Strafgefangener erschossen  Denkmal erinnert an Ermordung von Emil Walter Köster in Ihrhove

Carsten Ammermann
|
Von Carsten Ammermann
| 27.03.2025 07:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auf dem evangelisch-reformierten Friedhof in Ihrhove soll ein Denkmal aufgestellt werden, das an den ermordeten Strafgefangenen Emil Walter Köster erinnern soll. Foto: Ammermann
Auf dem evangelisch-reformierten Friedhof in Ihrhove soll ein Denkmal aufgestellt werden, das an den ermordeten Strafgefangenen Emil Walter Köster erinnern soll. Foto: Ammermann
Artikel teilen:

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 18. April 1945, wurde der Strafgefangene Emil Walter Köster von zwei Wachleuten aus Westoverledingen erschossen. Ein Denkmal erinnert an sein Schicksal.

Ihrhove/Westoverledingen - Zwei Jahre lang hatte der Ihrhover Heimatforscher Hermann Adams recherchiert. Im Oktober 2018 brachte Adams dann ein Buch über den gewaltsamen Tod des Strafgefangenen Emil Walter Köster heraus. Köster war kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, am 18. April 1945, von zwei Wachleuten aus Westoverledingen auf dem Ihrhover Friedhof erschossen worden. Auf den Tag genau 80 Jahre später, am 18. April 2025, soll auf dem evangelisch-reformierten Friedhof an der Ihrener Straße ein Denkmal für Emil Walter Köster eingeweiht werden. Mit dem Denkmal soll an das Schicksal des Ermordeten erinnert werden.

In der Nähe dieses Schuppens auf dem Ihrhover Friedhof am Randes des Rennschlootes soll der Strafgefangene Emil Walter Köster erschossen worden sein. Foto: Ammermann
In der Nähe dieses Schuppens auf dem Ihrhover Friedhof am Randes des Rennschlootes soll der Strafgefangene Emil Walter Köster erschossen worden sein. Foto: Ammermann

Das Außergewöhnliche: Die Nachkommen eines der beiden Täter hatten sich im vergangenen Jahr an die Gemeinde Westoverledingen gewandt, um gemeinsam mit der Kommune einen Ort zu schaffen, der an die grauenvolle Tat erinnern soll. „Wir haben erfahren, dass unser Opa und Uropa Esdert Veenhuis gemeinsam mit einem anderen Mann an einer sehr grausamen Tat beteiligt war. Am 18. April1945 töteten die beiden Männer den kranken, halb verhungerten und zerschundenen Häftling Emil Walter Köster in Ihrhove. Dieser Häftling war ungefähr eine Woche im Spritzenhaus in Ihrhove gefangen gehalten worden. Einige Dorfbewohner versorgten ihn medizinisch und gaben ihm zu Essen und zu Trinken, andere haben ihm seine Knochen gebrochen. Dann wurde Emil Walter Köster - wir wissen nicht, auf wessen Befehl hin - von unserem Opa und dem anderen Mann abgeholt, auf eine Karre gehievt, weil er nicht mehr laufen konnte, in aller Öffentlichkeit durchs Dorf zum Friedhof geschoben, dort erschossen und verscharrt“, sagte Heidemarie Veenhuis-Freitag im Namen der Nachkommen gegenüber dieser Zeitung. Sie fragt sich, wie grausam damals der Krieg auch in den Köpfen der Menschen gewütet haben muss. „Wie entsetzlich sind Gesellschaften, in denen Menschen - Juden, Sinti, Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Christen, Pazifisten - und Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und unterschiedlicher sexueller Orientierung ihre Menschlichkeit abgesprochen wird?“, so Veenhuis-Freitag.

Vor sieben Jahren, im Oktober 2018, stellte der Ihrhover Heimatforscher Hermann Adams das Buch vor, in dem es auch um die Ermordung des Strafgefangenen Emil Walter Köster geht. Foto: Ammermann/Archiv
Vor sieben Jahren, im Oktober 2018, stellte der Ihrhover Heimatforscher Hermann Adams das Buch vor, in dem es auch um die Ermordung des Strafgefangenen Emil Walter Köster geht. Foto: Ammermann/Archiv

Die Hintergründe der Ermordung

In seiner Dokumentation „Erschossen am 18. April 1945 in Ihrhove – Westoverledingen“ beschreibt der Heimatforscher Adams, wieso Köster in Haft kam. Emil Walter Köster wurde am 15. Juni 1908 in Bremen geboren. Am 1. Juni 1941 war sein Dienstantritt bei der Wehrmacht. Köster wurde am 1. Februar 1942 festgenommen, ihm wurde Unzucht unter Männern vorgeworfen. Am 15. Februar 1942 wurde der Bremer zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Aufgrund einer weiteren Tat wurde Köster erneut verurteilt. Die Strafe: 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus. Köster wurde am 13. Oktober 1944 zum Straflager nach Esterwegen gebracht. Der Bremer floh während eines Gefangenentrecks. Er wurde später aufgegriffen und im Spritzenhaus in Ihrhove mehrere Tage lang eingesperrt. Am 18. April 1945 wurde er dann von zwei Wachmännern abgeholt und auf dem Friedhof erschossen.

