Schicksal eines Wiesmoorers  Erst kam der Krebs und jetzt droht die Zwangsräumung

| | 08.11.2024 16:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Torsten Möller mit Marktleiterin Ilona Beyen im Dorfladen in Strackholt. Hier fühlt sich Möller so wohl, dass er trotz seiner Krankheit immer wieder herkommt. Bis zur Krankschreibung war er die einzige Vollzeitkraft des Ladens. Foto: Böning
Torsten Möller mit Marktleiterin Ilona Beyen im Dorfladen in Strackholt. Hier fühlt sich Möller so wohl, dass er trotz seiner Krankheit immer wieder herkommt. Bis zur Krankschreibung war er die einzige Vollzeitkraft des Ladens. Foto: Böning
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Wegen der steilen Treppe wollte Torsten Möller längst umziehen. Etwas Passendes zu finden, ist in Wiesmoor aber schwer. Dann bekam er die Krebsdiagnose und die Wohnungskündigung. Jetzt drängt die Zeit.

Wiesmoor - Es fing an mit Nasenbluten. Dann kamen ein paar Tage später diese unglaublichen Bauchschmerzen. „Ich habe alle möglichen Medikamente aus der Apotheke ausprobiert, nichts hat geholfen“, sagt Torsten Möller und fügt hinzu: „Zum Glück, muss man sagen.“ Denn wenn er an diesem Tag nicht mit dem Rettungswagen in das Krankenhaus nach Westerstede gekommen wäre, hätte er wohl bis heute nichts von seinem Krebsleiden erfahren. Wenn er überhaupt noch leben würde.

CT und Ultraschall brachten ans Licht, was in seinem Körper heranwuchs: der Tumor in seinem Bauch und die Metastasen an der Leber. Das war am 22. April 2024. Zwei Tage später wurde Möller operiert. Er schiebt den Pullover hoch und zeigt die riesige Narbe längs über seinen Bauch. Seitdem ist er krankgeschrieben und bekommt eine Chemotherapie. „Der Krebs ist unheilbar“, sagt Möller. „Aber ich habe meinen Frieden damit gemacht.“

Bis Ende November muss das Paar die Wohnung verlassen

Während der 59-Jährige in seinem Wohnzimmer von diesem einschneidenden Erlebnis erzählt, sitzt seine Lebensgefährtin im Sessel neben ihm und tupft sich die Tränen aus den Augen. „Dass du das immer so sagen musst“, beschwert sie sich. Dann erzählen beide, von den gesundheitlichen Einschränkungen und wie schwer es ist, über die steile Treppe in die Wohnung zu kommen. „Wir suchen schon lange eine Wohnung im Erdgeschoss in Wiesmoor“, sagt Torsten Möller. „Wir haben auch schon einige Wohnungen angesehen, aber es hat bisher nicht geklappt.“

„Das Problem ist, dass die Wohnung groß genug für uns beide sein sollte, aber auch nicht so teuer. Schließlich sollte meine Lebensgefährtin sie nach meinem Tod auch noch bezahlen können“, sagt Möller. An die Zeitung hat er sich gewandt, weil dem Paar die Zeit wegläuft – nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Im März kündigte der Vermieter ihnen die Wohnung. Bis Ende November müssen sie raus sein. „Wenn wir nichts finden, sitzen wir bald auf der Straße“, sagt Möller.

Der Rechtsstreit um die Wohnungsgröße

Dann erzählt das Paar von dem Rechtsstreit mit dem Vermieter. Der drehte sich um die eine Mieterhöhung im Jahr 2022 aufgrund einer angeblich bis dahin zu klein bemessenen Wohnung. 68,54 Euro sollte das Paar mehr zahlen und sah es nicht ein. Der Streit ging vor das Amtsgericht, dann vor das Landgericht. „Als der Prozess losging, hat unser Vermieter uns zum ersten Mal gekündigt“, sagt Möller. „Am Ende haben wir verloren und stehen auch dazu.“

Seitdem zahlen sie die höhere Miete und stottern die noch offenen Mietzahlungen ab, so wie es geht. „Ich bekomme mittlerweile Krankengeld“, sagt Möller. Viel übrig ist deshalb dafür nicht mehr. „Wir wohnen seit 13 Jahren hier, damals war um uns herum noch alles Wiese und wir hatten Pferde hinter dem Haus. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen und immer pünktlich bezahlt.“ Aber die Sache mit der Mieterhöhung wollte das Paar nicht hinnehmen. Nach dem Prozess kam dann die zweite Kündigung.

Der Vermieter droht mit Zwangsräumung

„Eigentlich wollten wir schon längst raus sein, weil es mit den Treppen einfach nicht mehr geht“, sagt Möller. Was er sich wünscht: einfach noch ein wenig Zeit. Doch die Situation mit dem Vermieter ist schwierig. Schon lange haben beide Seiten nicht mehr miteinander gesprochen. Es liegt Wut in der Luft. Beide Seiten schimpfen übereinander. Die eine Seite über fehlende Instandhaltung und Lügen, die andere Seite über Beschimpfungen. Nur reden, können sie nicht miteinander. Keiner tut den ersten Schritt.

„Es ist so viel passiert, dass ich nicht von dem Termin abrücken werde“, sagt der Vermieter aus Wiesmoor, der anonym bleiben möchte. Zur Not würde er das Paar mit einer Räumungsklage aus dem Haus werfen. Bei einem Hinweis auf die schwierige Situation und die Krankheit wird er nachdenklich, bleibt aber hart: „Die Sache liegt beim Anwalt, ich hab das abgegeben. Da kann ich nichts machen.“

Die Zeit wird also knapp. Möllers Kolleginnen im Dorfladen in Strackholt wissen von seinem Problem. Wenn es seine Krankheit zulässt, besucht er seinen alten Arbeitsplatz noch immer regelmäßig. Nichts zu tun zu haben fällt Möller schwer. Vor vier Jahren wurde er vom Jobcenter hierher vermittelt und war bis zu seiner Krankschreibung im April die einzige Ganztagskraft im Laden. „Torsten fehlt uns nicht nur als Arbeitskraft, sondern auch als Mensch“, sagt Marktleiterin Ilona Beyen. „Hier kennen mich die Leute. In Strackholt würden wir bestimmt schnell eine Wohnung finden“, sagt Möller. Das Problem: Seine Partnerin hat keinen Führerschein und möchte deshalb in der Nähe der Tochter in Wiesmoor wohnen bleiben. Das macht die Situation schwierig. Doch Möller hofft weiter: „Vielleicht findet sich ja jemand, der uns helfen kann.“

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