ja. So sorgte er dafür, dass Oma, Opa, Tasche und Hund zu Großefehns erstem und noch immer einzigen öffentlichen Kunstwerk wurden. Wenn auch nur für kurze Zeit.
„Sogar eine passende Bank wurde gebaut, damit die beiden genauso gut sitzen konnten wie in Aurich“, erinnert sich Wolters. Das Kunstwerk zog vor den Eingang des Reitsport-Touristik-Centrums (RTC) in Timmel, für dessen Bau Hayo Wolters sich als Bürgermeister eingesetzt und das er selbst mit seiner Frau Therese zwei Jahre lang betrieben hatte.
In Timmel bekamen Oma und Opa neue Namen
„In Timmel bekam die Oma den Namen Therese, nach meiner verstorbenen Frau“, sagt Wolters. Ihren Namen spricht er so schnell aus, dass man ihn kaum verstehen kann, und redet schnell weiter. So ist es nicht ganz so schmerzhaft. Der Opa sei nach ihm benannt worden – Hayo. „Der Hund hieß Herta, nach einem Münsterländer, den wir damals hatten“, sagt Wolters. Jetzt lächelt er verschmitzt. Die Zeitungen hätten damals groß berichtet. Das Kunstwerk sei ein echter Hingucker gewesen. „Auch wenn es vor das RTC nicht ganz so gut passte, wie in die Auricher Fußgängerzone“, gibt Wolters zu.
Allerdings hatte er nicht lange Zeit, sich an den Anblick zu gewöhnen. „Als der Artikel in den Zeitungen erschien, gab es in Aurich einen riesigen Aufschrei“, sagt Wolters. Eines Tages habe der Auricher Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst angerufen und herumgedruckst. „Er wollte das Kunstwerk zurückhaben“, erklärt Wolters: „Die Öffentlichkeit wollte Oma und Opa wieder nach Aurich holen und hat ordentlich Druck gemacht.“ Da konnte Wolters nicht nein sagen.
Der Weg zurück in die Kreisstadt
So ging es für das Paar und seinen Anhang zurück nach Aurich. Wolters blättert in einem Fotoalbum, zeigt auf ein Bild, das ihn mit seinem Nachfolger im Bürgermeisteramt der Gemeinde Großefehn zeigt – dem heutigen Auricher Landrat Olaf Meinen. Ebenfalls hinter dem auf einer Holzpalette für den Transport abgelegten Opa steht der erleichterte Auricher Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst. „Das Bild müsste von Ende des Jahres 2008 sein“, sagt Hayo Wolters. Die Rückführung wurde ebenso medienwirksam gefeiert, wie die Ankunft in Timmel.
2009 wurde das Kunstwerk wieder in der Auricher Fußgängerzone aufgestellt. Windhorst sagte damals der Presse, es sei nur verliehen gewesen. Wolters sieht das anders, er hatte Oma und Opa als Geschenk betrachtet und schmunzelt wieder: „Hätte ich es nur nicht zurückgeschenkt, sondern nur verliehen“, sagt er mit leichtem Bedauern. Dann hätte Großefehn noch immer ein Kunstwerk, auch wenn es nicht mehr in der Gemeinde steht.
Hund und Handtasche fehlen
Inzwischen sind Oma und Opa wieder umgezogen. Saßen sie seit 2009 fast vor dem Eingang zum Historischen Museum, sind sie jetzt etwas näher in Richtung Hafenstraße gewandert. Hier zeigt Opa der Oma wie gewohnt seine leere Geldbörse – getreu dem Namen des Werkes „Schau Alte, das ganze Geld ist weg!“. Passend für eine Einkaufsstraße. So bequem wie damals in Großefehn und bisher in Aurich sitzen die beiden allerdings nicht mehr. Die Bank ist höher, die Sitzfläche nach hinten gekippt. Folglich hängen die Füße des Paares in der Luft, gestützt von deutlich sichtbaren Metallstäben. Hund Herta und die Handtasche fehlen.
Wann beides den Weg zu Oma und Opa zurückfinden wird und ob Hund und Handtasche dann ebenfalls in der Luft schweben werden, kann Johann Stromann, Pressesprecher der Stadt Aurich, nicht sagen. Ob das Kunstwerk einen Sockel bekommen wird, damit es nicht mehr in der Luft schwebt, ebenfalls nicht. „Da die Montage von Hund und Handtasche das neue Pflaster betrifft, muss sich darum das Unternehmen Strabag kümmern, das das Pflaster verlegt hat“, erklärt er stattdessen. Demontierbar natürlich, falls es einmal im Weg sein sollte. Strabag hätte aber erst einmal die Aufgabe, die Innenstadt bis zum Beginn des Weihnachtsmarktes am 27. November um 16 Uhr fertig zu pflastern. Bis es so weit ist, bleiben Herta und Handtasche auf dem Betriebshof der Stadt. Sollte dieser sich schwertun, das Kunstwerk wieder zusammenzuführen – Hayo Wolters würde sich freuen, alle vier Teile wieder in Großefehn begrüßen zu dürfen.
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