Nahost „Kampfgebiet“ - Erste Schritte für Offensive auf Stadt Gaza


In der Stadt Gaza leben Hunderttausende Menschen. Die israelische Armee intensiviert die Angriffe auf die Stadt - trotz eindringlicher Warnungen.
Die israelische Armee treibt die geplante Einnahme der Stadt Gaza weiter voran. Das Militär habe erste Schritte seiner Offensive auf die im Norden des abgeriegelten Gazastreifens gelegene Stadt eingeleitet, teilte Sprecher Avichai Adraee auf X in arabischer Sprache mit.
Die Armee gehe „mit großer Intensität“ in den Außenbezirken der Stadt vor. Die Rede war von „vorbereitenden Einsätzen“. Zugleich bargen israelische Einsatzkräfte im Gazastreifen die sterblichen Überreste zweier Geiseln.
Israel plant, die Stadt Gaza einzunehmen, in der sich Schätzungen zufolge noch rund eine Million Menschen aufhalten. Sie sollen nach dem Willen der israelischen Führung in den Süden umquartiert werden.
Vor wenigen Tagen hatte Adraee bereits mitgeteilt, dass die Vorbereitungen für die Evakuierung der Stadt liefen. Es seien Vorkehrungen für die Einrichtung humanitärer Hilfszentren getroffen und Zelte geliefert worden. „Die Evakuierung der Stadt Gaza ist unvermeidlich“, hieß es.
Armee: Stadt Gaza ist „gefährliches Kampfgebiet“
Das Militär stufte die Stadt Gaza nun außerdem als „gefährliches Kampfgebiet“ ein. Eine taktische Kampfpause, die eigentlich zwischen 10.00 und 20.00 Uhr Ortszeit Hilfslieferungen für die notleidende palästinensische Bevölkerung ermöglichen soll, gelte in der Gegend nicht mehr.
Einwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur, die israelische Armee habe seit dem Morgen ihre Angriffe auf den Gazastreifen verstärkt. Aus medizinischen Kreisen hieß es, mindestens 48 Palästinenser seien getötet worden, darunter 20 im Norden des Gebiets. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Einwohner hatten bereits vor einer Woche von intensiven Luftangriffen des Militärs im Umkreis der Stadt Gaza berichtet.
Warnung von Hilfsorganisationen
Hilfsorganisationen warnen vor einer Ausweitung der Kämpfe in dem Gebiet. Sie kritisieren immer wieder die katastrophalen Bedingungen in den Flüchtlingslagern im Zentrum und Süden des Gazastreifens, in die die Bevölkerung aus Gaza umquartiert werden soll. Für die Stadt Gaza und Nachbarorte hatte die weltweit als Autorität für Ernährungssicherheit anerkannte IPC-Initiative eine Hungersnot erklärt. Israel wies dies zurück.
Die Chefin des Welternährungsprogramms (WFP) forderte am Donnerstag nach einem Besuch in dem umkämpften Küstenstreifen eine massive Ausweitung der humanitären Hilfe. „Gaza ist am Zerreißpunkt“, warnte WFP-Direktorin Cindy McCain auf X. Eine halbe Million Menschen in dem von Israel abgeriegelten und großflächig zerstörten Küstengebiet hungere.
Leichen zweier Geiseln geborgen
Nachdem die Armee die Stadt Gaza als „gefährliches Kampfgebiet“ eingestuft hatte, kündigte Armeesprecher Adraee zudem an: „Wir werden unsere Angriffe verstärken.“ Ziel sei die Zerschlagung der Hamas aus militärischer und politischer Sicht sowie die Freilassung aller aus Israel entführter Geiseln.
Die Leichen zweier Geiseln barg die israelische Armee unterdessen und brachte sie zurück nach Israel. Bei einem der Verschleppten handelt es sich um Ilan Weiss, einen Israeli, der bereits am Tag des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 getötet worden ist, wie der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mitteilte. Zur Identität der zweiten Person gab es zunächst keine Informationen.
Unter Verschleppten auch noch Deutsch-Israelis
Weiss stammte aus dem Kibbuz Beeri und versuchte nach Angaben des Forums der Geisel-Familien während des Angriffs der Hamas und anderer Islamisten die eindringenden Terroristen abzuwehren. Erst im Januar 2024 wurde demnach offiziell bestätigt, dass er dabei ums Leben kam. „Ilan bewies Mut und Großmut im Kampf gegen die Terroristen an diesem dunklen Tag. Mit seinem Tod schenkte er Leben“, sagte Israels Staatspräsident Izchak Herzog. Die israelische Nachrichtenseite „ynet“ berichtete unter Berufung auf die Armee, seine Leiche sei im zentralen Abschnitt des Gazastreifens gefunden worden.
Insgesamt werden nun noch 48 Geiseln von Extremisten im Gazastreifen festgehalten, 20 davon sollen am Leben sein. Unter den Geiseln sind auch einige, die neben der israelischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft haben.