Osnabrück Kulturkämpfer gegen das Gendern: Was mich gerade an Wolfram Weimer stört
Das hat gefühlt keine fünf Minuten gedauert: Kulturstaatsminister Wolfram Weimer macht Front gegen die Gendersprache. Aber warum setzt er in der Kultur auf Konfrontation statt auf Vermittlung?
Kulturminister oder doch lieber Kulturkämpfer? Wolfram Weimer scheint sich entschieden zu haben. Der bekennende Konservative hat den Kämpfer in sich entdeckt. Seit seinem Amtsantritt als Kulturstaatsminister sendet er Botschaften an die Kulturszene, die nur eines zeigen – wie fremd sie ihm offenbar ist. Sein jüngster Giftpfeil: Er legt Kulturhäusern nahe, auf Gendersprache zu verzichten. Und droht kaum verhüllt damit, dass im Weigerungsfall Zuwendungen gefährdet sein könnten. Ein Unding.
Wolfram Weimer hatte bereits im eigenen Haus das Gendern untersagt. „Es geht dabei um eine gemeinsame Verantwortung für die Verständlichkeit staatlich geförderter Kommunikation“, zitiert ihn die Deutsche Presse-Agentur. Inzwischen hat er das Verdikt ausgeweitet, auf alle Institutionen, die mit öffentlichen Mitteln arbeiten. Sternchen, Doppelpunkte oder Unterstriche, all das gefällt Weimer nicht.
Man muss kein Politiker der Grünen sein, um aus Weimers Statement die latente Drohung herauszuhören. Wer nicht spurt, der spürt die harte Hand. Wenn es um Kulturhäuser geht, scheint ausgerechnet der zuständige Minister an der Widerspenstigen Zähmung zu denken. Ein sonderbares Verhältnis zum Kulturbetrieb und zur Kunstfreiheit, finde ich.
Ich verstehe das Anliegen, mit einer gendergerechten Sprache für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft sorgen zu wollen. Ihre Verwendung sehe ich gleichwohl skeptisch. Die Position des Rates für deutsche Rechtschreibung zur Gendersprache ist für mich nachvollziehbar. Vorschriften in dieser Sache halte ich für problematisch, ganz gleich wie sie ausfallen.
Wolfram Weimer macht jetzt selbst, was Konservative der angeblich so linken Kulturszene gern vorwerfen – er übt sich in Cancel Culture. Er wirkt wie ein Funktionsträger, der seinen Amtsantritt gar nicht abwarten konnte, um sofort Verbote zu erlassen. Das ist in der Politik generell kein guter Stil. Im Kontext der Kultur beschädigt er mit seinem Verhalten jene guten Beziehungen, auf die er angewiesen ist, um gerade als Neuling in der Szene wirken zu können.
Mich stört dabei vor allem, dass er mit seinen Gendererlassen der obsessiven Haltung Donald Trumps zur Kultur gefährlich nahekommt. Wenn mir sein Programm nicht passt, entziehe ich dem Kulturhaus eben die Mittel. Oder übernehme es gleich selbst. Trumps Willkürakte gegenüber Kulturhäusern wie dem Kennedy-Center oder renommierten Universitäten liefern gefährliche Vorbilder für Rechtspopulisten überall auf der Welt.
Ich setze darauf, dass Wolfram Weimer klug und gebildet genug ist, um sich von solchen autokratischen Anwandlungen fern zu halten. Mit seinem Bekenntnis zum Bauhaus etwa hat er ja schon gezeigt, dass er klare Positionen für die freie Kultur zu beziehen weiß – klare Kante gegen die AfD und ihren rabiaten Kulturkampf inklusive.
Seine Äußerungen zur Gendersprache finde ich weniger glücklich. Mit ihnen verwandelt sich der Kulturminister in einen Kulturkrieger. Er sollte aber das Gegenteil sein: ein Vermittler, der vor allem hilft, dass die Kultur ein Raum des Diskurses und des guten Austausches auch kontroverser Positionen bleibt. Die zerspaltene Gesellschaft kann ein solches Areal bestens gebrauchen.