Dorfzentrum

Unbekannter plante Gastronomie im Loppersumer Dorfkrug

Claus Arne Hock
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Von Claus Arne Hock
| 24.09.2020 12:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Für die Nachnutzung des ehemaligen Dorfkruges in Loppersum gibt es wohl einen Interessenten. Die Zukunft des Gebäudes mitten im Ort bleibt aber dennoch weiterhin ungewiss. Vergleichbare Säle gibt es im Ort nicht.

Loppersum - Die Scheiben sind zum Teil eingeschlagen, alte Vereinsnachrichten hängen noch im Schaukasten, der Gästeparkplatz wird von einem Wohnmobil zweckentfremdet: Der ehemalige Dorfkrug in Loppersum, direkt an der Loppersumer Straße nicht unweit der B210, bietet kein schönes Bild. Das einstige Dorfzentrum ist leblos, durch eine Scheibe kann man noch den alten Thekenbereich sehen.

Dabei hätte es vielleicht sogar eine gastronomische Nachnutzung gegeben. Das sagt zumindest Wilke Saathoff, der den zuvor schon länger leerstehenden Dorfkrug 2019 kaufte – und eigentlich schon wieder verkauft hat. „Es gibt einen Kaufvertrag, der ist aber noch nicht abgewickelt“, sagt der Leezdorfer Immobilienunternehmer auf Nachfrage.

Unbekannter Interessent mit unbekannten Problemen

Das bedeutet: Es habe einen Interessenten gegeben, der im Dorfkrug eine Gastronomie aufbauen wollte. „Das war die Bedingung für den Verkauf“, so Saathoff. Aber eine entsprechende Genehmigung liege noch nicht vor und außerdem „laufe es wohl nicht so, wie der Interessent sich das vorgestellt hat“. Sollten die Bedingungen des Kaufvertrages nicht erfüllt werden, geht das Gebäude wieder an Saathoff.

Durch ein zerbrochenes Fenster ist der Blick ins Innere des Dorfkruges möglich. Bild: Hock
Durch ein zerbrochenes Fenster ist der Blick ins Innere des Dorfkruges möglich. Bild: Hock
Welche Art von Gastronomie dort geplant ist oder war, will Saathoff nur grob eingrenzen. „Essen und Lieferservice“, sagt er. Und auch bei der Gemeinde Hinte weiß man nicht mehr. „Wir würden es sehr begrüßen und auch unterstützen, wenn sich dort wieder eine Gastronomie ansiedeln würde“, sagt Bürgermeister Uwe Redenius auf Nachfrage. Aber: „Von einem entsprechenden Antrag ist uns nichts bekannt.“

Kaum Raum für Feiern

Also scheint die Zukunft des Dorfkruges wieder offen. So mancher sieht hier eine vertane Chance. Darunter Loppersums Ortskümmerer Gerhard Hoffmann, der auch Mitglied der Freien Liste Hinte ist. „Ich habe mich gefragt, warum die Gemeinde das Gebäude nicht gekauft hat“, sagt er auf Nachfrage. Vielleicht hätte die Verwaltung bei der Zwangsversteigerung 2019 zuschlagen sollen, so seine Überlegung. „Eine wirkliche Diskussion darüber gab es nicht“, sagt der Loppersumer SPD-Ratsherr Erich Saathoff.

Aber ob nun vertane Chance oder nicht, einig sind sich sowohl Saathoff als auch Hoffmann, dass der geschlossene Dorfkrug ein großes Loch im Dorfleben hinterlassen hat. „Hochzeiten, Beerdigungen, Familienfeiern, alles wurde da gefeiert“, erinnert sich Hoffmann. „Jetzt bleiben dafür fast nur Säle außerhalb übrig“, sagt er. Kleinere Säle gebe es in Loppersum nur im Gemeindehaus und bei der Feuerwehr.

Hoffnung bleibt bestehen

„Die Teetafeln nach der Beerdigung haben wir vor Corona im Gemeindehaus gemacht“, bestätigt auch Thea Reints aus dem Kirchenbüro der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde. Größere Feierlichkeiten würden auch ihrem Wissen nach dann außerhalb von Loppersum abgehalten, im Novum-Hotel beispielsweise. Loppersum hat sein Zentrum verloren. „Wie in vielen Dörfern, in denen die Dorfkneipen verschwinden“, so Saathoff. Und Hoffmann sagt: „Die Probleme gibt es in fast ganz Hinte.“

Auch die Feuerwehren in der Gemeinde würden ihre Räume teilweise für Feierlichkeiten zur Verfügung stellen. „Es gibt eine Nutzungsvereinbarung, die das regelt“, so Norbert Dubbels, zuständig für Gemeindeentwicklung in Hinte. Teilweise seien die Feuerwehrhäuser auch mit den Dorfgemeinschaftshäusern kombiniert, die es in manchen Orten gibt.

Die Hoffnung auf eine Nachnutzung, die Loppersum ein neues Dorfzentrum und vor allem wieder einen neuen Saal verschafft, wollen weder der Ortskümmerer noch der Sozialdemokrat aufgeben. „Ein Dorfgemeinschaftshaus fehlt eigentlich“, sagt Saathoff. Nur: „Wer soll das betreiben?“

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