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Ohne Vorwarnung: Google-Auto in Aurich unterwegs

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 04.08.2021 19:49 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wie hier in der Krummhörn sind in letzter Zeit wieder vermehrt Kamera-Autos auf den ostfriesischen Straßen unterwegs. Foto: Archiv
Wie hier in der Krummhörn sind in letzter Zeit wieder vermehrt Kamera-Autos auf den ostfriesischen Straßen unterwegs. Foto: Archiv
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Eigentlich muss der Internet-Gigant Google die Fahrten mit seinen Kamera-Autos ankündigen. Für Aurich gab es keine Ankündigung – trotzdem fuhr ein Google-Auto durch die Innenstadt.

Was und warum

Darum geht es: Kamera-Autos lichten Auricher Straßenzüge ab.

Vor allem interessant für: Alle, denen Datenschutz am Herzen liegt.

Deshalb berichten wir: Das Fahrzeug von Google fuhr direkt vor der OZ-Redaktion in der Kirchstraße vorbei.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Aurich - Ganz langsam rollt das blaue Auto am Dienstagmittag durch die Auricher Innenstadt. Es ist unübersehbar, denn auf seinem Dach thront eine Kamera-Apparatur, die es in sich hat. Mit ihr macht das Fahrzeug des Internet-Giganten Google 360-Grad-Fotografien von allem, was dem Auto vor die Linse kommt. Die Autos auf denen der Schriftzug „Streetview“ prangt, sind seit Jahren umstritten. Google schickte sie erstmals im Jahr 2008 auf deutsche Straßen. Schon damals liefen Datenschützer Sturm. Mit dem Dienst „Streetview“ können Internet-Nutzer virtuell durch Städte spazieren. Gerade in Großstädten ist fast jede Hausfassade fotografisch abgebildet.

Seit Juli 2020 werden die auffälligen Autos von Google wieder häufiger auf deutschen Straßen und auch in Ostfriesland gesichtet. Der Grund ist aber nicht „Streetview“ auf den neuesten Stand zu bringen, wie eine Google-Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion betont. Stattdessen gehe es darum, Googles Karten- und Navigationsdienst „Maps“ zu verbessern. „Jeden Tag nutzen tausende Nutzerinnen und Nutzer Google Maps und wir möchten dafür sorgen, dass sie jederzeit ihren Weg finden. Um dies zu schaffen, müssen wir sichergehen, die richtigen Straßennamen, Straßenschilder, Streckenführungen und Informationen über Geschäfte und andere relevante Orte zu verwenden“, so die Google-Sprecherin. Es sei nicht beabsichtigt, die Bilder zu veröffentlichen.

Am Dienstag rollte ein Fahrzeug von Google durch die Auricher Innenstadt. Foto: Rümmele
Am Dienstag rollte ein Fahrzeug von Google durch die Auricher Innenstadt. Foto: Rümmele

Nur eine dürftige Ankündigung

Trotzdem gelten für die Aufnahmen des Unternehmens strenge Regeln, wie Philip Ossenkopp, Sprecher der Niedersächsischen Datenschutzbeauftragten klarstellt: „Google ist verpflichtet, die Fahrten vorher anzukündigen.“ Dadurch hätten Betroffene, etwa Immobilienbesitzer, die Möglichkeit, einen Vorab-Widerspruch gegen die Aufnahmen einzulegen. Für die Einwohner von Aurich gab es aber praktisch keine Vorwarnung. Denn die Ankündigung, auf die auch die Unternehmens-Sprecherin verweist, fällt dürftig aus: Im Internet werden für Ostfriesland lediglich Fahrten in Leer und Wittmund angekündigt – von Aurich ist keine Rede. „Bei der Angabe von Städtenamen sind eventuell umliegende kleinere Städte und Dörfer mit eingeschlossen“, heißt es hierzu von Google. Aurich ist allerdings kein Dorf und hat auch mehr Einwohner als Leer und Wittmund.

Der Sprecher der Niedersächsischen Datenschutzbeauftragten möchte sich trotzdem nicht festlegen, ob die Kamerafahrt durch die Auricher Innenstadt gegen geltendes Recht verstößt. Dafür müsste der Einzelfall genau betrachtet werden. Die Frage der Redaktion an Google, wann und wo im Landkreis Aurich weitere Aufnahmen geplant sind, blieb von dem Unternehmen unbeantwortet.

Google hat sich dem Verein Selbstregulierung Informationswirtschaft angeschlossen. An diesen können sich Menschen wenden, die eine Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte fürchten. Unter www.sriw.de können Betroffene Kontakt zu der Ombudsstelle aufnehmen.

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