Inklusion

Grundschule Jennelt wartet seit drei Jahren auf Treppenlift

Claus Arne Hock
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Von Claus Arne Hock
| 31.08.2020 09:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Die Grundschule Jennelt hat einen Inklusionsschwerpunkt. Viel wurde gemacht, aber für ein Kind im Rollstuhl bleibt es nahezu unmöglich, den Musikraum, die Schülerküche und die Bibliothek zu erreichen. Eine Abhilfe lässt seit Jahren auf sich warten.

Jennelt - Voraussichtlich im September wird laut der Krummhörner SPD wieder das Thema Grundschule Jennelt auf der Tagesordnung des Bildungsausschusses stehen. Doch gehe es laut einer Mitteilung der Sozialdemokraten nicht nur um die Sanierung, nein, es müsse auch „kurzfristig eine Lösung gefunden werden, damit ein behindertes Kind auch in den oberen Klassenräumen am Unterricht teilnehmen kann“. Dies sei auf der vergangenen Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Jennelt-Eilsum angesprochen worden. Diese „kurzfristige Lösung“ lässt, das ergaben Nachfragen der Ostfriesen-Zeitung, derweil schon drei Jahre auf sich warten – an einer Schwerpunktschule für Inklusion.

Das Kind, um das es geht, sitzt laut Gemeindeverwaltung im Rollstuhl. Das Problem: Musikraum und Bibliothek befinden sich im oberen Stockwerk der Schule. Auch der Hauswirtschaftsraum, wie die Schule auf Nachfrage ergänzt, liegt dort. Drei Räume, die das Kind seit der Einschulung nicht oder nur mit fremder Hilfe erreichen kann. Mittlerweile ist das Kind in der 3. Klasse.

Automatische Türen eingebaut

Untätig war die Gemeinde allerdings nicht komplett. „So sind unter anderem automatische Türen für rund 50 000 Euro in der Schule installiert worden. Außerdem wurden andere Hilfsmittel angeschafft, mit der die Gemeinde eine Beschulung des Kindes ermöglicht hat“, teilt Gemeindesprecher Fritz Harders mit. Der Einbau eines Fahrstuhles sei „bei allem Wohlwollen und Bemühen, der Inklusion gerecht zu werden, finanziell nicht darstellbar“, so Harders weiter. Dies habe mit der notwendigen Sanierung der Schule zu tun. Andere Möglichkeiten? „Geprüft worden war außerdem, einen Treppenlift einzubauen. Das war aus baulichen Gründen nicht umsetzbar“, so die Gemeinde. Aber: „Geprüft wird noch, ob ein elektrischer Treppenrollstuhl eine Übergangslösung darstellen könnte.“

Die automatischen Türen bestätigt Schulleiterin Jutta Lerche-Schaudinn auf Nachfrage. Andere notwendige Anpassungen seien noch in diesem Jahr geschehen. Auch zum Thema Treppenlift habe es eine Begehung gegeben. Eine Entscheidung gebe es noch nicht.

Keine Teilhabe in allen Bereichen

„Der Klassenraum, die Mensa, der Schulhof und das Lehrerzimmer“ seien aber für das Kind zugänglich, betont Harbers. „Eine Teilhabe in allen Bereichen war in den ersten beiden Jahren nicht möglich“, betont derweil Lerche-Schaudinn. Zwar habe der Musikunterricht in Klasse 1 und 2 im Klassenraum stattfinden können, dies sei jetzt aber nicht möglich. Da unter anderem das Spielen verschiedener Instrumente in der zweiten Hälfte der Grundschulzeit ein fester Bestandteil des Musikunterrichts sei, drohe jetzt nicht nur das betroffene Kind, „sondern auch die komplette Klasse“ von eben diesem Musikunterricht ausgeschlossen zu werden, „da ein Transport der Instrumente aufgrund des Aufwandes nicht möglich ist“. Der in Prüfung befindliche Treppenlift würde Abhilfe schaffen, „auch ein Zugang zur Lehrküche wäre dann möglich“, so Lerche-Schaudinn.

„Ein fehlender Fahrstuhl und Schwerpunktschule Inklusion passen natürlich nicht zusammen!“, sagt Lerche-Schaudinn. Die Eltern des Kindes hätten sich aber bewusst für eine ortsnahe Beschulung entschieden. „Alternativ wäre nur die KME-Schule in Aurich infrage gekommen“, so die Schulleiterin. Aber auch, wenn ein Treppenlift fehlt und auch der Sanierungsbedarf der Grundschule nicht infrage gestellt wird: „Abschließend ist es mir noch wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass trotz der fehlenden Barrierefreiheit die Beschulung – trotz aller Bedenken und Zweifel – als besonders gelungen anzusehen ist“, sagt Lerche-Schaudinn. Zu verdanken sei dies dem Engagement und unermüdlichen Einsatz der Lehrkräfte.

So sieht es im Rest der Krummhörn aus: Die Grundschule Pewsum verfügt laut Gemeindeverwaltung über einen Aufzug, in der Grundschule Loquard seien alle Unterrichtsräume im Untergeschoss und in der Grundschule Greetsiel „sind die erforderlichen Unterrichtsräume“ ebenfalls im Untergeschoss. Nur das Lehrerzimmer sei, nur über eine Treppe erreichbar, im 1. Stock.

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