Vorschlag der Verwaltung  400.000 Euro für Spielplatz sorgt für hitzige Diskussion in Emden

| | 02.12.2023 15:02 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Abenteuerspielplatz am Stephansplatz ist seit seiner Eröffnung im August 2010 einer der beliebtesten Anziehungspunkte für Kinder in Emden. Foto: Archiv
Der Abenteuerspielplatz am Stephansplatz ist seit seiner Eröffnung im August 2010 einer der beliebtesten Anziehungspunkte für Kinder in Emden. Foto: Archiv
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Emden muss sparen. Gerade wurde der neue Burg-Spielplatz eröffnet. Da kommt es überraschend, dass die Stadt bis zu 400.000 Euro in den am Stephansplatz investieren will. Was steckt dahinter?

Emden - Erst vor Kurzem hat in Emden der neue Burg-Spielplatz für 450.000 Euro eröffnet. Jetzt schlägt die Stadtverwaltung vor, weitere 400.000 Euro für einen anderen Spielplatz in die Hand zu nehmen. Angesichts der leeren Stadtkasse kommt das überraschend - und erhitzt die Gemüter. Wir erklären die Hintergründe.

Warum plötzlich der Spielplatz am Stephansplatz?

Der Spielplatz am Stephansplatz direkt beim Café Einstein gilt als der beliebteste in Emden. Laut Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) sei der Spielplatz, der im August 2010 eröffnet wurde, mittlerweile aber in die Jahre gekommen. Der Platz werde, wie alle in Emden, regelmäßig überprüft und man habe schon länger kommen sehen, dass „demnächst eine grundlegende Sanierung“ nötig sei, sagte Kruithoff im Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt und Klimaschutz am Freitag, 1. Dezember. Das Holz der Spielgeräte sei unter anderem durch Feuchtigkeit angegriffen.

Am 21. August 2010 wurde der Abenteuerspielplatz am Stephansplatz insbesondere von vielen Kindern eröffnet. Rechts ist der damalige Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) zu sehen. Foto: H. Müller/Archiv
Am 21. August 2010 wurde der Abenteuerspielplatz am Stephansplatz insbesondere von vielen Kindern eröffnet. Rechts ist der damalige Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) zu sehen. Foto: H. Müller/Archiv

Nun würden demnächst die Ergebnisse eines neuen Gutachtens zum Spielplatz erwartet. Schlimmstenfalls, so Kruithoff, könnten die Prüfer zu dem Schluss kommen, dass Teile des Spielplatz entweder dringend saniert oder abgesperrt werden müssen. Sind Bereiche nicht mehr verkehrssicher, dann müsste die Stadt das Flatterband zücken, betonte er. Man könne keine Garantie für das Ergebnis des Gutachtens übernehmen und habe mit dem aktuellen Vorschlag „vor der Welle“ sein wollen.

Plötzlich kommt der Fokus auf den Spielplatz übrigens nicht: Im Rahmen des 2018 im Emder Rat beschlossenen Starts des Maßnahmen-Pakets „Grünes Band“, durch das unter anderem schon der Sportbereich und der Spielplatz auf dem Wall entstanden sind, war eine Sanierung des Spielplatzes am Stephansplatz bereits früh im Gespräch. Jetzt gibt es aber ein aktuelles Problem.

Was ist mit der Förderung?

Der Abenteuerspielplatz sollte durch das Förderprogramm für das „Grüne Band“, durch das Bund und Land zwei Drittel der Kosten übernommen hätten, erneuert und ergänzt werden. Doch leider sei nun beschlossen worden, dass das Programm ausläuft und nur noch bereits genehmigte Vorhaben gefördert werden können, so Kruithoff. Der Spielplatz müsse also komplett durch Geld der Stadt saniert werden.

Meret Harms und Thorge Hellwig haben 2020 den Spielplatz am Stephansplatz für diese Zeitung getestet. Ihr Fazit: super, da kann man viel klettern. Foto: Hanssen/Archiv
Meret Harms und Thorge Hellwig haben 2020 den Spielplatz am Stephansplatz für diese Zeitung getestet. Ihr Fazit: super, da kann man viel klettern. Foto: Hanssen/Archiv

In Emden sind für 2024 noch zwei Maßnahmen durch den Fördertopf geplant und genehmigt: die Sanierung des Schwanenteichs für rund 1,3 Millionen Euro und die Anlage einer Kunstpromenade zwischen Kunsthalle und Bahnhofsplatz für 715.000 Euro.

Warum 400.000 Euro?

Angesichts dessen, dass der neue Burg-Spielplatz 450.000 Euro gekostet hat, erscheint die vorgeschlagene Summe für die Sanierung des Bereichs am Stephansplatz sehr hoch. Tim Kruithoff betonte, dass es ihm in erster Linie um einen Planungsauftrag durch die Politik ging. „Wir wollen erst mal nur wissen, ob wir rangehen können“, sagte er. Das dann bereitgestellte Budget werde nicht „auf den Kopf gehauen“, sondern geschaut, was man tatsächlich brauche, und der Rest nicht verwendet. Aber: Öffentliche Spielplätze müssten besonders hohen Ansprüchen genügen und viele Dinge für die Sicherheit bedacht werden. Der Spielplatz, so der Wunsch der Verwaltung, könnte außerdem inklusiver werden und für mehr Altersgruppen geeignet.

Der Stephansplatz bietet insbesondere im Sommer etwas für alle: Es gibt das Café Einstein, Live-Events auf der Bühne des Kultursommers und den Spielplatz, der links neben der Bühne liegt und hier nicht abgebildet ist. Foto: Hanssen/Archiv
Der Stephansplatz bietet insbesondere im Sommer etwas für alle: Es gibt das Café Einstein, Live-Events auf der Bühne des Kultursommers und den Spielplatz, der links neben der Bühne liegt und hier nicht abgebildet ist. Foto: Hanssen/Archiv

Ein Betrag von 400.000 Euro war außerdem bereits im Haushalt für 2024 veranschlagt, weil man im Sanierungsgebiet „Grünes Band“ noch die Hahn‘sche Insel vor der Kunsthalle mit einem Brunnen oder Ähnlichem ausstatten und den Theatervorplatz des Festspielhauses am Wall umgestalten wollte. Da diese Maßnahmen aber ebenfalls vom Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz abgelehnt wurden, könnte die Summe, die die Stadt für die Projekte beigesteuert hätte, anderswo verwendet werden, heißt es in der Beschlussvorlage.

Mit einem Seitenhieb an die Bundesregierung und die Schuldenbremse meinte Kruithoff: „Wir müssen weiter investieren, sonst zerbröselt uns das Land unter den Fingern weg.“

→ Zu einem Beschluss kam es im Ausschuss nicht. Es soll noch einmal in den Fraktionen beraten werden. Am 4. Dezember soll der Punkt wieder auf der Tagesordnung des nichtöffentlich tagenden Verwaltungsausschusses stehen, am 7. Dezember im öffentlichen Teil des Rats.

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