Leer
2,5 Millionen Euro von Postbank eingeklagt
Der Anwalt Helge Petersen aus Kiel hat mehr als 100 Kunden im Leeraner Postbank-Zinsskandal vertreten. Die letzten Gerichtsverfahren sind abgeschlossen worden – mit großem Erfolg für seine Mandanten.
Leer - Er war der Anwalt, der mit mehr als 100 Mandanten die meisten Geschädigten im Zinsskandal der Postbank in Leer vertreten hat: Helge Petersen aus Kiel kann die Akten mittlerweile zuklappen, denn Ende vergangenen Jahres sind die letzten Klageverfahren vor Gericht verhandelt worden. Mit großem Erfolg, denn die Postbank sei in jedem Fall dazu verurteilt worden, den Gesamtschaden zu erstatten. „Das waren insgesamt rund 2,5 Millionen Euro“, sagt Fachanwalt Petersen.
Der inzwischen verstorbene Leiter der Filiale in Leer hatte zwischen Mai 2008 und Februar 2013 unbemerkt insgesamt 11,3 Millionen Euro von den Konten von vier Großkunden genommen, um anderen Kunden hohe Bonus-Zinsen gewähren zu können. Im Mai 2016 war er deshalb vom Amtsgericht in Leer wegen gewerbsmäßiger Untreue in 29 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden.
„Die Zinsen sind rechtswidrig blockiert worden“
Damals war ihm eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert worden. Zudem hieß es, dass die Bank es ihm „leicht gemacht habe“. Die Postbank hatte Kunden, die von den Bonus-Zinsen profitiert hatten, nach Bekanntwerden der Straftaten 2013 das Geld eingefroren. Diese Summen musste das Kreditinstitut nun – „samt Verzugszinsen und Anwaltskosten“ wie Petersen betont – erstatten.
„Die Zinsen sind rechtswidrig blockiert worden“, erklärt er. Die einzelnen Summen, um die es in den Verfahren vorm Landgericht Bonn ging, reichten von „vier- bis siebenstellig“, berichtet der Anwalt. Es habe noch viele weitere Kunden gegeben, die nicht den Klageweg bis zum Ende beschritten, sondern sich mit der Postbank auf einen Vergleich geeinigt hätten. Über die Inhalte sei Stillschweigen vereinbart worden. Dem Vernehmen nach sollen auf diesem Wege zusätzlich mehrere 100 000 Euro geflossen sein.
In den Fällen, die er vertreten habe, habe die Postbank keine Rechtsmittel eingelegt, sagt der Anwalt. Damit sind die Urteile rechtskräftig. Für Petersen ist es nach wie vor „unfassbar“, wie es dem Filialleiter mit Hilfe von Scheinbuchungen gelingen konnte, Millionen von Euro zwischen Konten hin- und herzuschieben. „Das war ein totales Versagen der Innenrevision“, sagt er.