Hannover  AfD will in Niedersachsen über 20 Prozent holen – aber Windräder sollen stehen bleiben

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 15.01.2025 11:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Pressesprecher frank Horns, Spitzenkandidat Dirk Brandes, Generalsekretär Jens-Christoph Brockmann und Fraktionschef Klaus Wichmann (v.l.n.r.). Foto: Jonas E. Koch
Pressesprecher frank Horns, Spitzenkandidat Dirk Brandes, Generalsekretär Jens-Christoph Brockmann und Fraktionschef Klaus Wichmann (v.l.n.r.). Foto: Jonas E. Koch
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Social Media, Marktplatz-Wahlkampf und die Optik von Alice Weidel: Niedersachsens AfD-Spitzenkandidat Dirk Brandes und die Parteispitze erklären, wie sie bei der Bundestagswahl mehr als 20 Prozent der Stimmen gewinnen wollen.

Eigentlich hatte die niedersächsische AfD die anwesenden Journalisten in ihren Fraktionssaal im Landtag eingeladen, um ihnen ihre Strategie für die anstehende Bundestagswahl vorzustellen. Weil Parteiveranstaltungen aber nicht in Fraktionsräumen abgehalten werden dürfen, wurde der Veranstaltungsort nach einer Presseanfrage der Redaktion kurzfristig noch verlegt.

Spitzenkandidat Dirk Brandes, dem zu Beginn der Wahlkampf-Slogan „Zeit für Deutschland“ entfallen zu sein schien, will in Niedersachsen mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen gewinnen. Ihr bislang bestes Ergebnis holte die Partei in Niedersachsen bei der Europawahl im vergangenen Jahr und kam damals auf 15,9 Prozent. Nun will die Partei „nochmal eine Schippe drauflegen“. Mit Spitzenkandidatin Alice Weidel sei die Partei nicht nur inhaltlich, sondern „auch optisch gut aufgestellt“.

Thematisch will sich die Partei vor allem auf die aktuell schlechte Wirtschaftslage und die Innere Sicherheit fokussieren. Der Spitzenkandidat zählt eine ganze Reihe von „Wenden“ auf, die die Partei ablehnt: Klimawende, Verkehrswende, Agrarwende.

„Mit mir bekommen Sie auch eine Wende“, verspricht Brandes, der „den Staatsinterventionismus beenden“ will. Der argentinische Präsident Javier Milei sei zwar charakterlich sicher ungewöhnlich, so Brandes in Anlehnung an FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner, der dem Land Anfang Dezember „mehr Milei“ empfohlen hatte. „Aber der Ansatz ist mit Sicherheit nicht der falsche.“

Die Bundespartei habe erhebliche Mittel für einen Wahlkampf auf Social Media in die Hand genommen, berichtet der Parlamentarische Geschäftsführer Jens-Christoph Brockmann. Eine beauftragte Agentur kümmere sich nun darum.

Doch nicht nur im Internet, sondern auch auf den Marktplätzen will die AfD mit Veranstaltungen und Infoständen präsent sein. Natürlich habe beispielsweise die CDU um ein Vielfaches mehr Mitglieder, gibt Fraktionschef Klaus Wichmann zu. So könne die Konkurrenz eine breitere Präsenz in der Fläche erzeugen. Doch die AfD wächst: 500 Mitgliederanträge gebe es aktuell, bei rund 5000 Mitgliedern. Die neuen Mitglieder „wollen sich aktiv einbringen“ und „bekennen sich auch aktiv zur AfD“, berichtet Brandes.

„Viele Menschen bevorzugen eine schwarz-blaue Koalition“, sagte Fraktionschef Wichmann. Zwar schließen alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD aus, doch der Fraktionschef gibt sich gelassen: „Warten wir mal ab.“ Kontakte zur Union gebe es aber nicht: „Wir drängen uns nicht auf, die CDU muss auf uns zukommen.“

Die Partei sei im Wahlkampf geschlossen, bekräftigt Wichmann. Doch in einem Punkt widersprach die niedersächsische Parteispitze der Spitzenkandidatin Alice Weidel. Die hatte beim AfD-Bundesparteitag im sächsischen Riesa versprochen: „Wenn wir am Ruder sind, reißen wir alle Windkraftwerke nieder. Nieder mit diesen Windmühlen der Schande!“

Die niedersächsische AfD sieht das anders: Es sei „ökonomisch völlig sinnlos“, bestehende Windräder abzureißen, erklärte Spitzenkandidat Brandes. „Natürlich wird im Wahlkampf überspitzt.“ Wenn die Laufzeiten der Anlagen ausliefern, wolle man sie nach Möglichkeit aber nicht verlängern.

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