Oslo  Skandinavien im Visier: Norwegen und Schweden verdächtigen Russland hinter Sabotageakten

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 28.08.2024 08:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der norwegische Inlandsgeheimdienst PST warnt Kriminelle Sabotage Aufträge von Seiten Russlands anzunehmen. Foto: IMAGO / NTB
Der norwegische Inlandsgeheimdienst PST warnt Kriminelle Sabotage Aufträge von Seiten Russlands anzunehmen. Foto: IMAGO / NTB
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Russland im Visier: Sabotierte Infrastruktur, bedrohliche Entgleisungen und beschädigte Seekabel setzen Norwegen und Schweden unter Druck. Geheimdienstchefs warnen vor verdeckten Operationen, meist über unscheinbare Kommunikationswege arrangiert.

Norwegen sieht sich durch Hybridmaßnahmen aus Russland herausgefordert, darum trat die Geheimdienstprominenz des Landes diese Woche mahnend vor die heimischen Mikrophone: Beate Gangas, die Chefin des norwegischen Inlandsgeheimdienstes PST warnte die Kriminellen ihres Landes davor, Sabotage- Aufträge aus Russland anzunehmen.

Die norwegische Halbwelt würden über Messengerdienste und Soziale Medien angesprochen, oft wüssten die Adressaten nicht, wer der Auftraggeber ist. „Der Vorteil für die Russen besteht darin, dass die Taten leichter zu leugnen sind und russische Agenten nicht direkt an Sabotage- und Einflussoperationen beteiligt sind.“ so Nils Andreas Stensönes, Chef des Nachrichtendienstes des norwegischen Militärs, der den russischen Militärgeheimdienst GRU als Auftraggeber bezichtigt.

Auf der anderen Seite ließen sich kriminelle Organisationen in ihren Aktivitäten nicht mehr kontrollieren. Mit unvorhersehbaren Folgen. Mehrere Fälle würden derzeit untersucht. Anfang 2022 wurde ein Seekabel zu der Insel Spitzbergen vermutlich durch ein russisches Schiff beschädigt. Auf der Strecke der Erzbahn, die vom schwedischen Kiruna Eisenerz an den nordnowegischen Hafenort Narvik führt, kam es im Winter zu zwei Entgleisungen.

Auch der schwedische Inlandsgeheimdienst Säpo verdächtigt hier Russland. Und zuletzt, in der vergangenen Woche, wurde ein Kabel des Militärflughafens bei Narvik durchtrennt. Allgemein gab es in Europa nach der russischen Invasion in die Ukraine mehrere Vorfälle, hinter der russische Dienste stecken könnten. Zu nennen ist der Großbrand bei dem Diehl-Rüstungskonzern in Berlin, mehrere Brände in Polen, wo bereits polnische Hooligans via Telegram angeheuert würden. In Finnland kam es im Sommer zu mehreren Einbrüchen in Wasserkraftwerken, welche bedeutend für die Energieversorgung des wasserreichen Landes sind.

Skandinavien gilt als einer der Regionen in Europa, wo Russland deutlich aggressiver auftritt. Dies steht auch mit der Entscheidung Finnlands und Schweden in Verbindung, der NATO beizutreten. Nach einer Recherche der Öffentlich-rechtlichen Sender Dänemarks, Schwedens, Norwegens und Finnlands vom vergangenen Jahr wären dort die Botschaften der Russischen Föderation zu einem Drittel mit Agenten besetzt.

Die Sender fanden zudem heraus, dass Russland mittels Trawlern, Schiffen für die Hochseefischerei, Pipelines, Datenkabel und Offshore-Windkraftanlagen in nordeuropäischen Gewässern kartographieren und untersuchen würden. Skandinavische Militärs befürchten, dass Russland in einem Konfliktfall die Infrastruktur mit Sabotageakten zerstören könnten. Lange konnte Norwegen, NATO-Mitglied der ersten Stunde, relativ gute Beziehungen zum östlichen Nachbarn Sowjetunion / Russland pflegen, mit dem es eine knapp 200 Kilometer lange Landgrenze teilt.

Doch auch hier nahmen und nehmen die Spannungen zu. So ließ Norwegens Regierung unter Jonas Gahre Större im vergangenen Jahr 15 russische Diplomaten ausweisen. Norwegens Gas und Ölressourcen ersetzen die ausgefallenen Lieferungen aus Russland. Darum haben Norwegens Dienste ein besonderes Auge auf den Energiesektor. Ein besonderes Auge hingegen wirft die Russische Föderation auf die arktische Inselgruppe Spitzbergen, wo seit fast hundert Jahren Kohle unter der Regie Moskaus abgebaut wird. Dies erlaubt der Spitzbergenvertrag von 1920, wonach jede Nation dort wirtschaftlich tätig sein darf.

Auf dem strategisch bedeutsamen wie entmilitarisierten norwegischen Archipel, wo auch Bodenschätze schlummern, will Russland zusammen mit China seinen Einfluss erweitern. China erhebt seit Jahren offensiv Ansprüche in der Arktis. Gegen den Willen der norwegischen Regierung soll in einer aufgegebenen russischen Bergarbeitersiedlung ein internationales Kultur- und Forschungszentrum in Kooperation mit einigen weiteren BRICS-Staaten (China, Indien,Iran und die Vereinigten Arabische Emirate) errichtet werden.

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