Serie „Fehntjer Geschichte(n)“ Auf dem Eiland bleibt das Schmiedefeuer kalt

| | 08.06.2024 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
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Die historische Schmiede auf dem Eiland von Westgroßefehn ist einsatzbereit. Es fehlt jedoch eine Gruppe Freiwilliger, die dem alten Handwerk hier neues Leben einhaucht. Foto: Ullrich
Die historische Schmiede auf dem Eiland von Westgroßefehn ist einsatzbereit. Es fehlt jedoch eine Gruppe Freiwilliger, die dem alten Handwerk hier neues Leben einhaucht. Foto: Ullrich
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Wo einst Landmaschinen hergestellt wurden, ruht jetzt meist der Hammer. Dabei ist alles da – Esse, Amboss und Werkzeuge. Enno Wiese hofft auf Unterstützung. Wer traut sich ran ans heiße Eisen?

Westgroßefehn - Es ist das alte Handwerk, das heute noch viele fasziniert. Das Fehnmuseum Eiland in Westgroßefehn hat mit der Gattersäge und der Schmiede daneben ein Pfund, mit dem es wuchern kann. Hier wird Museumsarbeit unter den Augen der Besucher lebendig. Blöd nur, dass das Schmiedefeuer an den Aktionstagen manchmal kalt bleiben muss. Enno Wiese ist Einzelkämpfer wider Willen: Allein kann er alle Termine einfach nicht stemmen – zumal der 33 Jahre alte Familienvater auch mit Begeisterung an der Gattersäge mitarbeitet. Der Land- und Baumaschinenmechanikermeister hat von Berufswegen Ahnung von der Metallverarbeitung – und hat sich daher der Schmiede angenommen. Aber das hat seine Grenzen, bedauert er: „Ich kann dem nicht immer gerecht werden.“

Enno Wiese hat ein Teil der Werkzeuge bereits aufgearbeitet und ersetzt. Foto: Ullrich
Enno Wiese hat ein Teil der Werkzeuge bereits aufgearbeitet und ersetzt. Foto: Ullrich

Museumschefin Kerstin Buss ist klar, dass es ohne ein Team langfristig mit der Schmiede nicht funktionieren kann. „Wir haben immer mal wieder versucht, jemanden zu finden“, erzählt sie. Ein Truppe wie die an der Gattersäge – das ist es, was der Vorsitzenden vorschwebt. „Gerade dieses Miteinander wird in der Regel gesucht.“ Aber die einzelnen Charaktere zu finden und für die Arbeit in der historischen Schmiede an Hammer und Amboss zu begeistern, ist offenbar gar nicht so leicht. In der „Schmiede Striek“ in Ostgroßefehn sieht es anders aus: Bodo Ley ist dort mit Begeisterung kreativ. Im Jahr 1898 hatte Andreas Striek die Schmiede an der Schleuse errichtet. In der Huf- und Wagenschmiede beschlug Striek Pferde und stellte landwirtschaftliche Geräte her.

Handwerkliches Geschick und Lernbereitschaft

Ley ist eigentlich gelernter Binnenschiffer im Ruhestand, doch er identifiziert sich mit dem Schmiedehandwerk und hat sich allerlei Fertigkeiten angeeignet. Auf seinem Amboss in der Museumsschmiede schmiedet er allerlei Kunsthandwerkliches. Mindestens 50 Paare geben sich jedes Jahr im Trauzimmer in „Strieks Huus“ das Ja-Wort. Auf Wunsch schmiedet Ley mit dem Brautpaar gemeinsam ein Hufeisen: Ganz im Sinne des Sprichwortes „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Ihr eigenes Glück können sich Interessierte auch auf dem Eiland schmieden: Auch hier ist die Voraussetzung, die jemand mitbringen muss, vor allem Spaß am Handwerk – und ein bisschen Zeit und Mut zur Geselligkeit. An den Aktionstagen des Museums an Sonn- und Feiertagen schürt Wiese ab 11 Uhr das Schmiedefeuer in der Esse. Wenn er es aber nicht schafft, übernimmt derzeit niemand diese Aufgabe.

Die Gattersäge befindet sich neben der Schmiede. Hier hat sich eine Truppe Freiwilliger zusammengetan, die sie unterhält und an den Aktionstagen im Museum anschmeißt. Hier sägt Karl-Heinz Weber einen Eichenstamm. Foto: Ullrich
Die Gattersäge befindet sich neben der Schmiede. Hier hat sich eine Truppe Freiwilliger zusammengetan, die sie unterhält und an den Aktionstagen im Museum anschmeißt. Hier sägt Karl-Heinz Weber einen Eichenstamm. Foto: Ullrich

Hilfreich wäre es, wenn ein Interessierter bereits Ahnung von der Metallverarbeitung hätte, findet Enno Wiese. „Der muss mit dem Hammer umgehen können.“ Ein gelernter Schmied muss es nicht sein. „Ich bin auch kein Schmied.“ Ein wenig handwerkliches Geschick aber dürfte nicht schaden. Das bringt Wiese definitiv mit. Er hat in der Schmiede beispielsweise bereits altes Werkzeug gereinigt und aufgearbeitet. Weitere Arbeiten aber stehen noch an. Sein Wissen werde er dabei gern weitergeben, sichert er zu. Auch Wiese hatte anfangs Unterstützung. Vereinsmitglied Ehme Meyer hat seine ersten Schritte begleitet. Wiese sagt: Vieles habe er sich zudem in Videos bei YouTube abgeschaut. „Letztes Mal habe ich ein Messer gemacht, aus einem alten Hufeisen.“

Jedes Dorf hatte mindestens eine Schmiede

Für Kerstin Buss ist vor allem die Lust aufs heiße Eisen entscheidend: „Es muss jemand sein, der Interesse am Schmieden hat. Dann kann er es erlernen.“ Wer den Museumsbesuchern dabei Details über die Geschichte des Schmiedens vermitteln möchte, kann dies gern tun. Aber auch Personen, die einfach still vor sich hinarbeiten wollten, seien willkommen. Das Reden könne auch jemand anderes aus dem Team der Freiwilligen übernehmen. Interessenten, so Buss, können an jedem ersten und dritten Mittwoch im Monat in die „Spreekstünn“ (Sprechstunde) kommen und so Kontakt zu den Mitgliedern des Museumsvereins aufnehmen. Die nächsten Termine sind der 19. Juni und der 3. Juli 2024.

Diesen Zangen sieht man ihr Alter deutlich an. Foto: Ullrich
Diesen Zangen sieht man ihr Alter deutlich an. Foto: Ullrich

Um 1900 spätestens soll die Schmiede neben der Gattersäge auf dem Eiland errichtet worden sein. Mindestens eine Schmiede gab es damals noch in jedem Dorf: In Ostgroßefehn neben der Schmiede Striek die Schmiede Saathoff, in Westgroßefehn die Schmiede Mork. Auch im Umfeld jeder Werft – auch die gab es um 1900 auf dem Eiland – fand man stets eine Schmiede. Hier wurden die Metallteile wie Vierkant-Stahlnägel geschmiedet, die zur Verbindung der Holzplanken gebraucht wurden. Im Jahr 1912 kaufte der Schmied Hinrich Brunken Gattersäge und Schmiede auf dem Eiland. Fortan wurde auf dem Sägegatter Material für den Bau von landwirtschaftlichen Maschinen wie Dreschmaschinen oder Bauernmühlen hergestellt. Die Metallteile dafür wurden in der Schmiede bearbeitet.

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