Kopenhagen  Drohnenangriff auf Flughäfen in Kopenhagen und Oslo: Könnte es Russland gewesen sein?

Jens Mattern
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Von Jens Mattern
| 24.09.2025 07:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Sichtung mehrerer großer Drohnen hat an den Flughäfen in Kopenhagen und Oslo für eine stundenlange Sperrung des Luftverkehrs gesorgt. Foto: dpa/Steffen Trumpf
Die Sichtung mehrerer großer Drohnen hat an den Flughäfen in Kopenhagen und Oslo für eine stundenlange Sperrung des Luftverkehrs gesorgt. Foto: dpa/Steffen Trumpf
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Der Flugbetrieb in Kopenhagen und Oslo wurde in der Nacht zum Dienstag durch Drohnenflüge unterbrochen. Die Regierung kann nicht ausschließen, dass es sich dabei um russische Drohnen handelt.

„Ich kann nicht ausschließen, dass es Russland war“ meinte die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen bei einem frühmorgendlichen Pressetermin, und sprach auch von „dem ernsthaftesten Anschlag auf kritische dänische Infrastruktur“.

Drei größere Drohnen sollen nach Angaben der NATO über das Gelände des Flughafens Kastrup nahe der dänischen Hauptstadt geflogen sein, worauf der Flugverkehr für vier Stunden bis 0.30 Dienstag unterbunden wurde. Von den Ausfällen und Verspätungen waren 20.000 Passagiere betroffen.

Die Sozialdemokratin wies auch auf eine mögliche Verbindung zu den Drohnenangriffen auf Polen und Rumänien sowie auf die Verletzung des estnischen Luftraums durch drei russische Kampfjets. Von einem Schiff könnten die Drohnen gestartet und gesteuert worden sein, so eine Mutmaßung des dänischen Polizeichefs Jens Jespersen, der von einem „fähigen Akteur“ ausgeht. Man suche nun auch nach „digitalen Spuren“ des Drohnenvorfalls.

Der dänische Polizist wies auf den Treibstoff des Flugobjekts hin. Abgeschossen habe die Polizei die Flugobjekte nicht, da sie sonst auf dem Flughafen Zerstörungen angerichtet haben könnten, auch durch den eigenen Treibstoff. In Dänemark wurde am Dienstag der Krisenstab NOST einberufen, eine Koordination von Polizeikräften, Geheimdiensten, Militär und Außenministerium.

Offen ist weiterhin, woher die Drohnen kamen, wohin sie flogen. Fest steht, dass die schwedische Polizei am Montag Abend im nahen Malmö von Privatpersonen über eine „enorm große Drohne“ informiert wurde.

Als „haltlose Beschuldigung“ weist Kreml-Sprecher Dmitrij Peskov jegliche Verbindung zu dem Drohnenflug als von sich, wie schon geschehen bei den vorigen Inzidenten. Sollte hinter dem Vergehen Russland stecken, wäre mit Dänemark erstmals ein NATO-Mitglied angegangen worden, das nicht zur Ostflanke der Verteidigungsallianz gehört.

Als Grund für die Provokation könnten die Spannungen zwischen beiden Ländern gelten – Mette Frederiksen hatte in der vergangenen Woche erklärt, Dänemark wolle Langstreckenwaffen kaufen – somit könnten strategisch wichtige Ziele in Russland getroffen werden.

Als „reiner Wahnsinn“ bezeichnetet diese Pläne Vladimir Barbin, der russische Botschafter in Kopenhagen, welcher dem skandinavischen Land auch „feindselige Aktivitäten“ auf Bornholm vorwarf, die „eine Bedrohung für Russland, einschließlich der Region Kaliningrad, darstellen“. Die dänische Insel, rund vierhundert Kilometer von der russischen Enklave entfernt, ist von großer strategischer Bedeutung in der Ostsee im Fall eines militärischen Konflikts zwischen der NATO und Russland. Erwähnt sei hier, dass bereits Schweden, Finnland und Norwegen die Marschflugkörper Taurus bestellt haben, ebenfalls eine Langstreckenwaffe.

Allerdings unternahmen dies die dortigen Regierungen diskret, während die gern resolut auftretende Frederiksen die Anschaffung auf einer Pressekonferenz demonstrativ herausposaunte.

Russland stößt auch auf, dass Dänemark derzeit Kooperationen mit der ukrainischen Rüstungsindustrie ausbaut, so wurden sogar dänische Soldaten in der Handhabung von Kampfdrohnen diesen Sommer in der Westukraine ausgebildet. Auch was den künftigen Schutz des Flughafens angeht, kündigte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen an, dass man sich auch an Systemen orientieren werde, welche die Ukraine bereits anwende.

Dänemark, derzeit das im Juli den EU-Rats-Ratsvorsitz übernommen hat, wird in der kommenden Woche in Kopenhagen einen informalen EU-Gipfel zur russischen Bedrohung abhalten. Weniger dramatisch erschien auf den ersten Blick die Lage in Oslo, wo der Flugverkehr des Flughafens Gardermoen von 0.30 bis 3.38 Uhr unterbrochen worden ist, da Flugobjekte in der Sperrzone gemeldet wurden.

„Wir können noch nicht hundertprozentig bestätigen, dass eine Drohne in der Luft war“, so Gisle Sveen, Einsatzleiter der Polizei, gegenüber den norwegischen Medien. „Wir nehmen die Lage sehr ernst” meint Astri Aas-Hansen, Norwegens Ministerin für Sicherheit und Justiz.

Wie Dänemark ist Norwegen ein entschiedener Unterstützer der Ukraine – für deren Ausbau der Luftverteidigung hat das skandinavische Land kürzlich umgerechnet 593 Millionen Euro zugesichert. Dass nun die NATO-Länder mit derlei Unterstützung aufhören und mehr Finanzen in die eigene Luftverteidigung stecken, kann ein Motiv der russischen Attacken der letzten zwei Wochen sein.

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