Zukunft steht auf dem Spiel  Coats Opti in Rhauderfehn – Betriebsrat und Gewerkschaft „entsetzt“

Astrid Fertig
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Von Astrid Fertig
| 09.02.2024 10:08 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der neue Eigentümer Aequita, der das Opti-Werk an der 1. Südwieke im Herbst 2023 übernommen hat, verhandelt derzeit mit der IG Metall und dem Betriebsrat über die Zukunft des Standorts Rhauderfehn. Foto: Fertig
Der neue Eigentümer Aequita, der das Opti-Werk an der 1. Südwieke im Herbst 2023 übernommen hat, verhandelt derzeit mit der IG Metall und dem Betriebsrat über die Zukunft des Standorts Rhauderfehn. Foto: Fertig
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Die IG Metall und der Betriebsrat kämpfen um jeden Arbeitsplatz bei Coats Opti in Rhauderfehn. Erfahren Sie, welche Konsequenzen die neuen Pläne der Geschäftsführung für die Belegschaft haben könnten.

Rhauderfehn - Seit Jahresbeginn schon gärt es beim Reißverschlusshersteller Coats Opti an der 1. Südwieke. Es geht um Arbeitsplätze und um Gehälter. Doch jetzt sehen Belegschaft, Betriebsrat und die Gewerkschaft IG Metall die Zukunft des Werks in Rhauderfehn gefährdet, das seit den 60er Jahren an diesem Standort produziert.

Mitten in den laufenden Verhandlungen gingen Thomas Gelder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leer-Papenburg, und der Opti-Betriebsrat um dessen Vorsitzenden Marcel Taubert, am Donnerstag an die Öffentlichkeit.

Viele Mitarbeiter gewerkschaftlich organisiert

„Die Stimmung ist im Keller“, sagt Gelder. Belegschaft und Gewerkschaft seien besorgt wegen der Pläne, die die Geschäftsführung vorige Woche mitgeteilt habe. Mindestens 30 der insgesamt 141 Arbeitsplätze sollen demnach abgebaut werden. Das wurde der Belegschaft am Donnerstag vor einer Woche in einer ersten Betriebsversammlung mitgeteilt. Es könnte zeitnah eine zweite geben, kündigt Betriebsratsvorsitzender Taubert an.

Aktuell wird verhandelt. Der Austausch zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung läuft, wie es üblich ist, über die IG Metall. Opti sei gewerkschaftlich „sehr gut organisiert“, stellt Gelder fest. Jetzt fürchten viele der Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz.

Betriebsrat und Gewerkschaft „entsetzt“

Die Lage habe sich seit den vorherigen Besprechungen zugespitzt, erläutert der IG-Metall-Bevollmächtigte. Bisher sei es um den Abbau von Arbeitsplätzen gegangen. Jetzt sei die Geschäftsführung damit rübergekommen, dass sie auch den verbleibenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ans Portemonnaie wolle. Wie dieser Gehaltsverzicht genau aussehe, dazu seien zur Stunde noch keine Details bekannt, so Gelder. Klar sei nur: Es gehe den Angestellten ans Geld. „Das klingt schon sehr danach, als ob der verbleibende Rest der Mannschaft nochmal ordentlich bluten soll“, so formuliert es der Gewerkschaftsboss.

Der neue Eigentümer der Opti aus München, Aequita, hat sich nach Meinung des IG-Metallbevollmächtigten Thomas Gelder als Heuschrecke entpuppt. Foto: Fertig
Der neue Eigentümer der Opti aus München, Aequita, hat sich nach Meinung des IG-Metallbevollmächtigten Thomas Gelder als Heuschrecke entpuppt. Foto: Fertig

Alles passiere angeblich, um das Werk fit für die Zukunft zu machen, auch wenn man für 2024 von einem weiteren schlechten Geschäftsjahr ausgehe. So wolle man Verluste ausgleichen. „Betriebsrat und IG Metall sind entsetzt und in großer Sorge um den Standort Rhauderfehn“, macht Gelder deutlich. Der neue Inhaber, dem das Werk seit September 2023 gehört, habe sich als Heuschrecke entpuppt, ist sein Urteil.

Manager blieb nur einige Wochen

Im Herbst hatte der Münchner Finanzinvestor Aequita den Rhauderfehner Reißverschlusshersteller übernommen. Zuvor waren dessen Mitarbeiter mehr als ein Jahr in Kurzarbeit gewesen. Stellenkürzungen wurden damals nicht angekündigt. Daniel Reeg, der neue Geschäftsführer der Opti-Gruppe, hatte verkündet, man wolle das Werk „fit machen für die Zukunft“.

Blick in die Hallen des Reißverschlussherstellers Opti in Rhauderfehn: Seit Ende der 60er Jahre werden an der 1. Südwieke Reißverschlüsse produziert. Foto: Archiv
Blick in die Hallen des Reißverschlussherstellers Opti in Rhauderfehn: Seit Ende der 60er Jahre werden an der 1. Südwieke Reißverschlüsse produziert. Foto: Archiv

Neben dem Standort Rhauderfehn gibt es weitere Werke in Italien, Estland und der Türkei. Rhauderfehn wurde von der Aequita zum Hauptwerk ernannt. Der Investor setzte auf die Produktion des unsichtbaren, also verdeckten Reißverschlusses, wie er in Nobelmarken der Automobilbranche eingesetzt wird. Mehr Umsatz, mehr Kunden, weniger Kosten - damit hatte Reeg Aufbruchstimmung versprüht. Doch schon im November war der Manager gar nicht mehr da. Er hatte nicht nur den Standort Rhauderfehn verlassen, sondern sich gleich komplett von der Aequita getrennt.

Geschäftsführung äußert sich nicht

Zum neuen Geschäftsführer setzte Aequita in Rhauderfehn Ulrich Feindt ein. Der möchte mit dieser Zeitung offensichtlich nicht über die Zukunft des Unternehmens sprechen. Sie habe die Kontaktdaten weitergegeben, betonte die Büroleiterin. Das ist bereits vor einem Monat geschehen. Gemeldet hat sich niemand von der Geschäftsführung. Mehr könne sie nicht machen, bedauerte die Opti-Mitarbeiterin am Donnerstag.

Thomas Gelder spricht von einer schwierigen Situation. Nach der Übernahme habe der neue Eigentümer vollmundige Versprechungen gemacht, um nach Weihnachten die Katze aus dem Sack zu lassen.

Nächste Betriebsversammlung in Planung

„Wir verlangen eine Perspektive für die Zukunft“, sagt der IG-Bevollmächtigte. Von Standortsicherung und Beschäftigungssicherung rede die neue Führungsriege bisher überhaupt nicht. Ein Streik wäre eine Möglichkeit, den Unmut der Belegschaft deutlich zu machen. Doch soweit sei man noch nicht, betonte Gelder. Das könne jedoch in zwei Wochen schon anders sein.

Aktuell wird weiter verhandelt. An diesem Donnerstagnachmittag laufen weitere Diskussionen. Auch ein neuer Gesprächstermin soll vereinbart werden. „Wir sind voll in den Verhandlungen drin“, erklärte Betriebsratsvorsitzender Marcel Taubert. Der Betriebsrat werde zeitnah eine weitere Betriebsversammlung einberufen, „um die Kollegen auf Stand zu halten“. Möglicherweise bereits an diesem Freitag.

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