Osnabrück Die kleine Geste der Deeskalation: Was bedeutet die Redewendung „Nichts für ungut“?
Klare Kante mag gut sein - aber nicht für alles. Wer verbal immer nur blank zieht, verletzt andere, lässt Missstimmungen zurück. Dabei gibt es eine Redewendung, die wie eine Zauberformel der Deeskalation wirkt.
Nichts für ungut, aber ich mag Menschen nicht, die diese Redewendung nicht in ihrem Repertoire haben. Ich meine, diesen Ausspruch immer seltener zu hören. Dabei wäre er gerade heute hilfreich, in einer Alltagswelt, in der Gereiztheit dominiert und Rücksicht auf andere immer weniger zu beobachten ist.
Ich habe den Eindruck, dass vielen Menschen auch nicht mehr ganz klar ist, was der Spruch eigentlich bedeutet. Nichts für ungut: Wer nicht genau weiß, was damit gemeint ist, verliert auch die Sicherheit, diesen Ausdruck zu verwenden und ihn in Lebenssituationen so einzufügen, dass er hilfreich wirken kann.
Dabei kann man diese Redewendung gar nicht hoch genug schätzen. Nichts für ungut: Diese knappe Wendung funktioniert als verbalisierte Deeskalation, die mögliche Konflikte entschärft, bevor sie sich überhaupt zuspitzen können. Oft hilft der Spruch, bei einem Abschied klarzustellen, dass nichts zurückbleiben soll, kein Missverständnis, kein Groll.
Die Redewendung ist übrigens nichts weiter als ein verknappter Imperativ: Sehen Sie nichts von dem, was ich gesagt habe, für ungut, also für schlecht oder negativ gemeint an. Nichts für ungut: Diese Kurzformel meint also nichts Anderes, als dass eine Bemerkung oder Aussage nicht übel gemeint war.
Wer zuvor Klartext gesprochen oder deutliche Kritik geäußert hat, kann die Wirkung seiner Worte abschwächen, wenn er anfügt: Nichts für ungut. Der Andere soll sich also nicht gekränkt oder zurückgesetzt fühlen. Es war nicht so gemeint! Nehme es mir nicht übel! Diese Formulierungen entsprechen der Redewendung: Nichts für ungut!
Ich mag diesen Spruch sehr. Nichts für ungut: Mit dieser kurzen Formel lässt sich verhindern, dass zwei Menschen im Zwist auseinandergehen oder eine Misshelligkeit zurückbleibt. Wer diese Redewendung verwendet, der lenkt ein, nimmt sich selbst etwas zurück, baut eine kleine Brücke der Verständigung.
Wäre das nicht das Ziel – mit anderen Menschen auch nach einer Kontroverse oder Streitigkeit nach Möglichkeit im Guten zu verbleiben? Deshalb: Nichts für ungut!