Osnabrück  EKD-Chefin Kirsten Fehrs: „Deshalb ist in diesem Jahr meine Weihnachtsstadt Osnabrück“

Kirsten Fehrs
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Von Kirsten Fehrs
| 23.12.2023 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beim Steckenpferdreiten erinnern Osnabrücker Schüler an die Verkündung des Westfälischen Friedens. Foto: Swaantje Hehmann
Beim Steckenpferdreiten erinnern Osnabrücker Schüler an die Verkündung des Westfälischen Friedens. Foto: Swaantje Hehmann
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Wie kann man sich der Weihnachtsbotschaft angesichts so viel Leid und Krieg annähern? Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, derzeit amtierende EKD-Ratsvorsitzende, wagt eine Erklärung – und blickt dabei auf Osnabrück.

Kirsten Fehrs ist amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck. Zu Weihnachten schreibt sie in diesem Gastbeitrag über die Weihnachtsbotschaft – und ihre Verbindung zu Osnabrück:

Es sind die zwei Engelworte, die die wichtigste Weihnachtsbotschaft aller Zeiten ausrufen: Fürchte dich nicht! Und: Friede auf Erden! Wohl selten zuvor wurde der kleine Friedefürst sehnlicher erwartet als in diesem Jahr. Gott soll kommen, jetzt, mit seiner ganzen Menschlichkeit, um der Hoffnung Beine zu machen. Mitten hinein in diese Zeit mit ihren Krisen und Kriegen, mit all ihrer Gewalt und dem furchtbaren Terror. Die Bilder davon gehen doch allen unter die Haut.

Ganz besonders berührt mich das Leid der Kinder. Wie schutzlos sie ausgeliefert sind! In den Tunneln der Hamas. Dem Elend in Gaza. Der Vertreibung in der Ukraine. Von Hermann Gmeiner, dem Gründer der SOS-Kinderdörfer, ist der Satz überliefert: „Alle Kinder dieser Welt sind unsere Kinder.“ Und ja: Kinder sind die Zukunft dieser Welt, und in diesem Sinne ist jedes Kind unser aller Kind. Was in der Kindheit geschieht oder eben nicht geschieht, hat Auswirkungen auf ein ganzes Leben. Wenn wir es nicht schaffen, die Kinder im Frieden und zum Frieden zu erziehen, können wir die Konflikte der Welt nicht dauerhaft befrieden.

Deshalb ist in diesem Jahr meine Weihnachtsstadt Osnabrück. Sie feiert auf ihren Straßen und Marktplätzen jedes Jahr unbeirrt ein Friedensfest. Mit Kind und Kegel, Friedenschor und Steckenpferd. Gewissermaßen schon im Oktober auf dem Weg zum Krippenkind. Ich durfte im 375. Jubiläumsjahr zum Westfälischen Frieden dabei sein, tief beeindruckt davon, wie es 1648 nach fast 30 Jahren grausamsten Krieges gelang, den gordischen Konfliktknoten zu lösen. Gesprächsfaden für Gesprächsfaden. Man war so unendlich müde des Krieges. Erschöpft davon zu sehen, was Menschen einander antun können. Und auch wenn es Jahre dauerte, der Friedensvertrag hielt über 100 Jahre. Heute sieht man die Kinder, wie sie mit Steckenpferden, ganz wie früher die Diplomaten, durch die Straßen reiten. Lauter kleine Friedensreiter, die uns Erwachsene mahnen, dass man den Frieden auf Trab bringen muss. Unbeirrt.

Weihnachten beginnt mit einem Kind – unendlich schützenswert und zerbrechlich. Ihm, mit seinen unabgelaufenen Füßen und seiner großen Zartheit, wird die Hoffnung der Welt in die Wiege gelegt. Und ausnahmslos alle dürfen zur Krippe kommen – voller Zuversicht, dass Gottes Friede Wirklichkeit werden kann. Deshalb bleibt für mich über alle Zeiten hin dies gültig: Fürchtet euch nicht – und Friede auf Erden!

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