Die Nachkommen des Täters weisen darauf hin, dass es in Westoverledingen Denkmäler gibt, die an die ehemaligen Einwohner erinnern, die im Ersten und im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. „In Ihrhove befindet sich auch ein Denkmal für die ehemaligen jüdischen Mitbewohner, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Unserer Meinung nach fehlt jedoch eine Erinnerung an Walter Emil Köster, der im April 1945 auf dem Friedhof von Ihrhove von ,normalen‘ Dorfbewohnern getötet wurde. Walter Emil Köster eine Gedenktafel zu widmen und auf dem Friedhof, nahe der Stelle, wo er getötet wurde, aufzustellen, scheint uns die richtige Art zu sein, an diesen Mann zu erinnern und um sein Schicksal zu trauern“, führte Veenhuis-Freitag aus.

Nach Auskunft von Westoverledingens Bürgermeister Theo Douwes entstand nach der Kontaktaufnahme durch die Familie eine kontruktive Zusammenarbeit zwischen den Nachkommen des Wachmannes, der reformierten Kirche Ihrhove, Heimatforscher Hermann Adams, Bürgermeister Theo Douwes, Kirsten Beening, Verwaltungsmitarbeiterin und Pressesprecherin der Gemeinde, und dem Leeraner Bildhauer Gerd Christmann, der die Pläne für das Denkmal umgesetzt hat.

„Taten erscheinen aus heutiger Sicht barbarisch“

Douwes hob hervor, dass Adams mit seinem Buch „Erschossen am 18. April 1945 in Ihrhove - Westoverledingen“ die Hintergründe der Ermordung des Strafgefangenen Köster erforscht habe. „Der Tod von Walter Köster gibt Aufschluss darüber, wie die Machtstrukturen der NS-Zeit Menschen verändert haben. Wie eine Mischung aus Machtausübung, Angst und Befehlsgläubigkeit zu Taten geführt haben, die aus heutiger Sicht barbarisch erscheinen“, sagte der Verwaltungschef.

Eine Dokumentation und eine fiktive Erzählung

Der Ihrhover Heimatforscher Hermann Adams hat im Oktober 2018 ein Buch mit dem Titel „Erschossen am 18. April 1945 in Ihrhove – Westoverledingen“ über das Schicksal des Strafgefangenen Emil Walter Köster geschrieben. Herausgekommen ist eine 70 Seiten umfassende Dokumentation über den Bremer Köster, der von zwei aus Westoverledingen stammenden Aufsehern der emsländischen Strafgefangenenlagern auf dem Friedhof in Ihrhove erschossen worden ist. Wissenschaftlich begleitet wurde Autor Adams bei seinen Recherchen und beim Schreiben des Buches von Dr. Paul Weßels, dem damaligen Leiter der Landesbibliothek der Ostfriesischen Landschaft in Aurich.

Es gibt noch eine „fiktive Rekonstruktion“, die sich mit der Ermordung von Emil Walter Köster beschäftigt. Sie stammt von Bodo Pickenpack und ist unter dem Titel „Todesursache Ermordung“ unter anderem auch auf der Internet-Seite der Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft zu finden.

Sebastian Schatz, Pressesprecher der Landschaft, machte auf Nachfrage dieser Zeitung deutlich, dass sich die Veröffentlichung von Bodo Pickenpack „Todesursache: Erschossen“ an belegten Rahmendaten orientiert und versucht, die historischen Ereignisse gut lesbar – aber auf fiktive Weise – nachzuerzählen. „Sie ist deshalb bewusst nicht unter der Rubrik der wissenschaftlichen Einzelpublikationen veröffentlicht worden. Es lässt sich für uns nicht sagen, welche der Angaben aus dem Werk den historischen Tatsachen entsprechen und welche nicht“, so der Pressesprecher.

Die Gemeinde Westoverledingen, die Kirchengemeinde und die Nachkommen des Wachmannes Esdert Veenhuis laden für Karfreitag, 18. April 2025, um 14 Uhr zur offiziellen Einweihung des Denkmals für den erschossenen Strafgefangenen Emil Walter Köster auf dem evangelisch-reformierten Friedhof in Ihrhove an der Ihrener Straße ein.

Ähnliche Artikel